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Glückstädter Jahrmarkt : Romantik und Zuckerwatte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Willi Lehmann und Hans-Jürgen Wulfes erzählen von ihrem Leben als Schausteller. Am Freitagnachmittag beginnt der Glückstädter Jahrmarkt.

Glückstadt | „Für das Schausteller-Leben braucht man diese ganz bestimmte Mentalität. Das kann nicht jeder.“ Willi Lehmann muss es wissen. Der 46-jährige Herzhorner ist Schausteller in vierter Generation und reist mit seinem Kinderkarussell und seinem Biergarten durch ganz Schleswig-Holstein. „Als Schausteller hat man keine 40-Stunden Woche. Wir arbeiten bis zu 100 Stunden, wenn ein Jahrmarkt am Montagabend zu Ende geht, muss Dienstagmorgen alles abgebaut sein.“ In der Saison ist Lehmann von Woche zu Woche, von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, ständig unterwegs. Nur von Januar bis März sind zwei Monate „Zwangspause“, wie er sagt. Aber in dieser Zeit müssen sich die Schausteller auch schon wieder auf die nächste Saison vorbereiten.

Gerade macht Lehmann – wie auch der übrige Jahrmarkt-Zirkus – in Glückstadt Station. Untereinander kennt man sich, gerade steht Lehmann vor seinem Kinderkarussell auf einen Schnack mit Hans-Jürgen Wulfes zusammen. Der 67-Jährige ist eigentlich schon im Ruhestand und unterstützt jetzt seinen Sohn am Zuckerwaren-Stand. „Meine Frau und ich können nicht vom Schausteller-Leben lassen. Unsere drei Kinder sind alle mit einem Schausteller-Gewerbe selbstständig und da springen wir eben immer wieder mit ein.“

Wulfes ist seit 45 Jahren auf den Jahrmärkten Schleswig-Holsteins unterwegs. Er gehört zu den Wenigen, die in das Geschäft nicht hineingewachsen sind. „Ich bin durch meine Frau dazu gekommen – und wurde nach und nach in diese Welt eingeführt.“

Diese Welt gefällt Wulfes nach wie vor gut. „Die Jahrmarkt-Romantik ist nicht verloren gegangen. Wenn Kinder ihre Zuckerwatte oder ihren Lolli bekommen und man das Leuchten in ihren Augen sieht – dann ist das immer wieder aufs Neue schön.“ Glückstadt ist für Lehmann und Wulfes eine sehr angenehme Stadt, das Publikum sei sehr freundlich und es gebe fast nie Ärger. Nachmittags und am frühen Abend könne man gute Geschäfte machen. „Wenigstens einmal, wenn der Jahrmarkt in der Stadt ist, kommen die Eltern und Großeltern mit ihren Kindern hierher.“

Allerdings sind die Zeiten nicht eben leichter geworden. Als viele Geschäftsleute nach der Euro-Umstellung einfach ihre Preise verdoppelten, behielten die Schausteller ihre bei. „Aber die Kosten wie für Strom, Platzmiete oder Benzin sind in die Höhe geschnellt“, erzählt Hans-Jürgen Wulfes. Außerdem hätten die Jugendlichen nicht mehr so viel Geld übrig für den Jahrmarkt. „Die wollen jetzt alle Handys oder Laptops haben. Dafür geben sie ihr Taschengeld aus. Im Freizeitbereich fehlt es dann.“

Das Geschäft habe sich auch dadurch mehr auf tagsüber und die früheren Zeiten verlagert – auf die Zeiten also, in denen die Familien kommen. Trotzdem sind Lehmann und Wulfes nach wie vor sehr zufrieden mit ihrem Beruf. „Toll ist vor allem der Kontakt zu den Menschen“, findet Lehmann. „Obwohl wir ja immer wieder kommen, führen wir doch immer wieder andere Gespräche, lernen neue Leute kennen.“

Die Route, die die Schausteller durch Schleswig-Holstein nehmen, wird immer im Winter von den Verbänden festgelegt. So wird garantiert, dass die Schausteller einen Jahrmarkt nach dem anderen anfahren können. Gerade kommen sie beispielsweise aus Itzehoe, am Dienstag, wenn alles auf dem Glückstädter Marktplatz wieder eingepackt ist, geht es weiter nach Kaltenkirchen und Flensburg. „Das ist jetzt schon unsere Herbsttour – obwohl wir eigentlich noch Sommer haben“, sagt Willi Lehmann.

Mit Saubermachen und Aufbauen seines Fahrgeschäfts und seines Biergartens war er zwei Tage beschäftigt – immer mit der Hilfe seines Sohns, schließlich handelt es sich um ein Familienunternehmen.

 

>Der Glückstädter Jahrmarkt öffnet vom heutigen Freitag bis zum Montag, 31. August, täglich von 14 bis 22 Uhr.

 

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erstellt am 28.Aug.2015 | 05:00 Uhr

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