zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 02:14 Uhr

Kunstgriff : Sand ins Getriebe schmeißen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hermann Luther aus Burg ist mit seinen Texten seit den Anfängen am Dithmarscher Kulturprojekt Kunstgriff beteiligt.

von
erstellt am 27.Aug.2014 | 05:00 Uhr

Schreiben wollte er schon immer: Hermann Luther aus Burg skizziert die Welt in Worten. Seine Eindrücke und Gedichte stellt der Lehrer des Marner Gymnasiums seit Jahren regelmäßig als Akteur beim Dithmarscher Kulturprojekt „Kunstgriff“ vor, stets musikalisch begleitet. „Ich war der erste, der vor zwölf Jahren Wortbeiträge lieferte“, erzählt der 63-Jährige. Alle anderen hätten damals Bilder gezeigt oder Figürliches. Auch diesmal wird Hermann Luther wieder mit von der Partie sein.

„Um’n turm“ nennt er sein aktuelles Werk. Und das wird, der Titel gibt es vor, natürlich im Burger Waldmuseum unter dem Aussichtsturm zum Besten geben. Begleitet wird Luther am 5. September von Maren Sophie Winter aus Burg, die eigene Choreografien tanzt, und dem Marner Klaviertalent Marc Thomsen.

„Um’n Turm“ ist Teil zwei einer Trilogie. Voriges Jahr präsentierte Luther „über’n teich“, der letzte Teil ist bereits in Arbeit und wird „über’n berg“ heißen. Luther, der dem Schreiben seinen Lebensweg unterordnete, wird auch darin skurrile Gedankengänge vorstellen. Geistessplitter, die mal nachdenklich stimmen, mal böse und satirisch wirken. Etwa wenn Luther überlegt: „Heute viel für die Umwelt getan und einen tollen Tierfilm über aussterbende Haubentaucher geguckt“. Er könne auch lustig, sagt der Pädagoge. Beispiel: „Er ging zu keinem Oldtimertreffen mehr. Er brauchte nur in den Spiegel sehen und wusste Bescheid.“ Es ist nicht die große Literatur, die er schreiben will, keine Romane, die sich vielleicht in großer Auflage verkaufen. Hermann Luther gibt seine Werke im Eigenverlag heraus. Startauflage: 50 Exemplare pro Band. Nachdrucken könne man immer, sagt er. Klar habe er sich an anderen Genres versucht. Doch der Beruf lasse wenig Freiraum fürs Schriftstellerische. Die Muße fehle ihm.

Nach dem Lehramtsstudium, das der gebürtige Cloppenburger in München abschloss, wollte er eigentlich gar nicht in den Schuldienst. Stattdessen fand er einen Job „beim Film“. Luther arbeitete für diverse Projekte hinter den Kulissen, hatte dann genug Geld, um sich zum Schreiben zurückzuziehen, bevor er wieder beim Film anheuerte. Zum Schluss wirkte er sogar für anderthalb Jahre am Set für die Krimiserie „Der Alte“ mit. „Ich habe mir Zeit gekauft“, beschreibt Luther dieses Phasen mit Jobs und Schreiben. 1995 war damit Schluss, er kaufte sich ein Haus in Burg.

Ein schon betagtes Gemäuer, das zur Sanierung nach Investitionen verlangte. Also führte Hermann Luther der Weg über die Grundschulen in Burg und St. Michaelisdonn schließlich ans Gymnasium in Marne. Denn dafür hatte er ja die Befähigung. Nebenher engagierte sich der Pädagoge in der Burger Volkshochschule, deren Vorsitzender er seit dem Zusammenschluss mit der St. Michler VHS ist. Hier schließt sich der Bogen: Die Volkshochschule ist Veranstalter der Vorstellung am 5. September.

Hermann Luther wird neben seinem aktuellen Werk Textbeiträge aus den vergangenen 40 Jahren präsentieren. Bei der Auswahl hat er festgestellt: „Im Laufe der Jahre verschiebt sich der Blickwinkel auf den Menschen im Alltag.“ Dennoch, unverändert wolle er beim Schreiben eine andere Ebene entstehen lassen. „Ich will Sand ins Getriebe schmeißen mit dem, was ich mir ausdenke.“ Das sei sicher auch mal schwere Kost, gibt der 63-Jährige zu. Hier kommen Maren Sophie Winters Tänze und Marc Thomsens Musik ins Spiel. Beides schaffe Gelegenheit, Gehörtes sacken zu lassen. „Vielleicht kommt der Beifall erst in zehn Jahren“, überlegt Hermann Luther mit verschmitztem Lächeln.

>„um’n turm“ – Lesung, Tanz Musik, Freitag, 5. September, 19.30 Uhr, Burger Waldmuseum.

>Internet: www.kunstgriff. de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen