Fußballweltmeisterschaft : Samba, Traumstände und Fußball

Deutschland-Schal:   Arne Bornholdt und Tjark Bernhard  in Rio an der Copacabana.
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Deutschland-Schal: Arne Bornholdt und Tjark Bernhard in Rio an der Copacabana.

Die Fans Tjark Bernhard (30) und Arne Bornholdt (28) sind heute beim Spiel Brasilien-Deutschland dabei

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08. Juli 2014, 05:00 Uhr

Zum Endspiel an die Copacabana: Tjark Bernhard (30) aus Glückstadt und Arne Bornholdt (28) aus Raa-Besenbek berichten für unsere Leser aus Brasilien.

Traumstrände, extreme Regenfälle, Samba und natürlich jede Menge Fußball: Seit zwei Wochen sind wir auf WM-Reise durch Brasilien unterwegs und von dem Land positiv überrascht. Die ersten sieben Tage verbrachten wir in einem Hostel in Rio de Janeiro. In der Stadt fiel es uns leicht, uns zurecht zu finden: Die Copacabana, der Strand von Ipanema und das berühmte Maracanã-Stadion sind schnell und angenehm mit der Metro zu erreichen, was in Brasilien nicht selbstverständlich ist. Es macht den Eindruck, als ob eine Metrofahrt in Rio sicherer und sauberer ist als eine S-Bahnfahrt durch Hamburg.

Schwierig ist hingegen die Kommunikation mit den Brasilianern. Kaum jemand spricht Englisch – so kann der Kauf eines Biers auf dem Fan-Fest an der Copacabana schon zur Herausforderung werden, die den Einsatz von Händen und Füßen erfordert. Dort haben wir auch das zweite Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Ghana gesehen. Beim Public Viewing waren wir als deutsche Fans deutlich in der Minderheit. Überhaupt sind wir bisher nur auf sehr wenige Landsleute getroffen.

Nach der Erklimmung des Zuckerhuts, einer Sambafeier und diversen Stadterkundungen ging es per Inlandsflug in den Norden nach Recife. Die Stadt wird uns eher in schlechter Erinnerung bleiben: Außer Hochhäuserschluchten und extremen Regenfällen bleibt nur der sehr schöne Strand. Er gehört allerdings wegen zahlreichen Haiangriffen zu den gefährlichsten der Welt. Auf ein Bad im Meer haben wir daher verzichtet.

Das Spiel gegen die USA selbst wurde aufgrund des unaufhörlichen Regens zur Wasserschlacht. Gemeinsam mit Reportern von Spiegel-Online fuhren wir im Mini-Van durch die überschwemmten Straßen von Recife zur weit außerhalb gelegenen Arena Pernambuco.

Was uns fehlte, waren Eintrittskarten: Von Deutschland aus hatten wir Karten für alle Spiele mit deutscher Beteiligung ab dem Viertelfinale gebucht. Für das Spiel gegen die USA wollten wir sie vor Ort besorgen. Die Brasilianer wussten um den Wert der Karten und so lag der Durchschnittspreis für ein Ticket bei 500 Real (etwa 170 Euro). Wir hatten Glück und trafen zufällig auf einen Amerikaner, der schnell raus aus dem Regen und rein ins Stadion wollte. Er verkaufte uns die Karten seiner Bekannten zum Einkaufspreis.

Das Stadion war fest in amerikanischer Hand. Wir fanden uns in einem Block nur mit Amerikanern wieder, die ihr Team bis zum Schluss anfeuerten. „I believe that we will win!“, blieb uns ziemlich lange im Ohr hängen.

Am 29. Juni waren wir froh, Recife zu verlassen. Nach zwölf Stunden Busfahrt erreichten wir das südlich der Stadt gelegene Fischerdorf Barra Nova. Direkt am Meer gelegen, erwartete uns hier eine Woche Kitesurf-Kurs bei absolutem Traumwetter. Der Unterschied zu Rio hätte größer kaum sein können: In dieser Gegend trafen wir keine Touristen und das Leben der Einheimischen gestaltet sich zum Teil noch sehr einfach.

Das Achtelfinale verfolgten wir zusammen mit dem Besitzer der Kitesurfschule und feierten den Sieg über Algerien mit den hier üblichen Böllern, die nach jedem Erfolg Brasiliens durch die Straßen dröhnen. Anschließend ging es entsprechender Vorfreude aufs Viertelfinale gegen Frankreich zurück ins 2600 Kilometer entfernte Rio de Janeiro. Im Maracanã-Stadion herrschten komplett andere Verhältnisse als in der Arena von Recife. Es wurde weitläufig abgesperrt und fünf Kartenkontrollen bis zum Innenbereich sollten einen Schwarzmarkthandel verhindern. Auffällig und unpassend waren die von der Fifa organisierten und auf erhöhten Sitzen platzierten Stimmungsmacher, die mit Megaphonen versuchten, die Zuschauer zu animieren. Das Spiel war diesmal komplett in deutscher Hand und hat nicht zuletzt durch den positiven Ausgang sehr viel Spaß gemacht.

Ein kleiner Wermutstropfen war, dass die Fifa bislang das Aufhängen von Bannern im Stadion verboten hat. Wir werden aber weiterhin versuchen, unser HSV-Deutschland-Banner unseren daheim gebliebenen Freunden und Verwandten im Stadion und damit hoffentlich im Fernsehen zu präsentieren.

Jetzt laufen die Vorbereitungen für das Halbfinale heute in Belo Horizonte. In Brasilien gibt es im Moment nur ein Thema: den Ausfall von Spielmacher Neymar und dessen Auswirkungen auf das Spiel gegen Deutschland. Wir freuen uns riesig auf das Halbfinale und wollen am 13. Juli unbedingt erneut das Maracanã besuchen.

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