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Lange Beine : Ruschs Stelzkühe als Vorlage genutzt?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Künstler aus der Schleusenstadt zeigt sich irritiert über ein Projekt zum Thema Kunst am Bau mit sehr ähnlicher Darstellung.

Der eine ist frei schaffender Künstler in der Schleusenstadt, die andere ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Architekturbezogene Kunst der TU Braunschweig. Gemeinsam haben Jens Rusch (64) und Sina Heffner (35) ein Projekt: Kuh-Skulpturen auf überlangen Beinen. Der Unterschied: Rusch hat seine „Stelzkühe“ vor zwei Jahren für ein Kunstprojekt, zu dem auch Stelzen laufenden „Vogelmenschen“ gehören, realisiert. Sina Heffner hat gerade den mit 150  000 Euro dotierten Wettbewerb der Landwirtschaftskammer Niedersachsen um Kunst am Bau des neuen Landwirtschaftlichen Bildungszentrums in Echem (Kreis Lüneburg) gewonnen, nennt ihre Plastik „Stelenkuh“.

Rusch ist durch einen Freund aus Lüneburg auf die verblüffende Ähnlichkeit beider Skulpturen aufmerksam geworden. Noch immer ist er sich nicht sicher, was er Sina Heffner sagen würde. „Ich versuche inzwischen, damit umzugehen“, sagt der 64-Jährige, „ich will keinen Kollegenstreit provozieren.“ Ohnehin, gibt Rusch zu, schauten bei der Arbeit im Atelier zahllose prominente Kunstschaffende gewissermaßen über die Schulter – niemand sei frei von Einflüssen anderer. Er selbst sei von Dali schon vor Jahren für seine langbeinige n Tierschöpfungen inspiriert worden. Auch ein Grund, warum er nicht von Plagiat reden möchte. An die Lüneburger Landeszeitung, die über die Vergabe des Preises an die Braunschweigerin berichtete, hat er inzwischen einem am vorigen Sonnabend veröffentlichten, launigen Leserbrief geschrieben. Fazit: „Für einen Künstler ist es immer ein merkwürdiges Empfinden, wenn eigene Ideen an anderer Stelle mit anderem Namen hochgelobt und hoch dotiert werden.“

„Ich kenne seine Arbeiten nicht“, sagte Sina Heffner gestern gegenüber unserer Zeitung und betonte: „In meinem Fall sind es keine Stelzen, sondern Stelen.“ Damit wolle sie eine Balance der Tiere – außer der 3,80 Meter hohen Kuh ist auch ein Schwein auf Stelen geplant – mit der Umgebung verdeutlichen. Anders als bei Rusch diene ihr Dali nicht als Vorbild. Natürlich, so die 35-Jährige, „wir alle erfinden die Welt nicht neu“. Und sie schiebt nach, dass Jens Rusch sich prinzipiell auch an dem Wettbewerb hätte beteiligen können. Der war nicht regional begrenzt. Auf den Wettbewerb sei sie auf der Homepage des Bundes Bildender Künstler vor acht Monaten aufmerksam geworden, als sie auf der Suche nach neuen Herausforderungen gewesen sei. Jens Rusch lädt sie zum Gespräch ein: „Er kann sich gerne bei mir melden.“

Der sagt, dass er sich um diese Ausschreibung für Kunst am Bau wohl nicht bemüht hätte. „Ich bin prinzipiell gegen Massentierhaltung.“ Und genau die werde letztlich an der Ausbildungsstätte in Echem gelehrt. Andererseits wären 150  000 Euro durchaus ein Lockmittel. „Ich hätte einen schweren inneren Kampf mit mir ausfechten müssen.“

Rusch macht ein Stück weit auch die Verfügbarkeit von Abbildungen seiner Arbeiten im Internet dafür verantwortlich, dass seine Ideen andere beflügeln könnten, weiß aber: „Wenn du nach künstlerischer Inspiration suchst, bist Du wie ein Schwamm. Da macht es keinen Unterschied, ob du durch den Wald streifst oder durchs Internet.“

Letzteres sorge aber dafür, dass sich Künstler fast permanent verteidigen müssten: „Meine Arbeiten werden geklaut ohne Ende.“ Das mag er Sina Hefner nun so nicht vorwerfen. Aber eine Kontaktaufnahme vorab hätte ihm schon gefallen: „Sie hätte den Ursprung der Idee benennen und sich mit mir in Verbindung setzen müssen. Das hätte ich als kollegial empfunden.“

 

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erstellt am 18.Feb.2015 | 05:09 Uhr

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