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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 12:46 Uhr

Abschied : Rotes Kreuz verkauft Freizeitheim

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hauptversammlung beim DRK-Kreisverband: Mehrheit entscheidet sich gegen eine aufwändige Modernisierung in St. Peter-Böhl.

Was wird aus dem „Haus Steinburg“, das der Kreisverband des Roten Kreuzes seit den 50er Jahren in St. Peter für Ferienaufenthalte seiner Jugendorganisation betreibt? Bereits im vergangenen Jahr hatte der Geschäftsführer Stefan Gerken diese Frage gestellt, nun wurde sie bei der Hauptversammlung in der Feuerwache mit knapp 80 Teilnehmern aus den Ortsvereinen erneut diskutiert – und dieses Mal mit entschieden: gegen eine aufwändige Modernisierung und für den Verkauf von „Haus Steinburg“.

Die in den 50er Jahren errichtete Erholungseinrichtung wird hauptsächlich in den Sommer- und Herbstferien durch das Jugend-Rotkreuz sowie andere Jugendgruppen für Ferienfreizeiten direkt an der Nordsee genutzt. Zur Konsolidierung der Finanzen des Kreisverbandes hatten der Geschäftsführer und der Vorstand bereits im vorigen Jahr den Verkauf des Grundstücks vorgeschlagen, aus dem sie sich einen Millionenerlös versprachen, aber diesen Plan nach Protesten aus der Delegiertenversammlung zurückgestellt, um einen Workshop vor Ort abzuwarten.

Der Vorsitzende Rolf Schamerowski betonte nun noch einmal: Es sei „schwierig bis unmöglich“, die Einrichtung aufrechtzuerhalten, weil es stets ein Jahresminus gebe. Es komme keine Unterstützung mehr vom Kreis, finanziellen Spielraum gebe es nicht. Während sich das Jugend-Rotkreuz in einem offenen Brief gegen den Verkauf ausgesprochen hatte, führte der Vorstand nun wirtschaftliche Gesichtspunkte ins Feld. „Wenn jemand jedes Jahr 30  000 Euro spendet, können wir es weiter betreiben“, formulierte der Vorsitzende etwas überspitzt.

Geschäftsführer Gerke empfahl noch einmal, die Immobilie zu veräußern und damit den DRK-Sanierungskurs zu Ende zu bringen, den er in seiner Arbeit eingeleitet hat. „Wir müssen auf dem Weg der Konsolidierung bleiben.“ Außerdem befinde sich die Immobilie nicht im Kreisgebiet, sondern in Nordfriesland. Der eigentliche Grund, bedürftige Kinder zu unterstützen, existiere nicht mehr, „und das wird auch durch den Kreis so gesehen“. Das Jugend-Rotkreuz und die Freiwillige Feuerwehr, für die es eigentlich gedacht war, nutzen das Haus in weniger als zehn Prozent der Fälle. „Es wird nur von eigenen Mitgliedern frequentiert. Das ist ein ineffektives Geschäft.“ Jede Übernachtung müsse Kosten deckend eigentlich 122 Euro kosten.

Nach einem Workshop vor Ort, bei dem die Themen auf dem Tisch lagen, müsse nun eine Entscheidung getroffen werden. Wenn das Haus weiter betrieben würde, müsse man jetzt investieren, was jahrelang nicht getan wurde. „Wir bräuchten eine Million.“ Damit würde das DRK dann den Tourismusbereich unterstützen, aber nicht seiner originären Aufgabe nachkommen. „Das passt nicht. Wir bezuschussen so Reisegruppen aus ganz Deutschland mit unserem Geld.“

Das bezweifelten einige der Mitglieder jedoch. „Wir brauchten gar nicht so viel zu investieren“, meinte eine Teilnehmerin. „Das Objekt ist schuldenfrei, es wird solide geführt, und es kann Geld einbringen. Wir müssten nur einmal andere Gruppen aufnehmen.“ Es müsse auch nicht alles auf einmal renoviert werden. „Wir könnten Übergangslösungen schaffen.“ Eine andere Teilnehmerin ergänzte, dass das Gelände nach Angaben eines Bauingenieurs trotz allem in einem gar nicht so schlechten Zustand sei. Und es sei nicht einmal die Möglichkeit erwogen worden, „Haus Steinburg“ in anderen Bundesländern zu vermarkten. Das sollte doch noch zumindest ein Jahr lang versucht werden.

Da die Meinungen derart auseinander gingen, wurde über den Verkauf in geheimer Abstimmung entschieden. Das Ergebnis war dann jedoch eindeutig: 74 Anwesende von 92 möglichen Delegierten stimmten ab, davon entschieden sich 51 für und 22 gegen den Verkauf. Damit war der Antrag angenommen. Das Haus werde nun noch mindestens bis zum nächsten Jahr oder bis zum Verkauf weiter betrieben, hieß es. Dann müssten sich die Betreiber aus Steinburg allerdings nach über 60 Jahren von dem Grundstück in St. Peter endgültig verabschieden. 

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erstellt am 15.Nov.2015 | 08:00 Uhr

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