Sabine Trinkaus gewinnt Krimi-Preis

Sabine Trinkaus
Sabine Trinkaus

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12. Februar 2011, 07:31 Uhr

Glückstadt | Mit der Kurzgeschichte "Am Tatort" hat die Glückstädterin Sabine Trinkaus (41) im vergangenen Jahr den Agatha-Christie-Krimipreis gewonnen. Mit ihrem Kurzkrimi überzeugte sie beim Münchener Krimifestival Jury und Publikum. Nachzulesen ist die Geschichte in der Anthologie "Wo das Verbrechen zu Hause ist", die im Fischer-Verlag erschienen ist.

Sabine Trinkaus ist in Glückstadt aufgewachsen. Nach einem Studium des Bibliothekswesens in Bonn folgten Wanderjahre in den USA und Frankreich. Mittlerweile lebt sie mit Mann und Tochter in Alfter bei Bonn, besucht aber regelmäßig ihre Familie in Glückstadt.

Die Autorin, aktives Mitglied bei den "Mörderischen Schwestern", der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen, hat bereits diverse Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien veröffentlicht. Jetzt ist ihr erster Roman fertig, der im Frühjahr 2012 erscheint. Derzeit arbeitet sie an einem Glückstadt-Kurzkrimi, der ebenfalls im Frühjahr 2012 in der Anthologie "Morden zwischen den Meeren II" im Pendragon-Verlag erscheinen wird.

Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?

Trinkaus: Geschrieben habe ich eigentlich immer schon, lange Zeit aber nur für mich. 2004 besuchte ich einen Schreibworkshop, aus dem dann eine Schreibgruppe entstand, die sich einmal wöchentlich traf, um das Geschriebene zu diskutieren. Dieser Austausch mit anderen Autoren war für mich enorm wichtig. Es geht beim Schreiben ja nicht nur darum, Ideen zu haben. Schreiben ist auch Handwerk. Der richtige Aufbau einer Geschichte, eine funktionierende Spannungskurve und authentische Figuren sind kein Zufall. Durch den Austausch mit anderen Autoren, die Beschäftigung mit fremden Texten und die Auseinandersetzung mit Kritik an den eigenen Geschichten habe ich sehr viel gelernt. Als ich im Jahr 2007 dann das erste Mal an einem Schreibwettbewerb teilgenommen habe und für die Geschichte gleich einen Preis gewann, war das natürlich ein sehr schöner und motivierender Start.

Schreiben Sie nur Krimis?

Überwiegend. Da ich eine begeisterte Krimi-Leserin bin, liegt mir das Genre natürlich nahe. Es gibt allerdings kaum eine Gattung, die vielfältiger ist und entsprechend viele Freiheiten lässt. Die Gattung Krimi erlaubt ja vom klassischen Ermittlerkrimi bis hin zum Psychothriller unglaublich viele Varianten. Ich konzentriere mich in Kurzgeschichten gerne auf die psychologischen Aspekte der Figuren. Tat und Aufklärung spielen in dem Fall eine eher untergeordnete Rolle. Es geht vielmehr um einen Täter und die Entwicklung, die vor der Tat stattgefunden hat. Das, was einen Menschen treibt, die Grenzsituation, in die er gerät und in der er letztlich die Kontrolle verliert, sind dabei das Hauptthema. Entsprechend düster sind diese Geschichten dann, Mord ist eigentlich ein unvermeidlicher Bestandteil. Geht es um andere Verbrechen, dann sieht so eine Geschichte schnell ganz anders aus. Dann geht es oft um die Verkettung ungünstiger Umstände, die zu einer ganz anderen Art von Verzweiflung führen - das Ergebnis kann durchaus auch heiter oder komisch sein.

Wie entstehen die Geschichten?

Das ist unterschiedlich. Der auslösende Funke ist oft eine bestimmte Figur, irgendjemand, der mir zufällig in der Bahn gegenübersitzt oder mir den Parkplatz wegschnappt. Es kann eine bestimmte Situation sein, die ich real erlebe oder eine Meldung, die ich in der Zeitung lese. Etwas, das sie Fantasie beschäftigt und die Frage "Was wäre wenn?" aufwirft. Bei Kurzkrimis ist außerdem in der Regel meist ein bestimmtes Thema oder eine Region, in der die Geschichte spielen soll, vorgegeben, die dann die Richtung bestimmen, in die sich eine Idee entwickelt.

Im Fall des Romans war der Auslöser ein Ort - eine Villa am Rheinufer. Ich habe mich gefragt, wer dort wohnt und wie es sich wohl anfühlt, so zu leben. Natürlich kommt man als Krimiautorin schnell zu dem Schluss, dass es auf keinen Fall so schön und sorgenfrei sein kann, wie es aussieht und schon entwickelt man boshafte Vorstellungen darüber, wie schlimm es hinter den gepflegten Fassaden wohl zugeht. Da es sich um eine wirklich große Villa handelte, in der eine wirklich reiche Familie wohnt, eine, in der jeder sein wirklich schmutziges Geheimnis hütet, war schnell klar, dass die Sache den Rahmen der Kurzgeschichte sprengt und so habe ich mit dem Roman angefangen. Worauf ich mich damit eingelassen habe, ist mir dann erst im Lauf der Zeit klar geworden. Eine Kurzgeschichte stellt hohen Anforderungen an den Autor - in der komprimierten Form muss letztlich jeder Satz stimmen. Im Roman hat man da viel mehr Freiheiten und mehr Raum zum Erzählen. Allerdings ist die Planung einer Romanhandlung und der Spannungsbogen eine Herausforderung. Ich muss über einen langen Zeitraum diverse Handlungsstränge und Figuren im Blick und unter Kontrolle halten, muss immer wieder die Spannungskurve kontrollieren und korrigieren. Hätte ich gewusst, wie anstrengend das sein kann, ich hätte vermutlich die Finger davon gelassen. Als ich das kapiert habe, war es allerdings zu spät, ich konnte nicht mehr zurück.

Wann nehmen Sie sich als berufstätige Bibliothekarin, Ehefrau und Mutter die Zeit?

Mein Mann und mein Kind sind zum Glück sehr selbstständig für ihr Alter.

Wenn ich an einem Projekt arbeite und einen Abgabetermin habe, habe ich ein streng organisiertes Zeitraster. Dann bemühe ich mich, jeden Tag mindestens zwei Stunden zu schreiben, am Wochenende auch länger. In den Phasen, in denen ich Projekte plane, bemühe ich mich, mir ähnlich viel Zeit zu nehmen. Die verbringe ich allerdings nicht unbedingt am Schreibtisch, denn nichts vertreibt eine gute Idee so schnell wie das berühmte weiße Blatt Papier. Dann nehme ich mir lieber ein Notizbuch und treibe mich an möglichen Tatorten herum.

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