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Zukunft der Steinburg : Schatzsuche in historischem Gemäuer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gutachter legen Ergebnisse über den Zustand von Fachwerkhaus im Herzen der Itzehoer Innenstadt vor. Das Adelige Kloster will es in den kommenden Jahren sanieren.

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erstellt am 05.Mai.2017 | 05:00 Uhr

Auf den ersten Blick sieht die Steinburg ziemlich nach Baustelle aus. An vielen Stellen in dem alten Fachwerkhaus an der Ecke Sandberg, Breite Straße und Berliner Platz hängen Kabel, Decken und Wände sind fleckig, Zwischenwände wurden entfernt, Wandverkleidungen teilweise aufgebrochen. Es riecht nach Staub und altem Holz. Doch wer mit Holger Reimers einen Rundgang durch die Räume macht, kann sich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben und eine Ahnung davon bekommen, dass die Steinburg einst eines der „ersten Häuser am Platze“ war.

Mehrere Monate lang hat der Bauhistoriker Reimers die Steinburg intensiv untersucht. Seine Ergebnisse, die er in einer baugeschichtlichen Dokumentation zusammengetragen hat, füllen viele hundert Seiten. Die Befunde haben selbst den erfahrenen Fachmann überrascht. „Das Gebäude wurde ja lange als Buchhandlung genutzt und war für diese Nutzung innen ausgebaut worden“, sagt Reimers. „Ich hatte nicht erwartet, dass noch sehr viel von früheren Innenausbauten dahinter zu finden sei.“ Ein Irrtum, wie Reimers Stück für Stück feststellte. „Sehr, sehr bemerkenswert“ sei das, was er gefunden habe.

Besonders zwei Räume haben es dem Experten angetan: Zum einen sei da die große Diele, jener Bereich im Erdgeschoss hinter dem vorderen Eingang, der in früheren Zeiten der „Hauptaufenthaltsraum“ der Bewohner gewesen sei, wie Reimers erklärt. Wohn- und Arbeitsraum sei die Diele gewesen und repräsentativ ausgestattet. Ab etwa 1750 habe die 1679 erbaute Steinburg als Weinhandlung gedient. Die Diele war wahrscheinlich auch Gaststube. „Ein sehr eleganter Raum“, sagt Reimers. Glatter Steinfußboden, geschnitzte hölzerne Kopfbänder, Deckenbemalungen mit Weinranken – vieles ist so gut erhalten, dass es sich restaurieren ließe.

Ein Stockwerk darüber war es noch etwas edler. In den Eckzimmern Richtung Breite Straße und Berliner Platz wurden im 19. Jahrhundert vermutlich rauschende Feste gefeiert. Die Honoratioren der Stadt gaben sich wohl die Klinke in die Hand. Ausgestattet waren die Räume stets nach der neuesten Mode. Seine Untersuchung habe dort einer kleinen Schatzsuche geglichen, sagt Reimers. Bis zu 17 Schichten Tapeten und Wandbemalungen habe er feststellen können, meist hochwertig verarbeitet. „Die Spuren deuten auf eine wirklich festliche Ausstattung mit mehrfach veredelten und verzierten Oberflächen hin.“ Doch auch im Rest des Gebäudes hat Reimers bei seiner restauratorischen Befundsicherung vieles gefunden, das aus seiner Sicht erhaltenswert ist.

Seine Erkenntnisse sind in eine Bestandserfassung inklusive mehrerer Vorschläge für ein Nutzungskonzept eingeflossen, die der Hamburger Architekt Angus Bangert im Auftrag des Fördervereins Freunde der Steinburg erstellt hat. Die grundsätzlich gute Nachricht des Gutachtens: Die Bausubstanz des Gebäudes ist gut, es gibt keine unüberwindlichen Hürden für eine Sanierung. Die will das Adelige Kloster als Eigentümer der Steinburg mit Unterstützung des Fördervereins angehen. „Das Kloster ist gewillt, seinen Beitrag zu leisten und die Sanierung anhand des Gutachtens umzusetzen“, sagt Verbitter Hans Graf zu Rantzau. „Die Steinburg soll wieder zu einem Zentrum Itzehoes werden.“

Die verschiedenen Nutzungsvorschläge des Architekten Bangert reichen von einer reinen Wohnnutzung über ein „Kontorhaus“ mit verschiedenen Gewerbeeinheiten bis hin zu einer Nutzung als Brauerei mit dem Namen „Klosterbräu“ samt Gastronomiebereich. „Wir würden es begrüßen, wenn die Steinburg den Bürgern offen stehen würde“, sagt Otto Carstens vom Förderverein. Wichtig sei aber vor allem, dass es nach der Sanierung keinen Leerstand gebe.

Doch zunächst gilt es nun, Fördermittel für die Sanierung zu finden, denn alleine, da sind sich Kloster und Verein einig, können sie das Gebäude nicht erneuern. Otto Carstens: „Die gerade beschlossene Innenstadtsanierung ist in dieser Hinsicht ein Segen für die Steinburg. Sie kann dazu beitragen, die Herausforderung zu stemmen, den Erhalt der wertvollen Bausubstanz mit der späteren Nutzung in Einklang zu bringen.“

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