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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 14:00 Uhr

Satirische Spitzen zur Stadt-Kultur

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Wer im tiefen Teller sitzt, könne kaum über dessen Rand hinwegsehen und werde Schwierigkeiten haben, Horizonte auszuleuchten – schon die Begrüßung des Hamburger Künstlerbund-Gastes Hajo Schiff durch Karl-Friedrich Hacker geriet zu einem köstlichen Parforce-Ritt aus Anspielungen und Spitzen. So sei Schiff „aus der Hauptstadt der Flussbaggerer trockenen Fußes in die zugeschütteten Froschsümpfe“ nach Itzehoe gekommen; das Quaken sei hier verstummt, vom „Büroschlaf“ abgelöst.

Der Autor und Kunstkritiker Hajo Schiff nahm diese satirischen Überzeichnungen gerne auf und würdigte eingangs die Zuschüttung der Störschleife ironisch als „Kreativleistung mit bundesweiter Beachtung“. Umso bemerkenswerter sei die Initiative, „die etwas so Grundlegendes betreibt, wie die Störschleife wieder rückzubauen““

Die „Probleme und Chancen von Kunst nicht nur in kleineren Städten“ standen im Zentrum von Schiffs „Ausleuchtung der Horizonte“ vor einem Dutzend Gäste im Wenzel-Hablik-Museum. War das Publikum klein an Zahl, war dessen Kompetenz umso größer. Die zehn Künstler im Saal animierten Hajo Schiff zu verbaler Höchstleistung, der eine inhaltlich dichte Diskussion folgte. Dazu trug bei, dass der Referent sich glänzend auf Itzehoe vorbereitet hatte.

Von der Störschleife über Planet Alsen, den Abgang des Ewers „Hermann“ oder die Künstlerinitiative „Secession“, vom „Ufo M1“ in Hohenlockstedt bis zum „Runden Tisch Kultur“ – Hajo Schiff kannte sich aus und hatte zu allem wohlfeile Formulierungen parat.

Er kritisierte die schleichende Vereinnahmung der Bildenden Kunst durch die Kreativwirtschaft am Beispiel Hamburgs. Künstlerische Kreativität sei nicht mit städtischer Tourismuswerbung zu verwechseln. „Der Aufwand, eine neue Idee so zuzurichten, dass ein Behördenapparat sie versteht, ist manchmal schon genauso groß, wie der, die Sache einfach zu machen.“

Insofern hatte er nur Lob für das Kunstfestival Itzehoe und endete mit einem Wunschbild aus der Welt der Flussbaggerer: „Es ist zu hoffen, dass diese Ansätze nicht versanden.“

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