Kunst : Schenck – ein Star der Tiermaler

Wurde zum Politikum: das Bild von den Eseln am Trog.
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Wurde zum Politikum: das Bild von den Eseln am Trog.

Seine Tierbilder sind legendär: Der berühmte Maler August Schenck ist in Glückstadt aufgewachsenen. Seine Werke wurden in viele Länder verkauft.

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07. Dezember 2014, 08:10 Uhr

Kaiserin Sissi wollte das Bild kaufen und auch die Prinzessin Mathilde. Doch beide nahmen aus politischen Gründen Abstand. Denn die Esel am Trog würden die Ratgeber des Kaisers Napoleon zeigen – so hieß es.

Das Bild „Um den Trog“ malte der Glückstädter August Schenck 1869. Damals war er bereits berühmt. Seine Werke verkaufte er in alle Welt, vor allem auch nach Amerika und Australien. Ein typisches von ihm hängt im Foyer des Glückstädter Rathauses – „Schafe im Schneesturm“.

Über den großen Maler sprach jetzt der Glückstädter Kunstkenner Hans-Peter Widderich vor Mitgliedern der Detlefsen-Gesellschaft und Gästen. Eine Grundlage für ihn waren die Recherchen des ehemaligen Stadtarchivars Geerd Spanjer (1905-1992), dessen Tochter Sielke Salomon zum Vortrag kam.

August Schenck wurde am 23. April 1821 in Glückstadt geboren. Sein Vater war von Altona in die Elbestadt gezogen und wurde Kleiderhändler, dann Schankwirt und Kaufmann. August Schenck war ein Sohn aus zweiter Ehe. Bekannt ist, dass einer seiner Brüder später Senator in Glückstadt war, ein anderer wurde Advokat in Elmshorn.

Widderich: „Zunächst besuchte August Schenk die Glückstädter Bürgerschule, kam dann auf das Bockendahlsche Institut nach Flottbek und wurde mit 15 Jahren zu seinem Bruder nach Nottingham in England geschickt, um Kaufmann zu lernen.“ Danach tourte er durch Deutschland, Russland und landete in Portugal, wo er fünf Jahre blieb. Von dort ging es nach Paris. August Schenck lies sich von dem bekannten Maler Leon Cogniet (1794-1880) ausbilden, einem bedeutenden Historien- und Portraitmaler. „Das er Schenck als Schüler akzeptierte, lässt auf ein besonderes Können schließen“, so Widderich. „Schenck, ein Glückspilz mit Fingerspitzengefühl, wurde ein Star unter den Tiermalern seiner Zeit.“


Besuch von Ernst Barlach


Früh wurde der gebürtige Glückstädter mit seinen Werken bekannt. „Berühmt wurde er mit seinen Schafsbildern.“ Bereits 1850 hatte Schenck die gebürtige Warschauerin Ludowika Stapaczinska geheiratet und war mit ihr nach Ecouen gezogen, einem Künstlerdorf 20 Kilometer entfernt von Paris. Er malte nicht nur Tiere, er hatte auch viele im Haus und auf dem Grundstück.

Davon berichtete der Bildhauer und Schriftsteller Ernst Barlach (1870-1938) – er war mit einer Nichte Schencks befreundet und besuchte den Künstler in Frankreich. Er schrieb einem Freund: „Als ich ihn das erste Mal besuchte, wurde ich in eine große Scheune geführt, sein Atelier. Da malt er und wirtschaftet wie ein Uhu im hohlen Baum – ein großer, knorriger, steifbeiniger Mann.“ Schenck hätte das rote Bändchen der französischen Ehrenlegion im Knopfloch getragen. Er, Barlach sei jung gewesen, der Maler der ältere, aber mit wachem Geiste, sie hätten sich oftmals gestritten. Barlach beschreibt, dass Schencks Haus „unter der absoluten Herrschaft einer Meute von Hunden, Katzen, Papageien, Ziegen und Schafen“ stand. Bei Tisch, „es gab feinsten Wein“, hätten die Tiere auf Schränken gehockt und auf dem Tisch.

Der Maler Jacob Alberts aus Eiderstedt berichtete Ähnliches. Er schildert Schenck als „große, schöne Erscheinung“, der in einem alten, winkligen Gutshof lebte mit Haustieren aller Art – „bis hin zu Mäusen“. Doch alle Tiere seien liebevoll gepflegt worden.

Im Alter bekam August Schenck Heimweh und fuhr nach Glückstadt. Doch als er alten Freunden begegnete, freuten sie sich nicht. Sie Fragen nur: „Mensch, du lebst noch?“ Er kehrte frustriert zurück nach Frankreich.

Schenck war zu Lebzeiten vermögend, denn gerade amerikanische Milliardäre kauften seine Bilder. Bekannt ist, dass er in Paris Bilder für je 16 000 Euro verkaufte. Und er war auch bei Kollegen anerkannt: Salvatore Dali (1904-1989) hat zwei Darstellungen von Schenck umgearbeitet. Hans-Peter Widderich: „Heute ist Schencks Werk und Leben nahezu vergessen. Tier- und gefühlsbetonte Malerei des 19. Jahrhunderts steht kaum im Fokus.“

August Schenck starb am 29. Dezember 1900 und wurde in Ecouen beigesetzt. „Sein Grab existiert noch.“

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