zur Navigation springen

Hobbykünstler aus Itzehoe : Schallplatten – schön und stumm

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Klaus Stumbries aus Itzehoe schneidet ausgediente Tonträger aus Vinyl zu Kunstwerken.

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 10:00 Uhr

In Wolfgang Petry steckt ein John Lennon. Es braucht ein paar Stunden Zeit und viel Fingerspitzengefühl, um aus Petry einen Pilzkopf zu machen. Zu hören ist von dem deutschen Schlagersänger nichts mehr, wenn Klaus Stumbries sich die Tonträger vorgenommen hat. Der Itzehoer sägt aus Vinylplatten Kunstwerke – ganz egal, ob Mozart, AC/DC oder eben Petry. „Irgendein Hobby braucht man ja als Rentner“, erklärt Stumbries mit einem Augenzwinkern.

Vor rund einem Jahr entdeckte der 69-jährige Rentner das Kunsthandwerk mit Vinyl für sich. Als Hausmeister an der Volkshochschule in Itzehoe habe er viele Künstler getroffen, „das inspiriert“. Sein handwerkliches Geschick lebte er bis dahin an Holz aus, „aber ich wollte etwas Neues ausprobieren und aus Schallplatten Motive schnitzen.“ Alles, was er braucht, ist eine der schwarzen Scheiben – rund 40 Exemplare aus Haushaltsauflösungen hat er gelagert – und seine Säge. Jimmy Hendrix, Volbeat, The Rolling Stones – aber auch Kunstwerke fernab von Musik wie ein VW-Käfer oder Itzehoes Wahrzeichen, der St.-Laurentii-Turm entstanden schon in seinem Holzschuppen an der Dekupiersäge.

Stück für Stück schneidet er Löcher in die Tonspuren. Grobe Schnitzer kann er sich an der Maschine nicht erlauben. „Dann muss ich die Platte wegwerfen.“ Eine Platte zu sägen sei vergleichbar damit, ein Bild zu malen. Im Internet sucht er sich seine Motive aus, am besten würden sich schwarz-weiße Bilder eignen. Die druckt er aus, zeichnet hier und da Verbindungslinien dazu, „damit die Nase nicht abfällt“, wenn er mit der Säge ans Werk geht. Nach dem Motto „Ausprobieren und reinfuchsen“ erarbeitete Klaus Stumbries sich Techniken, mit denen er die Platten bearbeiten kann. „Lässt man die elektrische Säge zu schnell laufen, schmilzt das Vinyl wegen der Reibungshitze“, erklärt der Fachmann. Deshalb fixiert er Malertape auf der Rückseite. „Die herausgesägten Stücke fallen dann im Ganzen heraus.“

Es gebe auch Firmen, die Kunstwerke aus Vinyl professionell herstellen – mit Wasserdruck beispielsweise. „Ich möchte das aber nicht professionell aufziehen. Das kostet viel Zeit.“ Zwei bis sechs Stunden braucht er für eine Platte. Die verkaufe er hin und wieder auch auf Flohmärkten. „Das Meiste mache ich aber für Freunde.“

Demnächst wird er allerdings seltener in seinem Schuppen zur Säge greifen. „Dann ist es zu kalt, die Finger werden steif.“ Präzise Schnitte seien bei frostigen Temperaturen nur noch schwer möglich. Dann macht Klaus Stumbires es sich im warmen Wohnzimmer gemütlich und nutzt Platten im herkömmlichen Sinne. „Ich höre gerne Simon & Garfunkel und Bob Dylan – und wenn eine Platte schlecht ist, zersäge ich sie eben“, sagt er lachend.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen