Kernkraftwerk : Rückbau wirft neue Probleme auf

Rund 15 Jahre wird der Rückbau dauern, 1,7 Milliarden Euro hat Vattenfall dafür zurückgelegt.  Pieter Wasmuth, Geschäftsführer Vattenfall Europe Nuclear Energy,  dämpft den Traum von der grünen Wiese: Irgendwo muss der Schutt gelagert werden.
Rund 15 Jahre wird der Rückbau dauern, 1,7 Milliarden Euro hat Vattenfall dafür zurückgelegt. Pieter Wasmuth, Geschäftsführer Vattenfall Europe Nuclear Energy, dämpft den Traum von der grünen Wiese: Irgendwo muss der Schutt gelagert werden.

Kernkraftwerk-Abriss in Brunsbüttel: Betreiber Vattenfall befürchtet, auf 291 000 Tonnen Bauschutt sitzen zu bleiben. 9000 Tonnen strahlender Abfall müssen zwischengelagert werden.

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13. November 2013, 05:00 Uhr

Den Rückbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel hat Vattenfall als Betreiber der seit 2007 vom Netz genommenen Anlage beantragt. Sollte 2017 der Abriss beginnen, wird es rund 15 Jahre dauern, bis das Kernkraftwerk an der Otto-Hahn-Straße verschwunden ist. Doch der Abriss wirft neue Probleme auf. Es geht um die Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente. Und es geht um den größten Teil des anfallenden Bauschutts. Der gilt zwar als unbedenklich, doch sieht Pieter Wasmuth, Geschäftsführer Vattenfall Europe Nuclear Energy, emotionale Hindernisse, bei der Wiederverwertung von 97 Prozent der 300 000 Tonnen Gesamtmasse des Kraftwerks.

Der Rückbau eines Kernkraftwerks an sich sei kein Neuland, betont Wasmuth im Gespräch mit unserer Zeitung. Er verweist auf Stade als ein Beispiel für den umgesetzten Rückbau. „Die Technik ist nicht die primäre Herausforderung“, so Wasmuth. Das Beispiel Stade mache aber auch deutlich, dass es schwer werden dürfte mit dem Traum von der Rückkehr zur grünen Wiese in Brunsbüttel dort, wo vorher das Kraftwerk über 40 Jahre lang gestanden hat. In Stade werde der unbedenkliche Bauschutt nun schön verpackt gelagert, weil ihn niemand haben wolle. 90 Prozent des Betons könnten wiederverwertet werden, ebenso die sieben Prozent Metalle aus dem Kraftwerk. Strahlender Rest falle lediglich in einer Größenordnung von drei Prozent an.

„Emotional ist das ein Riesenthema“, weiß Pieter Wasmuth. Denn selbst landeseigene Deponien wollten den Schutt nicht haben. Dies, obwohl zunächst eine behördliche Freigabe erfolgen müsse, die Unbedenklichkeit also offiziell bescheinigte werde, bevor das Material das Gelände in Brunsbüttel verlasse. Wenn also der Rückbau gesellschaftlich gewollt sei, dürften diese Abfälle nicht stigmatisiert werden, findet Wasmuth. „Alle finden den Rückbau toll, aber keiner will den Müll.“

Grundsätzlich einfacher verhält es sich mit den leicht- bis mittelradioaktiven Abfällen. Die sollen in Brunsbüttel so lange zwischengelagert werden, bis sie ins geplante Endlager Schacht Konrad gebracht werden können. Ohne Bau eines neuen Zwischenlagers werde dies aber nicht gehen, so Wasmuth. Denn Dieses Endlager soll nicht vor 2021 in Betrieb gehen.

Der hochradioaktive Abfall, die Brennstäbe, könnten ins Zwischenlager gebracht werden, das bereits besteht. Das hat allerdings einen Haken: Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hatte im Juni einer Klage Recht gegeben und die Genehmigung für das Zwischenlager aufgehoben. Da sei der Bund gefordert, Rechtssicherheit zu schaffen, erklärte Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck vor zwei Wochen bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts durch Vattenfall in Kiel. Der Bericht liefert die Grundlage für den geplanten Rückbau. Noch eine Hürde: Die 512 Brennelemente aus dem Kraftwerk müssen in neue Castoren verpackt werden. Die – zehn Stück – seien zwar geordert, aber sie seien noch nicht zugelassen. Die Diskussion um Zwischen- und Endlagerung veranlasst Wasmuth zu der Vermutung, „dass am Ende die Provisorien eine ganze Weile da sein werden“.

Eng verknüpft mit dem Abriss der Anlage ist die Frage nach der Zukunft für die 350 Mitarbeiter am Vattenfall-Standort in Brunsbüttel. Da sieht Wasmuth keinen Grund zur Sorge. Einerseits sei das Fachpersonal auch in den Jahren des Rückbaus vor Ort notwendig. Andererseits betont er: „Brunsbüttel bleibt ein wichtiger Energiestandort.“ Schließlich sei die Schleusenstadt „einer der zentralen Netzknotenpunkte in Deutschland“. Und daraus werde sich der Konzern nicht zurückziehen. Somit böten sich auch dort Perspektiven für die Vattenfall-Mitarbeiter. Letztlich, macht Pieter Wasmuth deutlich, gehe es am Ende nur darum, eine alte Anlage durch „eine neue, andere Form der Stromerzeugung“ zu ersetzen – in einem auf Energieerzeugung ausgerichteten Unternehmen nichts ungewöhnliches.

Mit den Menschen in der Region wolle Vattenfall auch unabhängig von gesetzlich vorgeschriebenen Informationswegen im Gespräch bleiben. So ist ein weiterer Info-Abend Anfang Dezember im Brunsbütteler Elbeforum geplant. Zudem verweist Wasmuth auf eine spezielle Internetseite zum geplanten Rückbau. Transparenz sei „in unserem ureigensten Interesse“.

>Infos: www.perspektive-brunsbuettel.de

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