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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 03:19 Uhr

Atommüll : Schacht Konrad in Betrieb nehmen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brunsbütteler fordern Entscheidung über Lager für radioaktiven Müll. Damit sei schon viel zu lange gezögert worden.

Vor zwei Jahren schlugen in der Schleusenstadt die Wogen hoch, als das Foto eines verrosteten, halb zerfallenen Atommüll-Fasses aus einer der Kavernen am Brunsbütteler Kernkraftwerk die Runde machte: Vattenfall-Verantwortliche wurden in die Ratsversammlung zitiert. Die Nachricht, dass jetzt im Zuge einer genauen Untersuchung der unterirdischen Lager weitere defekte Fässer entdeckt wurden (wir berichteten), treibt niemanden mehr auf die Barrikaden, sorgt aber erneut für die Forderung nach einem dauerhaften Endlager. Dafür sind die Kavernen am KKB, in denen 690 Fässer mit schwach- bis mittelradioaktivem Material untergebracht sind, nicht gedacht.

„Diese Fässer gab es auch schon vor zwei Jahren“, steht für Bürgermeister Stefan Mohrdieck angesichts der jetzt festgestellten Schäden fest. „Mich überrascht das überhaupt nicht.“ Der Verwaltungschef möchte nicht auf Betreiber Vattenfall einprügeln. „Der Knackpunkt ist, dass die Kapazitäten in Schacht Konrad noch nicht zur Verfügung stehen.“ Seit Betriebsbeginn des Kernkraftwerks würde die Verantwortung für eine Endlagerung atomarer Abfälle immer wieder weitergereicht. Irgendwo sei immer eine Wahl, an der schon im Vorfeld eine Entscheidung scheitere. „Das größte Übel ist für mich, dass man das Zeug nicht los wird“, sagt Stefan Mohrdieck. „Je länger die Dinger da unten liegen, umso schlechter werden sie.“ Hier sei die Politik gefordert, die nötigen Weichen zu stellen: „Von Interesse muss sein, dass die Fässer da mal rauskommen!“

Das sieht auch der Brunsbütteler FDP-Landtagsabgeordnete Oliver Kumbartzky so: „Die aktuellen Meldungen über weitere rostige Atommüllfässer zeigen einmal mehr, dass dringender Handlungsbedarf in Sachen Endlagerung besteht. Ich fordere Minister Dr. Robert Habeck ausdrücklich auf, sich gegenüber seinen Länderkollegen und im Bundesrat für eine zügige Inbetriebnahme von Schacht Konrad einzusetzen.“ Es sei schon genug Zeit verloren gegangen. Kumbartzky: „Die Kernkraftwerkstandorte dürfen nicht schleichend zu Endlagern werden.“

Christian Barz, Grünen-Ratsherr in der Schleusenstadt, äußert sich ratlos. Verwunderlich sei es nicht, dass noch mehr defekte Fässer in den unterirdischen Lagern gefunden würden. Zunächst gelte es, den für kommende Woche angekündigten Zwischenbericht von Vattenfall abzuwarten. Aber: „Das darf man jetzt nicht aus den Augen verlieren“, fordert Barz. Der Kraftwerksbetreiber müsse zudem „zeitnah die Öffentlichkeit informieren, wie Vattenfall da weiter vorgehen will“. Der Energiekonzern habe sich zu lange nicht um das Lager in den Kavernen gekümmert.

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erstellt am 13.Feb.2014 | 05:00 Uhr

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