Diskussion : Schausteller schlagen Alarm

Bei Terminverschiebung ist der Jahrmarkt in Gefahr, befürchten Dieter Fehlauer und Niels Arndt.
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Bei Terminverschiebung ist der Jahrmarkt in Gefahr, befürchten Dieter Fehlauer und Niels Arndt.

Bleibt es beim verschobenen Termin, ist der Fortbestand des Wilsteraner Traditions-Jahrmarkts in Gefahr.

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17. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Was wird aus dem Wilsteraner Jahrmarkt? Steht er gänzlich vor dem Aus? Wenn es beim Ratsbeschluss bleibt, die Traditionsveranstaltung um zwei Wochen auf Mitte Juli vorzuverlegen, sehen die Schausteller, die zum Teil mit ihren Familienunternehmen schon seit Jahrzehnten auf dem Jahrmarkt stehen, keine Möglichkeit mehr, teilzunehmen. „Aber wir wollen den Jahrmarkt für die Region und ihre Menschen erhalten“, betont Dieter Fehlauer, Vorsitzender des Schaustellerverbands Westküste. Darum bemühen sich die Schausteller, das Ruder noch einmal rumzureißen, suchen das Gespräch mit den politischen Parteien und den Einwohnern, damit es beim Datum erster Sonntag im August – wie schon seit 108 Jahren – bleibt. Deshalb hatten sie am Montagabend zu einer öffentlichen Versammlung in die Gaststätte Neue Börse eingeladen.

Mehr als 20 Teilnehmer kamen – einige aus den Reihen des SPD-Ortsvereins mit dem Fraktionsvorsitzenden Manfred Schmiade an der Spitze, und für die Grünen der Landtagsabgeordnete Bernd Voß. Dieter Fehlauer war eigens aus Rostock nach Wilster gekommen, um die Situation der Schausteller deutlich zu machen – und war ebenso wie seine Mitstreiter Thomas Schaar und Niels Arndt ausgesprochen enttäuscht, dass kein Vertreter der CDU anwesend war. Auch vorherige Gesprächstermine wie mit der SPD (wir berichteten) wurden seitens der Christdemokraten abgelehnt, wie Niels Arndt mit Hinweis auf einen E-Mail-Kontakt mit dem Fraktionsvorsitzenden Mark Dethlefs mitteilte. „Ich sollte ihn nicht weiter mit Spam-Mails bombardieren.“

Doch entmutigen lassen wollen sich davon weder die Schausteller noch anwesende Einwohner. Im Gegenteil, sie wollen für den Erhalt des Jahrmarkts am ersten Augustwochenende kämpfen und bekommen dabei Rückenstärkung von den Sozialdemokraten. Die hatten (bis auf einen) bei der Abstimmung zur Terminverschiebung gegen die Terminverschiebung gestimmt. SPD-Fraktionsvorsitzender Manfred Schmiade betonte seinerzeit, dass auch die SPD „für einen schönen Jahrmarkt“ sei, aber die Form des Beschlusses so nicht mittragen könne. Die Sozialdemokraten hätten sich gewünscht, dass möglichst alle Beteiligten – und damit auch die Schausteller – in die Entscheidungsfindung mit einbezogen worden wären. Dann stünde die Jahrmarktsplanung auf einer besseren Basis.

Und genau darum geht es auch den Schaustellern, was sie Montagabend deutlich machten. Eine vernünftige Basis für den Jahrmarkt schaffen, da wollen sie sich gern in die Veranstaltung der Stadt Wilster mit einbringen. Sie erläuterten die Problematik der Terminverschiebung für die Schausteller – der Schaustellerverband Westküste vertritt 70 Schausteller, 30 davon kommen zum Wilster Jahrmarkt. Es hat übrigens sogar eine Umfrage unter allen Schaustellern des diesjährigen Marktes gegeben, von 47 waren 45 gegen den früheren Termin. Grund: Die Tour-Planung für alle Schausteller baut sich im Domino-Gefüge auf – jeder Standort greift in den nächsten über. Würden Fahrgeschäfte und Buden Mitte Juli in Wilster sein, könnten sie nicht schon am Wochenende darauf in Süderbrarup stehen. Der Aufbau dort gestaltet sich aufwendiger als in Wilster. Und: Im Anschluss an Wilster geht es weiter, für die einen nach Brunsbüttel. Damit stünde auch der Termin in der Schleusenstadt zur Diskussion. „Etablierte und erfolgreiche Traditionsfeste geraten ins Wanken, ebenso die Routen der Schausteller“, betont Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, in einem Schreiben an Bürgermeister Walter Schulz (CDU) und den Stadtrat.

Die Schausteller bedauern, dass sie ihre Argumente nicht vor dem Beschluss in Gesprächen einbringen konnten, obwohl sie schon ein Jahr zuvor auf drohende Probleme aufmerksam gemacht hatten. Deutlich wurde in der Versammlung nun das gemeinsame Ziel, das Blatt zu wenden, konstruktiv zusammenzuarbeiten und auch die Christdemokraten doch noch zu überzeugen. Trotz Beschlusses soll das Thema von der SPD noch einmal auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der Ratsversammlung geholt werden. Dazu erhoffen sich die Schausteller, dass möglichst auch viele Wilsteraner ihre Meinung kund tun werden. Die Schausteller würden zudem einen möglichen Bürgerentscheid unterstützen. 

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