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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 05:42 Uhr

Vorbildlich : Schilderwald ist abgeholzt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Glückstadt demontiert mehr als 100 Verkehrszeichen. Abbau soll die Übersicht der Autofahrer verbessern und Kosten einsparen

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2016 | 12:20 Uhr

Glückstadts Verkehrs-Schilderwald hat sich gelichtet. Sinnvoll und übersichtlich. Dieses Fazit zogen gestern Bürgermeisterin Manja Biel, Elke Bertram und Jürgen Kewitz – die Ideengeber vom Ordnungsamt – sowie Carsten Carstensen, Verkehrsexperte des ADAC aus Kiel.

Seit Jahresbeginn schwelte die Frage, wie sich eine so genannte „positive Beschilderung“ im Innenstadtbereich verwirklichen ließe. In Zusammenarbeit mit dem ADAC wurden sämtliche Verkehrszeichen in der historischen Altstadt unter die Lupe genommen. Ab August begann eine Testphase mit dem Verdecken überflüssiger Verkehrszeichen. „Diese Testphase war außerordentlich sinnvoll“, erläuterte Manja Biel gestern. In der Zeit inspizierte Jürgen Kewitz zusammen mit der Feuerwehr und der Polizei die verschiedenen infrage kommenden Straßen. Und das eine oder andere Manko konnte schnell ausgemerzt werden. „Es gab einige Ecken, an denen die Feuerwehr nicht hätte agieren können“, sagte Kewitz.

Nach heutigem Stand sind es mehr als 100 Verkehrszeichen, die von den Mitarbeitern des kommunalen Service – in der Regel handelt es sich um Park- oder Halteverbotsschilder – abmontiert wurden. Dem gegenüber stehen etwa 25 neu aufgestellte Verkehrszeichen zur Parkraumregelung. Unterm Strich eine Ersparnis von 75 Schildern. Was sich auch in den Kosten niederschlägt. Pro Schild, das von der Stadt angeschafft werden muss, werden etwa 150 Euro fällig.

Vielfach wurden die unübersichtlichen Schilderwälder in einigen Orten kritisiert. Hauptargumente der Kritiker: die Informationsflut am Straßenrand überfordere die Autofahrer. Wirklich wichtige Verkehrszeichen würden nicht mehr registriert, und es entstünden hohe Kosten für die Aufstellung und den Unterhalt der Schilder. Diesem Argument kann die Stadt nun entgegen treten. Jetzt heißt es „Positiv-Beschilderung“: „Es darf überall dort auf den Flächen geparkt werden, die durch entsprechende Beschilderung oder Markierungen ausgewiesen sind“, erklärte Elke Bertram. Der Effekt: Es fallen etliche Verbotsschilder weg. Diese Regelung findet in der gesamten Innenstadt Anwendung. Parkberechtigungen für Bewohner sind uneingeschränkt gültig.

Touristen müssten zum Beispiel nicht zwingend durch Schilder darauf hingewiesen werden, dass Glückstädter keine Parkscheibe im Auto auszulegen brauchen. „Wir wollen den Kraftfahrern insgesamt ein gutes Gefühl vermitteln. Sie sollen nicht reglementiert werden, und es muss eine klare Interpretation des Stellplatzes stattfinden“, erklärte Carsten Carstensen, der das ganzheitliche Erkennen der Park-Zonen in den Vordergrund stellte: „Alles, was nicht zwingend erforderlich ist, gehört abgeschafft.“

Schon innerhalb der Testphase gab es kaum Probleme mit dem Erkennen des Parkraumes: „Die Verstöße sind in etwa gleich geblieben“, berichtete Elke Bertram. Und es ließen sich sogar noch viel mehr Verkehrszeichen einsparen, wenn bereits in der Innenstadt geltende 30er-Zonen auch auf die vier Flethachsen übertragen werden dürfen. Dafür allerdings wird eine Anordnung der Verkehrsaufsichtsbehörde des Kreises benötigt. Die darf der Kreis für eine innerstädtische Hauptverkehrsstraße wie den Fleth nach Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung aber nicht selbst erteilen. Deshalb hat die Stadt den Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Kiel eingeschaltet.

Manja Biel: „Verkehrsminister Reinhard Meyer hat bereits eine grundsätzliche Zusage in Aussicht gestellt. Diese Zusage sollte mit den Ergebnissen einer bereits stattgefundenen Verkehrsschau in Einklang gestellt werden.“ Die Bürgermeisterin hatte eigentlich spekuliert, dass der Nikolaus mit diesem netten Geschenk aus Kiel ins Glückstädter Rathaus kommen würde. Dem war leider nicht so. Immerhin: Das vorerst letzte Halteverbotsschild vor dem Rathaus demontierte die Bürgermeisterin – mit tatkräftiger Hilfe von Richard Sibbert vom kommunalen Service – eigenhändig.

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