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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 01:32 Uhr

Grosser Schaden : Sanierungsfall Braake-Ufer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Befestigung unter Wasser ist stellenweise marode. Anwohner des Gewässers in Brunsbüttel fordern seit Jahren Nachbesserungen. Jetzt wird gehandelt.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2014 | 09:00 Uhr

Der Zustand der vor acht Jahren gebauten Ufersicherung an der Braake zwischen der „blauen Brücke“ in der Koogstraße und dem Schöpfwerk am Deich zwingt zum Handeln. Die Bongossiwand ist nach Meinung des von der Stadt Brunsbüttel bestellten Gutachters Diplom-Ingenieur Hubert Lindemann aus Wilster „mehr eine Verkleidung, aber keine Sicherung“. Im Bauausschuss beruhigte er die Kommunalpolitik allerdings mit der Feststellung, dass die Standsicherheit aktuell nicht beeinträchtigt sei, doch gebe es am Böschungsfuß extreme Schadensausdehnungen durch Unterspülungen und nicht im notwendigen Ausmaß eingebautes Geotextil. Weil diese weggerutscht und teilweise gerissen sei, gebe es inzwischen Setzungstiefen von bis zu 1,20 Metern. „Das Vlies hat seine Funktion nicht erfüllt“, lautete das Urteil des Gutachters.

Nach den ersten Untersuchungen durch das Ingenieurbüro Lindemann wurde 2006 eine Bauweise mit Hartholzpfählen, Flechtmatten und Bongossiplatten und dahinter mit Sandverfüllungen gewählt. „Die Wand ist eigentlich so in Ordnung und von der Optik durchaus gelungen“, räumte Hubert Lindemann ein, aber unter Wasser greifen die Schäden um sich. „Diese Schäden kriegen wir nicht weg. Wir müssen aber darauf abzielen, das Fortschreiten der Schäden zu stoppen“, machte der Fachmann den Kommunalpolitikern bewusst. Die Schadensstellen befinden sich beidseitig der Braake auf der gesamten Länge von knapp 300 Metern.

Weil die Dichtigkeit der Ufersicherung nicht mehr gewährleistet sei, regte Hubert Lindemann den Einbau von Wasserbaumaterial an. Dabei sollte ein 800 Gramm pro Quadratmeter schweres Wasserbauvlies vor der Bongossiwand verlegt und mit Wasserbausteinen im Gewicht von 5 bis 40 Kilogramm aufgeschüttet werden. Von dieser ungebundenen Wandvorschüttung und einer dauerhaften Hinterfüllung der Bongossiplatten verspricht sich Hubert Lindemann eine Standsicherheit von mindestens 25 Jahren.

Ratsherr Jens Harbeck (CDU) zweifelte eine fachgerechte Ausführung der Bauarbeiten im Jahr 2006 an, und auch Ratsfrau Bettina Jebens (FDP) rügte: „So ganz ohne ist das nicht.“ Sie vergab die Note „technisch null, optisch gut“ und dankte den Anwohnern der Langen Reihe, die immer wieder auf direkte Baumängel und verdeckte Fehler hingewiesen hätten.

Bettina Jebens forderte eine Überprüfung, ob hier eine Gewährleistung von 30 Jahren für verdeckte Mängel greifen könnte. Man wundere sich schon, wenn es immer wieder geheißen habe, es sei alles in Ordnung. Jetzt aber kämen möglicherweise Sanierungskosten in mindestens sechsstelliger Höhe auf die Stadt zu. „Das Vertrauen ist erschüttert!“ Ihr pflichtete Ratsherr Christian Barz (Grüne) bei: Ich habe das Gefühl, dass hier manches nicht richtig gemacht wurde.“

Die Anwohner Ingrid Proemmel und Peter Liedtke brachten auch in der Bauausschusssitzung erneut ihre Besorgnis zum Ausdruck. Proemmel: „Wir stehen seit 2008 auf der Matte und sind immer wieder vertröstet worden, es sei alles in Ordnung.“ Tatsächlich sei das Ufer vor der Langen Reihe teilweise richtig runtergebrochen und unterspült. Heino Schmielau (CDU) berichtete von Feststellungen im Jahr 2009, dass die Pfähle zwar tief genug in die Sohle gerammt, aber die Platten nicht entsprechend tief eingebracht worden seien. Das verhinderten die alten Pfähle, die damals nicht gezogen, sondern im Grund belassen worden seien.

Ratsherr Michael Kunkowski (CDU) als Vorsitzender des Bauausschusses kündigte an: „Wir wollen jetzt etwas tun und zu einem Ergebnis kommen. Wir wollen endlich anfangen!“ Ratsherr Wilhelm Malerius (SPD) riet dazu, das Winterhalbjahr zu nutzen, um die Schadensstellen nach Ausholzung der vorhandenen Sträucher bei extremem Niedrigwasser genauer zu untersuchen und noch „vor der Vegetation alles nachzuchecken, damit wir auf der sicheren Seite sind“.

Der Ausschuss folgte dieser Anregung einstimmig. In der Zwischenzeit soll die Regenwasserleitung von der Langen Reihe soweit verlängert werden, dass Wasser direkt in die Braake und nicht in den Uferbereich eingeleitet wird. Das Ingenieurbüro Lindemann soll bis zum Frühjahr einen endgültigen Vorschlag für die notwendigen Arbeiten zur Ufersicherung unterbreiten.

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