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PuppenTheater : Satirisches Spiel mit Klappmäulern und Marionetten

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Heike Klockmeier präsentiert im theater itzehoe Molières Komödie „Der eingebildete Kranke“ als Puppenspiel. Die hervorragend ausgestatteten Inszenierung begeistert.

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erstellt am 26.Sep.2013 | 16:57 Uhr

Eine der schönsten Stellen in Molières Komödie „Der eingebildete Kranke“ bildet der Tanz der Ärzte und Apotheker um „Das Goldene Klistier“. In Heike Klockmeiers Puppentheater-Inszenierung werden Klistiere in allen Ekel-Variationen verabreicht, zuerst dem Sonnenkönig Ludwig XIV., sodann Molière in der Rolle des eingebildeten Kranken. Die Puppenspielerin führt die beiden Klappmaulpuppen in einem jeweils charakteristischen Bewegungsduktus, und das wirkt nicht nur komisch, sondern geradezu lebensecht.

Die beiden Puppen reißen (nicht nur im übertragenen Sinne!) ihr Maul weit auf, sie entwickeln eine grotesk-realistische Mimik. Das Ganze wird verstärkt durch die optische Diskrepanz zwischen den großen Handpuppen und den kleinen Marionetten, die die Spielerin unverdeckt auf offener Bühne führt.

Obwohl der Gedanke „Wie kriegt die Frau das alles gewuppt?“ manches Mal ablenkt, steht im Fokus das satirische Spiel um den blinden Glauben an die ärztliche Kunst. Und die treibt es dann doch zu doll. Denn erst als die Quacksalberei durch radikale Übersteigerung entlarvt wird, dämmert es auch dem Hypochonder Argan, dass er Opfer geldgieriger Nichtsnutze ist.

Das Besondere an dieser hervorragend ausgestatteten Inszenierung: Sie bindet die Entstehungsgeschichte mit ein, während sie die Komödie auf wenige Handlungsstränge reduziert. Die verdeckten Anspielungen werden mit den drei Spielebenen, bühnenbildtechnisch exzellent gebaut, noch deutlicher. Mit Argan wird der Sonnenkönig karikiert. Der tatsächlich totkranke Molierè spielt als Argan einen Kerngesunden, der einen Kranken mimt. Tatsächlich stirbt Molière 1673 während der 4. Aufführung seines Stücks hinter der Bühne. Diese tragikomische Zusatz-Geschichte bettet Heike Klockmeier als Rahmen mit ein. Das gibt den Untertitel des Theaterabends im sehr gut besuchten Studio: „Molière in Behandlung“. Schön doppeldeutig!

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