„Scherbenpark“ – Theater-Solo im Ghetto

Als Sascha: Christina Handt.
Als Sascha: Christina Handt.

shz.de von
05. Juni 2014, 05:00 Uhr

Eine Sonnenbrille, eine Mütze, ein Briefkasten, Tisch und Stuhl – fast eine Stunde allein auf der Bühne und nur wenige Requisiten. Christina Handt beeindruckte in einer Inszenierung des Jugendtheaterclubs im theater itzehoe in einer Solorolle. Als
17-jährige Sascha blickt sie wütend auf die Tragödie in ihrer Familie zurück, die in einem Hochhausghetto wohnt. Sie plant die Rache an ihrem Stiefvater Vadim, der im Affekt die Mutter erschoss. Erst die Bekanntschaft mit einem Journalisten und der Selbstmord Vadims bringen sie wieder ins Lot.

Das Stück nach Alina Bronskys Romanvorlage „Scherbenpark“ (2008) bietet der Ich-Erzählerin viele Ansätze einer Innenschau: Ihren Schulerfolg will sie eigentlich für ihren Aufbruch in eine bessere Zukunft nutzen, sie verachtet die „versoffenen, faulen“ Männer im Ghetto, missbilligt die fehlende Integrationsbereitschaft der Gleichaltrigen und wird doch durch das Familiendrama zeitweise wieder auf ihre Herkunft zurückverwiesen. Christina Handt muss als Sascha alleine die Spannung halten und nutzt dazu neben den Requisiten vor allem die Projektion im Hintergrund. So kann sie über deren Bild die Mutter direkt ansprechen und „beobachtend spielen“, wie Theaterpädagogin Britta Schramm diese Strategie nennt. Sie freut sich, dass eine Spende der Freunde des Theaters die Anschaffung eines Beamers möglich machte, der die Bilder von hinten auf die Leinwand bringt.

Christina Handt übernahm mit „Scherbenpark“ das zweite Mal eine Solorolle und gab damit auch ihren Abschied vom Jugendtheaterclub. Sie war zehn Jahre lang dabei, fünf unter der Regie von Britta Schramm. „Ich habe viele Menschen kennen gelernt und viel Selbstbewusstsein gewonnen“, blickte sie auf wichtige Erfahrungen zurück. Die 20-Jährige will sich nun auf ihre Prüfungen als Erzieherin vorbereiten. Die Bühnenerfahrung wird sie weiter begleiten: Im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Arbeit in der Nachmittagsbetreuung an der Lehmwohldschule hat sie mit Fünftklässlern ein eigenes Stück geschrieben, das sie nun proben und zur Aufführung bringen wollen.

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