Seehundstation Friedrichskoog : Scharfe Zähne, süße Heuler

Mit der Pfeife macht Janne Sundermeyer Geräusche, die den Kegelrobben zu verstehen geben, dass sie etwas gut machen.
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Mit der Pfeife macht Janne Sundermeyer Geräusche, die den Kegelrobben zu verstehen geben, dass sie etwas gut machen.

Ein Rundgang durch die Seehundstation Friedrichskoog mit der Biologin Janne Sundermeyer.

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11. Juli 2018, 05:00 Uhr

Snorre hat sich kopfüber unter Wasser schlafen gelegt. Minutenlang bewegt er sich nicht und verharrt in dieser ulkigen Position. Dann plötzlich schnellt er hoch. „Atmen muss halt sein“, sagt Biologin Janne Sundermeyer und lacht. Der zwei Jahre alte Seehund ist der kleinste im Becken und sei „ein echter Frechdachs“. Sundermeyer kennt den „Lütten“ seit er in der Station geboren wurde und hat ihn seitdem begleitet. In der Seehundstation kennt sie außerdem die Plätze mit der besten Aussicht. Wir begeben uns auf einen Rundgang.

Über einen Tunnel geht die Biologin vor das Unterwasserbecken. An der Scheibe schwimmt Snorre wieder vorbei, versteckt sich und taucht dann wieder auf. „Am liebsten spielt er mit unseren Gästen Verstecken oder Wettrennen“, sagt die 38-Jährige. In den Ferien unterhalten nicht nur Snorre und seine Freunde die Kinder, es gibt auch ein Ferienprogramm, bei dem die Kinder spielen und basteln dürfen. Zudem wird ein Fotoworkshop sowie ein Kunstkurs, bei dem die Robben im Unterwasserbecken gezeichnet werden, angeboten.

Ein Heulen ertönt. Zwei mal hintereinander – aus dem Becken kommt das Geräusch nicht, dafür aber aus Sundermeyers Hosentasche. Sie kramt nach dem Handy und sagt: „So, ich muss zur Tierfütterung“. Über den Tunnel gelangt sie wieder ins Freie, geht dann an den Becken entlang und verschwindet hinter eine Absperrung. Nur wenige Minuten später kommt sie mit einem Eimer, Handschuhen und einer Pfeife wieder zurück. Fünf Seehunde und zwei Kegelrobben warten bereits auf frischen Fisch. Heute gibt es Hering, Tintenfisch und eine Eisbombe. „Wir frieren oftmals Fisch ein, so dass die Tiere bei der Hitze eine Beschäftigung haben“, erklärt Sundermeyer.

Der Fisch im Eimer ist schnell verfüttert. Sundermeyer verlässt das Gehege und geht eine Treppe im Museumsgebäude hoch. Versteckt in einem Filmraum im Obergeschoss gibt es eine sehr gute Aussicht auf die Kleinsten in der Seehundstation. „Momentan haben wir 159 junge Robben in der Aufzuchtstation“, sagt Sundermeyer. Der erste Heuler der Saison war „Primus“. Er wurde am 10. Mai auf der Helgoländer-Düne geborgen und wog damals nur 8,2 Kilo. Mittlerweile hat er ordentlich zugelegt. „Bei 25 Kilogram darf er dann ausgewildert werden“, sagt die Biologin. In die Station gebracht wurde er von professionellen Seehundjägern. Für einen Laien ist es schwer zu erkennen, ob sich ein Heuler nur sonnt, oder ob er Hilfe benötigt, erklärt Sundermeyer. Seehunde seien Fluchttiere, die, wenn ihnen zum Beispiel Wattwanderer zu nahe kommen, leicht ihre Mutter verlieren können. „Das Heulen dann ist jedoch kein Ausdruck des Leidens, sondern ein Kontaktlaut. Sie rufen nach ihrer Mutter.“ Wer einen Heuler findet, sollte ihn auf keinen Fall anfassen – stattdessen die Polizei oder einen Seehundjäger rufen. „Wichtig ist auch zu verstehen: Egal, wie niedlich sie aussehen, es handelt sich um Raubtiere, die direkt nach der Geburt schon scharfe Zähne haben.“ Das ein oder andere Loch entstehe deshalb auch in der Seehundstation schnell: „Dann läuft die Wathose voll Wasser“, sagt Sundermeyer und lacht.


>Die Station an der Seeschleuse 4 ist bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 7, Kinder 5 Euro. Weitere Infos: www. seehundstation-friedrichskoog.de

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