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chaotische Verkehrsführung : Schilderwald auf den Radwegen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Widersprüchliche Markierungen machen es Radfahrern in Glückstadt schwer. Verbesserungen sind besonders am Fleth und am Markt nötig.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2014 | 16:15 Uhr

Ein blaues Fußgängerschild mit dem Zusatz Fahrräder frei zeigt an: Hier dürfen Radfahrer auch auf dem Gehweg fahren. Gleichzeitig gibt eine Markierung auf dem Boden vor: Links fahren nur Radfahrer, rechts gehen Fußgänger. Und nur 50 Meter weiter weist ein Schild darauf hin, dass hier ausschließlich Fußgänger gehen dürfen. Am Fleth vor der Kneipe „Ecke 63“ ist die Verwirrung für die Verkehrsteilnehmer perfekt. Und wer genau hinschaut, der bemerkt: In der ganzen Stadt sind die Radwege widersprüchlich beschildert.

So stehen am Janssenweg in der Nähe des Kreisels Schilder, die den Radlern das Fahren in beide Richtungen erlauben. In welchem Bereich bleibt aber unklar. Und wo gerade vom Kreisel die Rede ist: Dort gibt es an zwei Überwegen Markierungen für Radfahrer, an den zwei anderen nicht. An der Friedrich-Ebert-Straße wiederum ist der Überweg für Radfahrer so breit markiert, dass für Fußgänger scheinbar kein Platz mehr bleibt.

„Die Beschilderung müsste eindeutiger sein“, kritisiert Christine Berg (Grüne), die als Mitglied der Stadtvertretung für eine radfahrerfreundliche Kommune kämpft. Mängel stellt sie insbesondere auch um den Marktplatz herum fest. An der Bushaltestelle komme es immer wieder zu Engpässen, gerade im Sommer, wenn die Touristenbusse ankämen. Die Beschilderung lasse es den Radfahrern offen, ob sie vor oder hinter der Bushaltestelle oder sogar auf der Straße lang fahren.

Für Christine Berg ist die einzig sinnvolle Lösung: Die Radfahrer gehören auf die Straße – und zwar am gesamten Fleth. Die Radwege seien dort insgesamt sehr eng. In weiten Teilen des Fleths würde ein Streifen in der Pflasterung suggerieren, dass sich links Radfahrer und rechts Fußgänger bewegen. Dieser „Schmuckstreifen“ sei aber nicht verbindlich. Denn bei der Beschilderung gebe es keine Trennung von Rad- und Gehweg. Das Problem könnte umgangen werden, wenn ein Streifen für Radfahrer auf der Straße angelegt würde. „Die Meinung, dass diese Streifen sehr unfallträchtig sind, ist falsch“, sagt Christine Berg. „Die Autofahrer sehen die eindeutige Markierung und bemerken die Radfahrer.“ So zeige es die Erfahrung aus anderen Städten.

Bürgermeister Gerhard Blasberg ist da skeptisch. „Ich finde es äußerst schwierig, die Radfahrer auf die Straße zu verlagern. Wenn es überhaupt klappt, wird es eine sehr lange Gewöhnungsphase brauchen“, meint der Stadtchef, der sich selbst als „leidenschaftlicher Radfahrer“ bezeichnet.

Der Bürgermeister sieht vor allem bei den Einbahnstraßen Verbesserungsbedarf. In manchen von ihnen, wie der Carl-Legien-Straße oder der Friedrich-Ebert-Straße sei das Radeln gegen die Fahrtrichtung bereits erlaubt. In vielen anderen dagegen nicht. „Das sorgt für Verwirrung. Eine gewisse Einheitlichkeit würde hier weiterhelfen“, so Blasberg.

Insbesondere die Einbahnstraße um den Marktplatz herum müsse dringend für Radfahrer geöffnet werden. „Denn wer von der Großen Kremper Straße zum Fortuna-Bad will, der fährt doch nicht um den Marktplatz herum“, so Blasberg. Wer jedoch entgegengesetzt fährt, muss mit einer Strafe rechnen.

Solche verteilt die Polizei derzeit reichlich am Janssenweg. Schüler berichten davon, dass sie angehalten wurden, als sie auf dem Heimweg von der Schule auf der linken Straßenseite fuhren. Viele umgehen damit den dunklen und manchmal rutschigen Weg auf der rechten Straßenseite, der durch den Stadtpark führt.

Dabei ist gerade der Janssenweg in den Augen von Christine Berg eine besonders gefährlich Ecke für Radler. Vor dem Eisenbahn-Ausbesserungswerk sei der Radweg sehr eng. Eine Lösung hat die Stadtvertreterin jedoch nicht parat.

Berg hatte sich gemeinsam mit ihren grünen Fraktionskollegen für die Erstellung eines Radwege-Verkehrskonzeptes eingesetzt. Die Mitglieder des Bauausschusses lehnten das jedoch ab: „Unser Grundkonzept ist doch in Ordnung, wir haben keine Unfälle“, meinte Dr. Manfred Lück (CDU).

Nun müssten die Radwege eben nach und nach verbessert werden, sagt Christine Berg. Ein erster Schritt wird bereits im Frühjahr 2014 getan, wenn die sehr engen Rad- und Gehwege am Süderfleth saniert werden (wir berichteten).

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