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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 17:00 Uhr

Vielzweckhafen : Riesiger Schluck aus der Pulle

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Kosten für geplanten Vielzweckhafen, an dem die Kreise Steinburg und Dithmarschen sowie die Stadt Brunsbüttel beteiligt sind, steigen weiter.

Hiobsbotschaft für die Westküste: Eine schlimme Nachricht gab es am späten Freitagnachmittag für die Mitglieder der Hauptausschüsse der Kreise Steinburg und Dithmarschen sowie der Stadt Brunsbüttel. Der geplante Vielzweckhafen in der Elbe, die Multi-Purpose-Pier, wird nach ersten Vorplanungen deutlich teurer. Die beauftragte Ingenieurgemeinschaft Böger und Jäckle aus Henstedt-Ulzburg und Merkel Ingenieur Consult aus Kiel errechnete Kosten von mindestens 70 Millionen Euro. Die ersten Schätzungen waren von rund 30 Millionen Euro ausgegangen. Und bereits bei der Vorplanung hatten sich die Kosten pro Projektpartner um 48 000 Euro erhöht, stellte Carsten Sals aus der Brunsbütteler Bauverwaltung klar. „321 000 Euro fallen für jeden ohnehin an, egal ob wir weitermachen oder aufhören.“

Dementsprechend gedrückt, aber auch gereizt war die Stimmung im Steinburger Kreistagssitzungssaal in Itzehoe. Daran konnte auch Staatssekretär Dr. Frank Nägele nichts ändern, der extra in die Kreisstadt gekommen war, um für eine Fortführung des Projekts zu werben. Zwar könne die abschließende Zusage, mit welcher Summe sich das Land an den Kosten beteilige, erst nach dem Planfeststellungsverfahren gemacht werden. „Aber Sie können aber sicher sein, dass wir alle Mittel geben, die bau- und förderrechtlich möglich sind.“ Und das sind bis zu 90 Prozent.

Die drei Projektpartner waren ursprünglich von jeweils rund einer Million Euro ausgegangen, die nach Abschluss des Projekts auf sie entfallen würden. Sollten die Variante III b, die von der Ingenieurgemeinschaft bevorzugt wird, verwirklicht werden, würden bei voller Förderübernahme durch das Land rund 2,34 Millionen Euro pro Projektpartner übrig bleiben. Eine große Summe, die sich laut Frank Nägele aber auf jeden Fall lohne. Dieser Hafen sei auch die Möglichkeit, das Hinterland anzubinden und das vorhandene Industriegebiet endlich zu entwickeln.

„Wir erleben hier gelebte Geschichte öffentlichen Bauens“, sagte Nägele und da sei es nun einmal so, dass die Zahlen, die man im Kopf habe, wenig Bestand hätten, „wenn ein Ingenieur draufguckt“. Dennoch sei er überzeugt, dass man bei einem solchem Projekt nicht die Erfahrungen mache, wie beim Flughafen in Berlin. „Häfen werden alle Tage gebaut, das ist kein Unikat und das wird keine zweite Elbphilharmonie.“ Schwankungen von rund 30 Prozent seien jedoch immer zu berücksichtigen.

Veronika Kolb, FDP Dithmarschen, reichte das nicht. „Wir sind hierher gekommen, um konkrete Zahlen zu hören.“ Aber die erhielt sie auch auf Nachfrage nicht. Nägele: „Sie werden von mir keine Kostenversprechungen hören, so lange kein Baurecht vorliegt.“ Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium machte aber auch klar: „Das ist für alle ein riesiger Schluck aus der Pulle, aber Sie haben von unserer Seite auch in Abstimmung mit dem Ministerpräsidenten volle Rückendeckung und wir möchten Sie ermutigen, dieses Projekt weiterzuführen.“ Und noch etwas sagte Dr. Frank Nägele ganz deutlich: „Auch, wenn es zu einem Ausstieg kommen sollte, werden wir die Region nicht allein lassen.“

Stefan Mohrdieck, bei dem als Brunsbütteler Bürgermeister die Fäden zusammenlaufen, erklärte, dass die Planungen fortgesetzt werden sollen. „Das Ziel ist das Baurecht, um den Förderantrag zu stellen.“ Parallel würden Gespräche mit möglichen Betreibern geführt, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln. Selbstverständlich bestehe nach den neuesten Informationen nun erst einmal Beratungsbedarf. „Wir brauchen dann aber eine Entscheidung, um weitermachen zu können.“

Einen Dämpfer gab es von Rainer Naudiet. Der Sozialdemokrat sah das Engagement seines Kreises Steinburg „an keiner Stelle gewürdigt“. Es werde als selbstverständlich angesehen, dass der Kreis Steinburg auf fremden Gebiet in Vorleistung gehe. „So ist eine Lösung mit Steinburger Geld nicht in Sicht.“

Dithmarschen Landrat Dr. Jörn Klimant warb abschießend dafür, an dem ehrgeizigen Projekt festzuhalten, von dem die gesamte Region profitieren soll. „Es ist wichtig, dass wir die Klammer über allem nicht verlieren. Und die muss jetzt in den Beratungen der einzelnen Gremien gefunden werden. Fest steht: Entweder bekommen wir das gemeinsam hin oder gar nicht.“

 

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