Kirche : Sauer-Orgel geht auf Reisen

Sehen der Orgelsanierung gespannt entgegen: Kirchengemeinderatsvorsitzender Günter König (links) und Pastor Lothar Volkelt.
Foto:
1 von 3
Sehen der Orgelsanierung gespannt entgegen: Kirchengemeinderatsvorsitzender Günter König (links) und Pastor Lothar Volkelt.

Anfang März wird das Instrument in Dresden restauriert

von
03. Januar 2015, 08:22 Uhr

Die historische Sauer-Orgel ist das Schmuckstück in der St. Cyriacus-Kirche. Majestätisch erhebt sie sich auf der Empore. Mit ihren 3200 Pfeifen, die sich von streichholzklein bis zu einer Höhe von 4,80 Metern erstrecken, ist sie eine echte Augenweide. Doch mit dem Klang hapert es seit Jahren. „Jeder Laie hört schon die Misstöne, die nicht an der Qualität des Organisten liegen“, sagt Günter König, Vorsitzender des Kirchengemeinderates. Eine Reparatur ist nötig – und wird im Frühjahr in Angriff genommen. 175  000 Euro kostet die Sanierung.

Und dies Geld muss die Kirchengemeinde allein aufbringen. Hoffnungen auf einen Zuschuss aus dem Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf haben sich jetzt zerschlagen. Der jährlich zu beschließende Investitionsplan für notwendige Sanierungen an Kirchgebäuden sieht Orgelrestaurierungen bislang nicht als zuschusswürdig an. Nur Sanierungen an Kirchgebäuden können zu zwei Dritteln vom Kirchenkreis übernommen werden. Das hat die Synode noch einmal bestätigt. Für nachfolgende Orgel-Sanierungen gibt es aber einen Hoffnungsschimmer. Die Synode erwägte einen Sonderfonds für Orgeln. Darüber sollen sich nun die Fachgremien nun Gedanken machen.

Solange können und wollen die Kellinghusener nicht mehr warten. Schon seit Jahren beschäftigt sich die Kirchengemeinde mit der Sanierung, sammelt bei allen Gelegenheiten Geld, auch durch den schon 1997 gegründeten Orgelbauverein Hennstedt-Kellinghusen. „Absolut lohnenswert“, schrieb Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf in einem Gutachten über die Besonderheit des Instruments 2011. Die Sauer-Orgel soll es in dieser Art nur drei Mal geben: in Dänemark, in Polen und in Kellinghusen. Die Bedeutung des Instrumentes zeigt sich auch an einem Beispiel: Die Sauer-Orgel ist Bestandteil des Kalenders „Orgellandschaft Schleswig-Holstein 2015“. Das Novemberblatt ist der St. Cyriakus-Kirche vorbehalten.

Die Zuschuss-Absage der Synodalen wird jedoch keine Auswirkungen auf den Zeitpunkt der Reparatur haben. Der fehlende Betrag wird aus der noch vorhandenen Rücklage entnommen. „Dieses Geld wird dann für andere Dinge fehlen“, so König. Durch Spenden an den Orgelbauverein und von Privatleuten sind bisher 80 000 Euro zusammengekommen, den Rest übernimmt die Kirchengemeinde. Allerdings hoffen König und Pastor Lothar Volkelt noch auf Zuschüsse. „Die Anträge sind gestellt.“ 5000 Euro könnte es bei Zustimmung von der Stiftung Orgelklang geben, weitere 5000 bis zu 40  000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Jeder Euro, der noch kommt, verringert den Griff in die Rücklagen“, sagt König.

Aus drei Angeboten für die Sanierungsarbeiten hat der Kirchengemeinderat die Dresdener Firma Scheffler ausgewählt, weil sie auf Sauer-Orgeln spezialisiert sei. Die Arbeiten können Anfang März beginnen, da zuvor noch die Entscheidung der Stiftung Denkmalschutz über die Zuschüsse, die Ende Februar fällt, abgewartet werden muss. „Die Verträge mit der Orgelwerkstatt Scheffler sind aber bereits unterschrieben“, so König. Zur Reparatur muss die gesamte Orgel in ihre Einzelteile zerlegt und nach Dresden transportiert werden. Im November soll sie zurück nach Kellinghusen kommen. „In der Adventszeit 2015 werden wir sie wieder erklingen lassen“, ist sich König sicher.

Gottesdienst und Konzertbesucher müssen in der Zwischenzeit nicht auf Musik in der Kirche verzichten. Zwei kleine Orgeln übernehmen den Part der Sauer-Orgel, darüber hinaus stehen ein Cello und ein Cembalo bereit. „Auch den Posaunenchor und den Chor werden wir öfter einbinden. So können wir das halbe Jahr gut überbrücken.“

Die Sauer-Orgel wurde 1930 nach dem großen Kirchenbrand von der Firma Sauer mit pneumatischen Taschenladen gebaut und umfasst auf drei Manualen und Pedalwerk 35 Register. Obwohl die Disposition sich bereits an der Orgelreformbewegung der 20er Jahre orientiert, die durch die Firmen Walcker und Sauer maßgeblich geprägt wurde, weisen die Register noch weitgehend romantische Mensuren auf und klingen daher sehr weich und voll. 1960 wurde die Orgel von der Firma Kemper aus Lübeck elektrifiziert, die pneumatische Anlage innerhalb des Gehäuses blieb erhalten, so dass die Ton- und Registersteuerung jetzt auf elektropneumatische Weise geschieht. Im Rahmen der Umbauarbeiten wurden auch drei Register umgesetzt.

>Spenden: Orgelbauverein Hennstedt/Kellinghusen, IBAN DE23222500200040011684, BIC NOLADE21WHO

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen