Rückbau läuft schrittweise an

Vattenfall erwartet endgültige Genehmigung zum Abbruch des Kernkraftwerks Brunsbüttel im Spätsommer

shz.de von
17. Mai 2018, 15:17 Uhr

Vom Atomkraftwerk zur grünen Wiese: Ab 2031 sollen lediglich zwei Lagerhallen auf der ansonsten begrünten Fläche an das Kernkraftwerk Brunsbüttel (KKB) erinnern. So lauten zumindest die Pläne des Betreibers Vattenfall, der bereits 2012 bei der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde den Antrag auf Stilllegung und Rückbau für die Anlage gestellt hat.

Nach einer Prüfung eines weiteren, in diesem Monat fertiggestellten Gutachtens, rechnet das schwedische Energieunternehmen damit, dass im September endgültig über den Genehmigungsantrag entschieden wird. Die Zwischenzeit möchte Vattenfall nicht ungenutzt verstreichen lassen und so haben die Vorbereitungen für den eigentlichen Rückbau des seit 2007 abgeschalteten Atomkraftwerks inzwischen begonnen.

Bereits seit Juni vergangenen Jahres gilt der erste Atommeiler Schleswig-Holsteins, in dem 30 Jahre lang Strom erzeugt wurde, als brennelementfrei. Verstaut in Castoren befinden sich die Brennelemente mittlerweile im Standortzwischenlager.

Parallel zu den laufenden Rückbauplanungen wurde zu Beginn des Jahres damit begonnen, die letzte und größte unterirdische Lagerstätte für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zu entleeren. Diese hatte für Aufsehen gesorgt, nachdem bei einer Inspektion der mit 244 Fässern gefüllten Kaverne 6, diversen Behältnissen mit schweren Korrosionsschäden entdeckt worden waren. Nachdem die Bergungsarbeiten aufgrund eines Defekts am Kran im März vorübergehend eingestellt wurden, sollen sie in dieser Woche wieder aufgenommen werden. „201 Fässer befinden sich noch in der Kaverne 6, trotz Verzögerung rechnen wir damit, die Leerung der Kaverne in diesem Jahr abschließen zu können“, gab Markus Willicks, Leiter des Kernkraftwerks Brunsbüttel im Zuge einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend im Bürgersaal des Elbeforums bekannt.

Die wurden auch darüber informiert, dass im Juli mit dem Bau eines 116 Meter langen, rund 48 Meter breiten und 16 Meter hohen Lagergebäudes für schwach- und mittelradioaktive Abfälle begonnen werden soll. Nach einer Bauzeit von rund zwei Jahren wird das fertige Gebäude anschließend der vom Bund geführten Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) übergeben. Diese übernimmt die Verantwortung sowohl über das Gebäude als auch den darin gelagerten radioaktiv belasteten Abfall.

Die Projektleiter Michael Hinderks (Vattenfall) und Ralf Oberhäuser (Orano) gaben zudem einen ausführlichen Einblick in die geplanten Demontageschritte der Reaktordruckbehälter-Einbauten. Die komplette Zerlegung als auch Verpackung der Bauteile wird unter Wasser erfolgen, da diese Elemente aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zu den Brennstäben stark radioaktiv kontaminiert sind.

Nur einige wenige interessierte Bürger waren der Einladung des Leiters der Regionalen Kommunikation im KKB, Olaf Hiel gefolgt. Der war erstaunt über das geringe Interesse: „Wir haben in diesem Jahr erstmalig auch Facebook als Medium genutzt, um zur Info-Veranstaltung einzuladen. Wir möchten gerne auch die jüngeren Bürger erreichen, denn es handelt sich hierbei um ein Generationenprojekt.“ Hiel forderte zur Beteiligung auf: „Es wäre schön, wenn sich wirklich alle Gruppen mal in einer Diskussionsrunde zusammenfinden könnten, um über die unterschiedlichen Ansichten zu reden.“


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