zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 07:03 Uhr

Schicksalsschlag für Storchenfamilie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Es sah nach dem perfekten Storchenglück aus – dann schlug das Schicksal zu: Der Storchenvater verletzte sich, musste eingeschläfert werden, und nur eines von drei Küken überlebte.

Freud und Leid liegen oft nah beieinander und – auch bei der jungen Storchenfamilie in Wewelsfleth. Die vergangenen Wochen waren ein Wechselbad der Gefühle. Angefangen hat die Geschichte im April. In der Wilstermarsch fehlten Storchennester. Carsten Sass aus Wewelsfleth war gern bereit, ein Nest in Eigenregie aufzustellen. Den Mast stellte die Eon Hanse zur Verfügung, und mit Hilfe von Jens Maag aus Beidenfleth wurde das Nest am 9. April aufgestellt (wir berichteten). An eine sofortige Belegung glaubte niemand, denn es kann schon mal zwei Jahre dauern, bis ein Nest besetzt wird. Doch bereits am nächsten Tag wurde das Nest von einem Storch besichtigt.

Gut vier Wochen später wurden in der Nähe des Horsts zwei Altstörche auf Futtersuche gesichtet, einer war beringt. Am 22. Mai wurden die Störche bei der Paarung beobachtet– und es war klar, dass das Männchen den Ring trug: Eine Besonderheit, denn der Storch war 2012 im 653 Kilometer entfernten Makowice (Polen) beringt worden.


Storchenvater bricht sich das Bein


Mitte Juni verdichteten sich die Zeichen, dass ein Küken geschlüpft war. Am 7. Juli die Gewissheit: Es gab gleich doppelten Nachwuchs. Doch die Freude währte nicht lang. Am 13. Juli meldete die Wildtierhilfe in Fiel, dass ein Altstorch mit einem gebrochenen Bein abgegeben wurde. Es war der Wewelsflether Adebar.

Normalerweise ist es schwierig für einen einzigen Storch, die Jungen mit ausreichend Futter zu versorgen, zumal die Küken aus der Wilstermarsch noch zu klein waren, um allein gelassen zu werden. Aber das Weibchen schaffte es, fütterte unermüdlich und ließ dabei das Nest nicht aus den Augen. Andernfalls hätte man einen oder beide Jungstörche in Pflege geben müssen. Inzwischen entdeckten die Vogelbeobachter, dass ein drittes Küken verstorben war und verknöchert am Nestrand hing.

Am 17. Juli die traurige Nachricht: Der Storchenvater war schwerer verletzt als vermutet und musste eingeschläfert werden. Das Nest mit dem Weibchen und den beiden Jungen wurde jetzt noch intensiver beobachtet. Rund herum wurde Gras gemäht und eingefahren, so dass sich genügend Futter in der Nähe fand und die Jungen kräftig zulegten. Der 31. Juli wurde als Beringungstermin festgesetzt – und wieder ereilte die Storchenfamilie ein Schicksalsschlag.

Es hatten sich einige Dorfbewohner eingefunden, um dem Storchenbetreuer Jörg Heyna zuzuschauen. Malermeister Volker Röh aus Krempe stellte seine Arbeitsbühne zur Verfügung, um Heyna zum Nest hinaufzufahren. Dann die traurige Entdeckung: Ein Jungstorch lag tot im Nest, Regen und Kälte hatten ihm zu schaffen gemacht.


Küken zu schwach: vergebliche Rettungsaktion


Aber der zweite Jungstorch sah gesund und kräftig aus. Das Storchenweibchen war auf Futtersuche, es musste schnell gehandelt werden. Beide Jungstörche wurden heruntergeholt, und da das Jüngere den Tag vorher noch lebend gesehen wurde, kam es auf Heu unter eine Rotlichtlampe – vergeblich.

Der überlebende Jungstorch, der den Namen Sky erhielt, wurde gewogen, ihm wurden Schnabel und Nasenlöcher gereinigt, dann bekam er von Jörg Heyna den Ring mit der Nummer 0X987. Dabei halfen Bente und Line (beide 10), die auch die Patenschaft für den Jungstorch übernommen hatten. Der Vogel wog 1980 Gramm, weit unter dem Durchschnittsgewicht eines Storches, der von beiden Eltern gefüttert wird. Tragisch: Der tote Storch wog nur 90 Gramm weniger, hätte also unter besseren Bedingunegn überleben können. Er wurde von den Kindern auf der Wiese beerdigt und das Grab mit einem Holzkreuz versehen.

Bevor der Jungstorch wieder auf das Nest gebracht wurde, fuhr Carsten Sass zum Nest hoch, um das nasse Nistmaterial zu entfernen und das Nest mit frischem Heu auszulegen. Nach eine halben Stunde kam das Weibchen zurück und staunte über die neue und trockene Nisteinlage. Nahm den Horst aber sofort wieder an und kümmerte sich um ihr verbliebenes Junges.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen