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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 08:58 Uhr

Rote Kiste gegen Analphabetismus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bücherei der Schleusenstadt verfügt jetzt über eine Medienbox, deren Inhalt Erwachsenen beim Lesen und Schreiben lernen hilft

von
erstellt am 03.Mär.2015 | 11:39 Uhr

Etwa jeder Zehnte kann kaum lesen und schreiben – und viele von diesen am so genannten funktionalen Analphabetismus leidenden Menschen stünden dennoch „mit beiden Beinen im Leben“, hätten Familie und Beruf, sagt Ingrid Hemmerich-Nagel. Seit Jahren bemüht sie sich, in Volkshochschulkursen die nötigen Kenntnisse zu vermitteln. Seit gestern ist die Brunsbütteler Stadtbücherei ein Puzzelteil mehr im Kampf um Lese- und damit auch Schreibfähigkeiten. Sie hat in einem landesweit von den Sparkassen unterstützten Projekt vom Landesverband der Volkshochschulen und Landesbüchereizentrale eine Medienbox mit leicht verständlicher Lektüre und Materialien für Lese- und Schreibübungen erhalten.

Ausgerechnet eine Bücherei soll der Zielgruppe mit massiven Defiziten im Umgang mit Buchstaben als Anlaufstelle dienen? Das ist weder für Ingrid Grzemba (Stadtbücherei) noch Ingrid Hemmerich-Nagel eine Hürde. Die Dozentin will in der Schleusenstadt nutzen, dass die städtische Bibliothek montags noch geöffnet hat, wenn an der nahe gelegenen VHS ihr Kursus läuft. Dann will sie mit den Teilnehmern die Stadtbücherei am Bildungszentrum besuchen.

Ein Nebeneffekt dieses Abstechers zu den Büchern: Grzemba und Hemmereich-Nagel haben gestern spontan ein gemeinsames Projekt beschlossen. Die Kursteilnehmer sollen die Büchereiordnung in leicht verständliche Sprache übertragen. Nicht nur Ingrid Grzemba ist gespannt auf das Ergebnis.

Sie vermutet, dass schon heute der eine oder andere sich nur Filme ausleiht und für die Bücher in den Regalen keinen Blick übrig hat, mit dem Problem des funktionalen Analphabetismus kämpft. Dabei bieten Ingrid Grzemba und ihre Kolleginnen an, auch unabhängig von den roten Medienbox bei der Auswahl leicht erfassbarer Texte zu helfen. Niemand werde deshalb an den Pranger gestellt.

Für Ingrid Hemmerich-Nagel ist es wichtig, dass sich Betroffene Vertrauenspersonen suchen, die ihnen zur Seite stehen, sie unterstützen. Bei den Feuerwehren funktioniere dies schon, hat sie erfahren.

Grund für die in der Regel erst im Erwachsenenalter deutlich werdenden Defizite ist eine Vielzahl schlechter Erfahrungen im Deutschen in der Schule. Iris Bischoff, Leiterin der Sparkassenfiliale in Brunsbüttel, berichtete gestern bei der Übergabe der Medienbox, dass schon junge Leute Schwierigkeiten hätten, eine Überweisung auszufüllen – weil sie nicht lesen könnten, was sie eintragen müssten. Erst wenn dann im Beruf die Anforderungen wachsen, finden viele den Weg in die einschlägigen VHS-Kurse. Dort, so Hemmerich-Nagel, stellten sie dann fest, dass sie gar nicht alleine betroffen sind.

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