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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 11:29 Uhr

Havarie : Schiffskollision legt Kanal lahm

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mit Düngemitteln beladene Frachter stoßen kurz hinterm Hafen Ostermoor unter der Brunsbütteler Hochbrücke zusammen. Wasserstraße vorübergehend voll zu sperren.

Eine Kollision zweier mit Düngemittel beladenen Frachter in der Nacht zu gestern sorgte für eine Totalausfall auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Die Wasserstraße wurde wegen der Havarie komplett gesperrt, soll heute aber wieder geöffnet werden. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Der Zusammenstoß ereignete sich kurz hinter der Ausfahrt des Brunsbütteler Ölhafens unter der Kanalhochbrücke. Die niederländische Coral Ivory (19 Mann Besatzung, 116 Meter lang, 16 Meter breit, 5821 Tonnen) kam aus dem Hafen Ostermor, wollte Richtung Kiel in den Kanal einbiegen – und krachte in die entgegen kommende Siderfly, ein mit 3700 Tonen Harnstoff beladener Frachter (neun Mann Besatzung, 100 Meter lang, 14 breit, 4380 Tonnen) unter Flagge von St. Vincent. Die Siderfly schlug Leck, durch zwei große Löcher drang Wasser ein.

Das Schiff änderte seinen Kurs Richtung Fähre Kudensee, und legte sich dort ans nördliche Kanalufer. Zwei hinzugezogene Schlepper, eilten dem Havaristen zu Hilfe und drückten das Schiff gegen das Ufer. Die offenbar weitestgehend unbeschädigte Coral Ivory (Ladung: 4030 Tonnen Ammonika) steuerte einen Liegeplatz auf der Südseite bei der Schramm Schleppschifffahrt an.

Da aus der Siderfly Diesel austrat, legte die Brunsbütteler Feuerwehr auf dem Kanal Ölsperren aus. Das havarierte Schiff hatte den Anker fallen lassen, durch die Kette sind Trossen zu in den Boden gerammten Pfählen gespannt worden, um den Frachter in eine stabile Position zu bringen. Später wurde der Heckanker am Kanalufer eingegraben.

Die Finnsun (188 Meter lang, 27 Meter breit, 28 000 BRT) war wohl das letzte Schiff, was Brunsbüttels Schleusen gestern gegen 9 Uhr passierte.

Über die Kursdokumentation lässt sich schnell feststellen, dass der Unfallort vor der Ausfahrt des Landeshafens lag. Interpretiert man den Kurs der mit Ammoniak vollbeladenen den Landeshafen verlassenden Coral Ivory, nahm die Schiffslenkung die Kurve in den Kanal offenbar etwas weit und geriet so in den Gegenverkehr. Offenbar versuchte die Schiffsführung der Siderfly noch ein wenig zum Ufer hin auszuweichen. Dennoch ließ sich der Rammstoß nicht vermeiden. Sowohl ein Laderaum wie auch ein Dieselbunker wurden unter der Wasserlinie beschädigt. Wohl auch durch die Wucht der Kollision drehte die Siderfly und bewegte sich gute 500 Meter Richtung Osten. Dabei dürfte die Schlagseite stetig zugenommen haben. Bei jeder Kollision im NOK gilt als oberstes Gebot: die Fahrrinne muss frei bleiben. Also drehte die Siderfly sich erneut und legte sich an der Nordseite in die Böschung. Die genaue Ursache der Kollison steht noch nicht fest. Die Ermittlungen der Wasserschutzpolizei dauern an.

Wie geht es jetzt weiter? Vordringlich dürfte das Abpumpen des Diesels von der Siderfly, die Aufnahme des treibenden Diesels von der Wasseroberfläche sein, damit die Ölsperre aufgehoben und der Kanal möglichst schnell wieder freigegeben werden kann. Zu einem konkreten Zeitplan mochte sich die Sprecherin des mit der Einsatzleitung befassten Havariekommandos Cuxhaven, Ulrike Windhövel, gestern Nachmittag nicht äußern. Ziel sei es jedoch, den Kanal zumindest zeitweise während der Bergung zu öffnen. Die Bergung der im Dezember 1995 bei Rendsburg verunglückten Sabine D dauerte drei Wochen. Windhövel: „So lange wird es wohl nicht dauern.“

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erstellt am 29.Okt.2013 | 05:00 Uhr

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