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AKW Brunsbüttel : Rostige Atommüll-Fässer sollen 2015 geborgen werden

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Wie sollen die stark beschädigten Rostfässer sicher aus dem Atomkraftwerk heraus geholt werden? Energieminister Habeck will das am Montag erklären.

Kiel/Brunsbüttel | Die Atomaufsicht in Kiel hat einem Konzept zur Bergung von teilweise verrosteten Fässern mit schwach- bis mittelradioaktivem Abfall im Atomkraftwerk Brunsbüttel zugestimmt. Damit darf Betreiber Vattenfall in dem stillgelegten Kraftwerk die Behälter aus sechs unterirdischen Lagerräumen herausholen und für eine Endlagerung verpacken.

Die Fässer hätten viel zu lange nahezu unbeobachtet vor sich hin gerostet, sagte Energieminister Robert Habeck (Grüne) am Montag. Von 573 untersuchten Behältern weisen 154 schwere Schäden auf. Die Bergung soll im dritten Quartal dieses Jahres beginnen und etwa drei Jahre dauern.

Die Fässer wurden bei vorangegangenen Inspektionen in fünf verschiedene Kategorien eingeteilt. Für die Bergung sollen bis August spezielle Werkzeuge entwickelt werden:

Für geringfügig beschädigte Fässer kommt der Winkelringinnengreifer zum Einsatz.
Für geringfügig beschädigte Fässer kommt der Winkelringinnengreifer zum Einsatz. Foto: Vattenfall
Fässer mit mittelschweren oder starken Auffälligkeiten werden mit einem Deckel-Boden-Greifer geborgen.
Fässer mit mittelschweren oder starken Auffälligkeiten werden mit einem Deckel-Boden-Greifer geborgen. Foto: Vattenfall

 

Besonders stark beschädigte Fässer (zum Beispiel durch großflächige Korrosionen oder Stauchungen) werden nur mit dem Umfanggreifer bewegt.
Besonders stark beschädigte Fässer (zum Beispiel durch großflächige Korrosionen oder Stauchungen) werden nur mit dem Umfanggreifer bewegt. Foto: Vattenfall

Wenn die Greifer fertig angefertigt wurden, sollen Testläufe in einem nachgebauten Kavernenmodell starten. Vattenfall und die Aufsichtsbehördegehen davon aus, dass alle Arbeiten in der ersten Jahreshälfte 2018 abgeschlossen werden können. Bis zum Abtransport in das Endlager Konrad bleiben die Behälter in den Transportbereitstellungshallen bzw. im geplanten Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (LasmA).

Die beschädigten Fässer liegen teilweise seit über 30 Jahren in unterirdischen Kammern des stillgelegten Kernkraftwerks Brunsbüttel. Seit Mitte der 1990er Jahre sollten sie eigentlich in Niedersachsen im Endlager Schacht Konrad sein. Doch die Inbetriebnahme von Schacht Konrad als bundesweites Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle hat sich immer wieder verzögert. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) möchte jetzt eine Inbetriebnahme vor dem aktuell angestrebten Termin 2022 erreichen.

Fragen und Antworten:

Was lagert in Brunsbüttel?

In unterirdischen Lagerstätten („Kavernen“) des Kernkraftwerks Brunsbüttel befinden sich schwach- und mittelradioaktive Abfälle. In den 631 Stahlfässern werden radioaktive Abfälle (Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle) aus dem Leistungsbetrieb des Reaktors aufbewahrt.

Wie lagern die Abfälle am Standort?

Die Fässer lagern in sechs Kellerräumen, den sogenannten Kavernen des Kernkraftwerks. Die Kavernen befinden sich im Keller des Feststofflagers. Sie bilden mit Betonwänden und Betonriegeln die Barriere, um die Umwelt vor Strahlung zu schützen. So sind sie durch 110 Zentimeter dicke Betonriegel von oben her abgeschirmt. Diese Betonriegel reduzieren die Strahlung so weit, dass oberhalb der Kaverne unter Strahlenschutzmaßnahmen gefahrlos gearbeitet werden kann.

Wie lange lagern die Fässer in Brunsbüttel?

Die Abfälle werden auf die Endlagerung im niedersächsischen „Schacht Konrad“ vorbereitet. Dies geschiet unter anderem durch Verpackung aller Abfälle in bauartgeprüfte, speziell zugelassene Behälter. Das Endlager Konrad wird voraussichtlich Anfang des kommenden Jahrzehnts zur Verfügung stehen. Bis dahin sollen die Fässer am Standort Brunsbüttel gelagert werden, zunächst in den bereits bestehenden Transportbereitstellungshallen, dann in einem neu zu errichtenden Zwischenlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle, das im Zuge des beantragten Rückbaus des Kernkraftwerks entstehen soll.

Was ist Verdampferkonzentrat?

Die im Kontrollbereich eines Kraftwerks anfallenden Abwässer müssen gesammelt und gereinigt werden, bevor sie wieder an das Flusswasser abgegeben werden. Dies geschieht in Verdampferanlagen. Die Konzentrate, in denen die Radioaktivität des Abwassers zu 99,9% zurückbehalten wird, müssen gesammelt, getrocknet und gelagert werden. Die Abfälle enthalten trotz der Jahrzehnte langen Abklingzeit noch relevante Mengen an Cäsium 137, einem typischen Abfallprodukt der Kernspaltung.

Bei der Inspektion der Kaverne II hatte sich herausgestellt, dass aus Fässern mit Verdampferkonzentraten Fassinhalt ausgetreten und sich in breiiger Form auf einer Folie am Boden gesammelt hatte, die die Betreibergesellschaft vor der Einlagerung der Fässer ausgelegt hatte.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel an der Unterelbe im Kreis Dithmarschen nahm 1977 als erstes in Schleswig-Holstein den Betrieb auf. Wegen vieler Störungen ging der Siedewasserreaktor als „Pannen-Meiler“ in die Geschichte ein. Seit seiner kommerziellen Inbetriebnahme am 9. Februar 1977 bis zum letzten Abfahren am 18. Juli 2007 erzeugte er exakt 124.211.289 Megawattstunden Strom. Das reicht, um rund 30 Millionen Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. Ein Kurzschluss leitete sein Aus 2007 ein. Der Reaktor ging nach der Reparatur kurz wieder ans Netz, blieb dann aufgrund diverser technischer Probleme aber dauerhaft abgeschaltet.

Als Konsequenz aus der Katastrophe von Fukushima gehörte das Kraftwerk zu den acht Reaktoren in Deutschland, die 2011 ihre Berechtigung zum Leistungsbetrieb verloren, also nicht mehr ans Netz dürfen.

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erstellt am 09.Feb.2015 | 12:15 Uhr

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