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Atomkraftwerk Brunsbüttel : Rostige Atommüllfässer: Vattenfall will sie 2016 bergen

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Spezielle Greiferwerkzeuge sollen den Atommüll bergen. Die Aktion wird wahrscheinlich drei Jahre dauern.

Brunsbüttel | Der Energiekonzern Vattenfall bereitet sich auf die Bergung der Atommüll-Rostfässer auf dem Gelände des Atomkraftwerks Brunsbüttel vor. Die dafür notwendigen Greifer-Spezialwerkzeuge sind mittlerweile angefertigt und werden Ende Januar in Brunsbüttel angeliefert, wie eine Vattenfall-Sprecherin am Mittwoch sagte.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel gilt als Pannenmeiler. Das endgültige Aus leitete 2007 ein Kurzschluss ein. Die Fässer, die nun geborgen werden sollen, rosteten nahezu unbeobachtet vor sich hin. Messungen hätten aber keine gefährliche Radioaktivität gezeigt.

Die Werkzeuge sollen zunächst getestet werden. Wenn die Atomaufsicht grünes Licht gebe, könne die Bergung Anfang Februar beginnen. Zuvor hatte NDR 1 Welle Nord darüber berichtet. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck plant die Bergung bereits seit Anfang 2015.

Die Fässer wurden bei vorangegangenen Inspektionen in fünf verschiedene Kategorien eingeteilt. Für die Bergung sollen bis August spezielle Werkzeuge entwickelt werden:

Foto: Vattenfall
Foto: Vattenfall

 

Foto: Vattenfall

In sechs unterirdischen Lagerräumen, sogenannten Kavernen, befinden sich 632 teils verrostete Behälter mit schwach- bis mittelradioaktivem Abfall. Bei Untersuchungen von 573 Fässern mit einer Spezialkamera wurde festgestellt, dass 154 von ihnen schwer beschädigt sind.

Ferngesteuerte Spezialgreifer sollen die Fässer herausheben. Dafür wird um einen Portalkran aus Gerüstteilen und Aluminiumplatten ein mit Folien verkleideter Schutzraum errichtet. Dieser steht unter Unterdruck, so dass laut Vattenfall keine Radioaktivität austreten kann. Die Bergung soll etwa drei Jahre dauern.

Fragen und Antworten:

Was lagert in Brunsbüttel?

In unterirdischen Lagerstätten („Kavernen“) des Kernkraftwerks Brunsbüttel befinden sich schwach- und mittelradioaktive Abfälle. In den 631 Stahlfässern werden radioaktive Abfälle (Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle) aus dem Leistungsbetrieb des Reaktors aufbewahrt.

Wie lagern die Abfälle am Standort?

Die Fässer lagern in sechs Kellerräumen, den sogenannten Kavernen des Kernkraftwerks. Die Kavernen befinden sich im Keller des Feststofflagers. Sie bilden mit Betonwänden und Betonriegeln die Barriere, um die Umwelt vor Strahlung zu schützen. So sind sie durch 110 Zentimeter dicke Betonriegel von oben her abgeschirmt. Diese Betonriegel reduzieren die Strahlung so weit, dass oberhalb der Kaverne unter Strahlenschutzmaßnahmen gefahrlos gearbeitet werden kann.

Wie lange lagern die Fässer in Brunsbüttel?

Die Abfälle werden auf die Endlagerung im niedersächsischen „Schacht Konrad“ vorbereitet. Dies geschiet unter anderem durch Verpackung aller Abfälle in bauartgeprüfte, speziell zugelassene Behälter. Das Endlager Konrad wird voraussichtlich Anfang des kommenden Jahrzehnts zur Verfügung stehen. Bis dahin sollen die Fässer am Standort Brunsbüttel gelagert werden, zunächst in den bereits bestehenden Transportbereitstellungshallen, dann in einem neu zu errichtenden Zwischenlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle, das im Zuge des beantragten Rückbaus des Kernkraftwerks entstehen soll.

Was ist Verdampferkonzentrat?

Die im Kontrollbereich eines Kraftwerks anfallenden Abwässer müssen gesammelt und gereinigt werden, bevor sie wieder an das Flusswasser abgegeben werden. Dies geschieht in Verdampferanlagen. Die Konzentrate, in denen die Radioaktivität des Abwassers zu 99,9% zurückbehalten wird, müssen gesammelt, getrocknet und gelagert werden. Die Abfälle enthalten trotz der Jahrzehnte langen Abklingzeit noch relevante Mengen an Cäsium 137, einem typischen Abfallprodukt der Kernspaltung.

Bei der Inspektion der Kaverne II hatte sich herausgestellt, dass aus Fässern mit Verdampferkonzentraten Fassinhalt ausgetreten und sich in breiiger Form auf einer Folie am Boden gesammelt hatte, die die Betreibergesellschaft vor der Einlagerung der Fässer ausgelegt hatte.

 

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erstellt am 30.Dez.2015 | 11:58 Uhr

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