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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 11:58 Uhr

Münsterdorf : Sanierung bis in die Turmspitze

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Arbeiten an der Kirche sollen noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Untersuchung von Mörtelproben im Denkmalamt Hannover.

Noch in diesem Jahr, 146 Jahre nach ihrem Bau, sollen die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der St.-Anschar-Kirche abgeschlossen werden. Nach der Erneuerung des Kirchendachs haben nun die Vorbereitungen zur Sanierung des Kirchturms begonnen.

Das Turmdach muss neu eingedeckt werden. Beschädigte Mauersteine werden ausgetauscht, Balkenreparaturen im Glockenstuhl stehen an. Auch die Dachentwässerung wird überarbeitet. Das Regenwasser soll künftig über ein inneres Rohrsystem abgeleitet werden; bisher lief es über die Wasserspeier an den Außenwänden ab. Architekt Kai Voß: „Die Drachen werden nur noch als Notüberlauf dienen.“ Der Feuchtigkeitseintrag in das Mauerwerk soll so gering wie möglich gehalten werden.

Kai Voß traf sich jetzt mit der Keramikerin Bettina Falkenberg vom Ziegelwerk Blomesche Wildnis (Glückstadt) und Andreas Lutz vom Baugeschäft Rimatzki (Heiligenstedten), um Proben vom alten Gemäuer zu nehmen. Für die Materialentnahme am Turm stellte Elektro-Franck aus Münsterdorf einen Hubwagen zur Verfügung, gelenkt von Andreas Hahn. Er sorgte dafür, dass die Bauexperten sicher in luftiger Höhe arbeiten konnten. Lutz kratzte Fugen- und Mauermörtel in kleine Probenbeutel, die nun zur materialkundlichen Untersuchung an das niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in Hannover geschickt werden. „Von dort erhalten wir Empfehlungen für den Reparaturmörtel.“ Die Erneuerungen sollen sich möglichst unauffällig in das Gemäuer einfügen. „Ziel ist es, die Homogenität des Mauerwerks nicht zu stören“, erklärte Architekt Voß.

Bettina Falkenberg stieg, ausgerüstet mit Schieblehre und Feinmesslehre, in den Korb des Steigers und ließ sich bis zu den Schall-Luken des Glockenstuhles hieven. Mit ihren Messgeräten nahm sie Profilabdrücke von den Rundsteinen der Säulen, die die Lamellen der Schall-Luken unterteilen, ebenso von den glasierten Sohlbänken unterhalb der Luken. Maße und Material müssen exakt nach den Vorbildern rekonstruiert werden. Kai Voß: „Die an der St.-Anschar-Kirche verwendeten Steine haben das Format 23 mal 11 mal 5 Zentimeter, das heute als ‚Dänisches Normalformat‘ noch in Dänemark genutzt wird.“

Das Ziegelwerk Blomesche Wildnis ist die einzige Ziegelei in Schleswig-Holstein, die auch auf Restaurierungen spezialisiert ist. Nach den gewonnenen Maßen und Materialanalysen werden dort Ersatzsteine gebrannt. Die Salzausblühungen, die dem Kirchturm an einigen Stellen eine graue Patina verleihen, sollen erhalten bleiben, sagte Voß. Zumal das Entfernen das Mauerwerk schädigen würde.

Im Mai ist Baubeginn. Die Gesamtkosten werden mit rund 247  000 Euro veranschlagt. Der Eigenanteil der Kirchengemeinde beträgt 82  000 Euro. Pastor Ralf Greßmann kann mit bis zu 165  000 Euro aus Kirchenkreismitteln rechnen. „Anträge an das Landeskirchenamt und die Denkmalpflege sind gestellt.“ Damit könne der denkmalpflegerische Mehraufwand unterstützt werden. Einen Großteil der Finanzierung sichert der Verein der Freunde und Förderer St.-Anschar-Kirche, der auch schon für die Finanzierung des neuen Kirchendachs erhebliche Mittel zusammengetragen hatte; jetzt bringt der Kirchenbauverein für die Sanierung 60  000 Euro auf. Mit dem Ende der Hauptmaßnahmen wird bis 31. August gerechnet.

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