zur Navigation springen

Glückstädter Fortuna : Schatz im alten Keller gefunden

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Gerhard Wullenweber sammelt alte Fortuna-Ausgaben. Ältestes Exemplar stammt aus dem Jahr 1768.

Er kennt seinen Heimat- und Geburtsort Glückstadt wie seine Westentasche. Und wenn Gerhard Wullenweber anfängt zu erzählen, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus. Unterstützt wird der 74-Jährige dabei von beeindruckenden „Zeitzeugen“, die er wohlbehütet in seinem Wohnhaus in Husum verwahrt. Vorsichtig holt er aus seinem Ringordner eine gefaltete Zeitungsseite heraus und entfaltet das Büttenpapier. In kunstvoller Schrift ist auf der Vorderseite „Glückstädtische Fortuna“ zu lesen. Darunter ist „Sonnabend, den 31sten Dezemb. 1768“ als Datum vermerkt. Es ist die 105. Originalausgabe, die der gelernte Schnapsbrenner in den Händen hält.

„Als Kind habe ich der Zeitung keine große Bedeutung beigemessen“, sagt er. Tatsächlich ist diese Ausgabe ein Museumsstück. Und jetzt, wo die „Glückstädter Fortuna“ seit März wieder als eigener Titel erscheint, bekommt die Sammlung von Wullenweber eine ganz besondere Bedeutung. Zum ersten Mal erschien das Blatt 1740. Über zwei Jahrhunderte informierte es die Bewohner täglich über das Geschehen in Glückstadt, bis es 1969 von der Bildfläche verschwand. Doch am 26. März diesen Jahres erlebte die Zeitung ihr Comeback. Als älteste Zeitung in Schleswig-Holstein informiert sie wieder die Leserinnen und Leser.

Die Fortuna hat Wullenweber fast ununterbrochen begleitet. Durch einen glücklichen Zufall nahm seine Sammelleidenschaft seinen Lauf. Auslöser war sein Patenonkel und Seefahrer Fritz Lösch. Er schnitt jahrelang die wichtigsten Informationen aus der damaligen Tageszeitung heraus und heftete sie in Ordnern ab. Außerdem bekam er alte Ausgaben geschenkt, die in einem alten Keller gefunden wurden. Dort wurden sie säuberlich gelagert. Lösch erkannte den historischen Wert sofort. „Er übergab mir seine gesamte Sammlung und den historischen Fund und war sich sicher, dass sie bei mir in guten Händen sind“, sagt Wullenweber. Das Ergebnis sind drei dicke Ringordner und der wertvolle Kellerfund. „Aufgrund der Sammlung könnte ich die Geschichte meiner Geburtsstadt der vergangenen 200 Jahre erzählen.“

Hinzu komme, dass er seinen Heimatort mit ganz anderen Augen sehe, als noch vor 70 Jahren. „Wenn ich heute durch die Straßen gehe, sehe ich die alten Straßenzüge noch vor mir und es kommen mir gleichzeitig die alten Zeitungsberichte ins Gedächtnis.“ Damit würden für ihn die alten Buchstaben wieder lebendig. Da ist zum Beispiel die Ausgabe vom 7. Mai 1945, in der eine Danksagung zu einer vorangegangenen Beerdigung abgedruckt ist. „Die Nachbarn kannte ich sehr gut.“ Oder die Ausgabe vom Juni 1958: Auf der ersten Innenseite ist das Lied der Marine abgedruckt. Als gebürtigem Hafenjungen kommen ihm dabei unweigerlich viele Erinnerungen.

Ab 1880 hat er mindestens eine Ausgabe aus jedem Jahr in seiner Sammlung. Und immer wieder stößt er beim Durchblättern auf Namen, die er schon als Kind zu hören bekam. In einer doppelseitigen Ausgabe wurde zudem über die Fortuna im Wandel der Zeit berichtet. In der Zeit von 1740 bis 1969 wechselte die Fortuna zehn Mal ihr Aussehen.

Bei aller Freude über diesen wertvollen Schatz macht er sich immer mehr Sorgen über dessen Erhalt. „Ich weiß nicht, was damit passiert, wenn ich mal nicht mehr bin. Es wäre doch schade, wenn das alles mit einer Haushaltsauflösung verschwinden würde.“ Doch noch hofft er, dass er für das schriftliche Zeitzeugnis rechtzeitig eine sichere Bleibe finden kann.






zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen