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Auswanderer aus Hohenlockstedt : Ruhe und Stille im Rentierdorf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vor zehn Jahren nach Lappland ausgewandert: Gebürtige Hohenlockstedterin betreibt mit ihrem Ehemann ein kleines Feriendorf.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2015 | 08:00 Uhr

Es ist meist sehr kalt, oft dunkel und überaus einsam. Der nächste Nachbar wohnt drei Kilometer entfernt. Und doch: Für Christina Isabel Löther-Mourujärvi ist die Siedlung Mourujärvi im finnischen Lappland das Zuhause geworden, von dort möchte sie nicht mehr weg. Die gebürtige Hohenlockstedterin zog 2005 zu ihrem Freund und späteren Ehemann Manne Ilmari Mourujärvi an den Polarkreis. Mit ihm zusammen betreibt die 39-Jährige jetzt ein Rentierdorf und bietet dort ganzjährig Urlaube für Einzelpersonen, Paare oder kleine Gruppen an.

Die enge Verbindung zwischen Finnland und Hohenlockstedt, die seit der Ausbildung finnischer Jäger im damaligen Lockstedter Lager seit 100 Jahren besteht, führte auch Christina Löther nach Nordeuropa. Über eine Freundin, die Bekannte in Finnland hatte, reiste sie 2002 erstmals dorthin. Sie freundete sich mit einem finnischen Ehepaar an, aus einem Besuch wurden mehrere. Anfang 2005 lernte sie Manne Ilmari Mourujärvi kennen und lieben. Bereits im Herbst zog sie zu ihm in die kleine Siedlung Mourujärvi, 31 Kilometer vom nächsten größeren Ort entfernt. „Ich war sofort begeistert“, sagt die 39-Jährige über den winzigen Ort und den kleinen, abgelegen Hof, auf dem ihr Freund, den sie 2007 geheiratet hat, wohnte.

Vor allem die Ruhe in Lappland hat es ihr angetan. „Man kann hier 40 Kilometer auf Straßen fahren und niemand begegnet einem“, sagt sie. Statt dichter Bebauung wie in Deutschland gebe es viel Natur, saubere Luft und zahlreiche Seen. 14 Prozent der Fläche in Lappland sind Gewässer. Eingewöhnungsschwierigkeiten hatte Christina Löther kaum. Auch mit der schwierigen finnischen Sprache klappte es nach kurzer Zeit. Bereits in Deutschland hatte sie einige VHS-Kurse belegt, in Finnland absolvierte sie sofort Praktika in Firmen und im Kindergarten, um die Sprache zu lernen. „Dies war besser, als nur zu Hause zu sitzen.“ Außerdem musste sie sich sofort auf Finnisch verständigen können, denn weder ihr Mann noch die Bewohner sprachen Deutsch oder Englisch.

Und gut planen muss Christina Löther in Finnland. Denn der nächste Supermarkt liegt nicht um die Ecke, sondern ist im 31 Kilometer entfernten Posio (3000 Einwohner). Die nächste größere Stadt Kuusamo ist 90 Kilometer entfernt.

Was aber arbeiten in Lappland? In Deutschland war Christina Löther als Sekretärin tätig, in Finnland tauschte sie dann das Büro mit der Natur. Durch den Hof und die Naturverbundenheit ihres Mannes war sie oft draußen, betreute unter anderem ihre Rentiere, zog einige mit der Flasche auf. Da lag die Idee nahe, hauptberuflich auf den Tourismus zu setzen. Aber nicht auf Massentourismus, sondern auf Urlaub mit und in der Natur für kleine Gruppen. „Wir wollten ein Wohnerlebnis besonderer Art bieten“, sagt Christina Löther. Herausgekommen ist kleines Rentierdorf mit dem Namen „Ylitalon Poromatkailu“ (Vier Winde). Entstanden ist es in Eigenleistung, nur mit Hilfe von Familienangehörigen. „Drei Jahre haben wir insgesamt gebaut, jetzt hatten wir die erste richtige Wintersaison.“ Die Gebäude sind in einer Art Runddorf angelegt. „Bewusst haben wir alle Gebäude nicht im modernen Baustil errichtet. Zum Teil verarbeiteten wir über 50 Jahre alte Schuppenbretter oder holten Holzstämme aus unserem Wald.“ Die Gäste übernachten in einer großen Kota, einer nach samischem Vorbild gebauten Unterkunft. In der Mitte befindet sich eine offene Feuerstelle, an die ein gemauerter Herd angeschlossen ist. Gegessen wird im Privathaus des Ehepaares, die 39-Jährige kocht deutsche und finnische Gerichte für ihre Besucher. Zum Wohlfühlen für die Gäste gibt es natürlich auch die typische Sauna, an der sich auch die Deutsche gewöhnt hat. „Jeden Abend gehe ich hinein.“

Seinen Gästen will das Ehepaar Mourujärvi unberührte Natur, Ruhe, Stille und viel frische Luft bieten – dafür übernehmen sie, wenn die überwiegend deutschsprachigen Gäste es wollen – auch das Erlebnisprogramm. Dazu zählen Rentierschlittenfahrten, Ausflüge oder Skiwanderungen. Auch Hochzeiten mit allem drum und dran organisieren die beiden vor Ort – vom Standesbeamten bis zum Menü.

So schön es in Lappland auch ist, mindestens einmal im Jahr kommt sie zurück, besucht Vater und Freunde in Hohenlockstedt. Diesmal nutzte sie den Finnentag für einen längeren Aufenthalt. Doch jedesmal freut sie sich, wieder nach Mourujärvi zu kommen – um die Ruhe und die Natur zu genießen.

 

>Weitere Infos: www.poromatkailu.fi

 

 

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