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Verkehr : Rollstuhlrampe erfordert viel Muskelkraft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bürger unzufrieden mit neuer barrierefreier Konstruktion am Bahnhof

„Wenn man die Tour mit Reisegepäck schaffen will, wird es ganz schwierig“, sagt Burkhard Ehlers. Nach einer Rollstuhlfahrt am Bahnhof Wrist ist der Kellinghusener ganz schön aus der Puste. „Ich musste sogar einmal Pause machen“, erklärt der ehemalige Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt.

Gemeinsam mit dem Kommunalpolitiker Horst Nitz (KeLi) startete er einen Selbstversuch auf der neuen barrierefreien Rampe. „Wir haben uns einen Rollstuhl besorgt und die Einrichtung einfach einmal ausprobiert“, sagt Ehlers. Fazit des Praxistests: „Diese Erfahrung sollte jeder selber machen und sich nicht mit den erlaubten Werten einer DIN-Norm zufrieden geben.“

Rund 3,5 Millionen Euro investierten Bund und Bahn in den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Wrist (wir berichteten). Innerhalb eines guten halben Jahres wurden die Arbeiten unter rollenden Zugrädern erledigt. Neben der Angleichung der Bahnsteigkanten auf 76 Zentimeter für einen höhengleichen Zug-Zugang an allen drei Gleisen wurden neue Beleuchtung, neue Informations- und Leitsysteme sowie zwei neue Wartehäuschen installiert. Für einen barrierefreien Zugang der Gleise 2 und 3 sorgt zudem ein Fahrstuhl. „Der funktionierte bei unserem Besuch einwandfrei“, so Ehlers. Außer Betrieb war der Lift zunächst wegen einer falsch gelieferten Tür.

Um zum Fahrstuhl zu gelangen, sollen Rollstuhlfahrer die ebenfalls neu gebaute Rampe nutzen. „Zu eng, zu steil, zu anstrengend“, beschreibt Nitz die rund 30 Meter lange Strecke. Obwohl der Versuchs-Rollstuhl nur 12 Kilogramm wog, musste Ehlers bei sechs Prozent Gefälle viel Muskelkraft einsetzen: Runter nehme der Rollstuhl viel Fahrt auf, so dass er ständig gebremst werden müsse. „Und rauf muss man bei der Steigung richtig Power geben.“

Dabei hätten andere Rollstühle weit mehr Gewicht als der für den Selbstversuch ausgewählte, erklärt Ehlers. Ebenso schwierig werde die Bewältigung der Strecke für Personen, die einen behinderten Menschen im Rollstuhl rauf- oder runterschieben sollen. Wie das bei Reisenden mit zusätzlichem Gepäckaufkommen funktioniert, mögen sich die zwei Tester gar nicht vorstellen. Zumal vorhandene Rillen noch für einen Holpereffekt sorgen. „Dabei geht es doch um eine selbstbestimmte Mobilität im öffentlichen Nah- und Fernverkehr für behinderte Menschen“, unterstreicht Nitz.

Da Ehlers im Rahmen seiner Arbeit beim Landesseniorenrat im Bereich „Senioren im öffentlichen Verkehrsraum“ bereits Kontakt zum Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein Nah.SH hatte, leitete er eine Fotodokumentation des Selbstversuchs gleich an die richtige Adresse. Verwundert hörten die Rampen-Tester die Auskunft der Bereichsleiterin Verkehrsplanung, Petra Coordes, ein eingeschalteter Behindertenverband habe keine Einwände erhoben. „Leider waren die Senioren aus dem Kreis und dem Amt Kellinghusen in die Bahnplanung nicht einbezogen“, sagt Ehlers. Dass an dem Bauwerk nun noch etwas geändert werden könnte, sehen Nitz und Ehlers kaum. Wohl oder übel müssten die Betroffenen nun die schwierige Strecke meistern.

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