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Hightech auf dem Hof : Riesenmaschine erntet den Rosenkohl

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neues Gerät erleichtert Feldarbeit auf dem Hof Busch. Gemüsebauern spüren Auswirkungen von Einfuhrverbot in Russland.

von
erstellt am 23.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Gelenkt wird mit dem Fuß: Schiebt Simon Busch die bewegliche Schneidvorrichtung unter seinem Sitz etwas nach links oder rechts, folgt die neun Tonnen schwere Rosenkohl-Pflückmaschine automatisch der Bewegung. Es ist der erste Ernteeinsatz für das neue Großgerät, dass sich die Familie Busch speziell für den Rosenkohl, dessen Erntezeit jetzt beginnt, angeschafft hat.

Der riesige Appart rollt ganz langsam über das Kohlfeld. Immer drei Pflanzenreihen werden gleichzeitig abgeernet. Die Ernte läuft fast komplett automatisch: Lediglich eine Handbewegung der drei Mann, die vorne auf der Maschine sitzen, ist notwendig. Sie ergreifen die abgeschnittenen Kohlpflanzen und stecken sie in eine Vorrichtung neben ihrem Sitz. Den Rest besorgt die Erntemaschine: Sie trennt Blätter, Stengel und Knospen. Während die „Röschen“ im sogenannten Bunker landen, werden die für den Verzehr nicht geeigneten Pflanzenteile zerkleinert und bleiben auf dem Feld. Nach der Ernte werden sie wieder in den Boden eingearbeitet und dienen so als Dünger für das nächste Jahr.

„Die neue Maschine ist eine große Arbeitserleichterung für uns. Im Gegensatz zu allen anderen Kohlsorten, die mit Messer und Manneskraft geerntet werden, können wir den Rosenkohl quasi vollautomatisch vom Feld bekommen“, erklärt Simon Busch. Der Dreißigjährige bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Vater Albert 35 Hektar Gemüseland. Hauptprodukte des Betriebes sind Blumen- und Rosenkohl. Neben Vater und Sohn sind zur Erntezeit vier bis fünf Helfer auf dem Hof beschäftigt. Alberts Busch Frau Monika betreibt den familieneigenen Hofladen.

Der neue „Rosenkohlpflücker“ bietet den Gemüsebauern eine Reihe von Vorteilen. Ein Punkt ist die Arbeitssicherheit: Die Männer müssen nicht mehr wie früher mit Messern hantieren. Lichtschranken schützen sie vor den beweglichen Teilen der Maschine. Der von einem 100 PS starken Dieselmotor angetriebene Automat verfügt zudem über einen Raupenantrieb. Breite Eisenketten verteilen das tonnenschwere Gewicht gleichmäßiger auf dem Boden als herkömmliche Reifen. Die Erde wird weniger stark verdichtet und muss nicht in einem zusätzlichen Arbeitsschritt wieder gelockert werden, und die Maschine sinkt nicht auf dem Feld ein. Ein Traktor, der die Erntemaschine zieht und antreibt, ist nicht mehr notwendig. Albert Busch: „Wir sind dadurch vom Wetter unabhängiger und können auch bei nassem Boden ernten.“

25 bis 30 Tonnen Rosenkohl können drei Männer mit der Maschine pro Tag ernten. Früher wäre dafür sehr viel mehr Personal notwendig gewesen. Heute ist es für die Erzeuger wichtig, schnell auf die Wünsche ihrer Abnehmer reagieren zu können und trotzdem kostengünstig zu produzieren. Simon Busch: „Die Großhändler machen eine Marktprognose für etwa eine Woche und bestellen dementsprechend.“

Es ist keine einfache Saison für die Gemüseerzeuger. Rund 15 Betriebe gibt es im Raum Glückstadt, die auf etwa 250 Hektar Fläche in mehr oder weniger großem Maßstab Kohl und andere Gemüsesorten anbauen. Sorgen machen den Landwirten im Moment vor allem die Absatzmöglichkeiten für ihre Produkte. Die Preise am Markt schwanken sehr stark und sind teilweise nicht mal annährend kostendeckend. „Wir haben vom Wetter her ein sehr gutes Jahr. Die Erntebedingungen sind bisher optimal und Qualität der Produkte ist es auch. Nicht unbedingt zufriedenstellend sind dagegen die Preise“, sagt Bernd Dittmer, Vorsitzender des Gemüsebau-Beratungsringes. „Wir haben in diesem Jahr leider bisher keine gute Vermarktungssaison“, stellt auch Karsten Witt fest. Der Einkäufer bei Godeland, einer genossenschaftlich organisierten Vermarktungsgesellschaft von Landwirten aus Steinburg und Dithmarschen, sieht dafür vor allem zwei Gründe: Zum einen ist das schöne Wetter verantwortlich. „Beim Kohl hat das milde Frühjahr und der schöne Sommer dazu geführt, dass viele Pflanzen früh reif wurden und unheimlich viel Ware am Markt verfügbar war. Das hat die Preise einbrechen lassen.“ Erschwerend komme nun der schöne, warme September hinzu. Bei den hohen Temperaturen essen die Menschen insgesamt wenig Kohl, was das Überangebot zeitweilig verstärke.

Ein weiterer Grund ist der Importstopp für Gemüse, den der russische Präsident Wladimir Putin im Zuge der Ukraine-Krise verhängt hat. „Die Auswirkungen sind da vor allem psychologisch. Aus dem Glückstädter Raum gehen vielleicht fünf bis zehn Prozent der Ernte überhaupt in den Export. Der überwiegende Teil bleibt in Deutschland“, so Witt. Trotzdem führe alleine die Berichterstattung über die russischen Handelssanktionen zu einer Senkung der Preise auch auf den regional orientierten Großmärkten. Ein Problem, mit dem Landwirte in vielen Bereichen zu kämpfen haben. „Die Welt ist einfach klein geworden. Wenn irgendwo etwas passiert, was die Weltmarktpreise beeinflussen könnte, strahlt das häufig auf regionale Märkte aus, obwohl die eigentlich gar nicht direkt betroffen sind“, erklärt Peter Mau-Hansen, Geschäftsführer des Bauernverbandes im Kreis Steinburg.

Schwierige Zeiten für Gemüsebauern. Zwar gibt es laut Karsten Witt zwischenzeitlich auch Phasen mit höheren Preisen, aber zumeist nur dann, wenn ein bestimmtes Gemüse gerade bei den Bauern nicht verfügbar ist. Eine Strategie für Erzeuger gegen allzu sprunghafte Preisschwankungen im Großhandel ist die Direktvermarktung. Hier sind die Preise in der Regel stabiler und da die Margen für den Zwischenhandel wegfallen, bleibt mehr Geld beim Landwirt. So verkauft die Familie Busch in ihrem Hofladen in der Blomeschen Wildnis etwa 15 Prozent ihrer Produkte direkt an die Endverbraucher. „Das gleicht als zweites Standbein ein wenig aus“, sagt Albert Busch.

Zusätzlich ist Busch auch als Dienstleister für andere Rosenkohlerzeuger tätig: Ein weiterer Betrieb aus dem Glückstädter Raum und zwei Höfe von der Insel Fehmarn liefern ihren Rosenkohl vom Feld direkt bei Busch an. Dort wird er, genau wie die eigene Ernte, sortiert, gewogen, verpackt und etikettiert. „Die Großabnehmer können dann bei uns die Ware aller vier Betriebe auf einmal abholen. Das macht uns als Anbieter ein wenig interessanter.“

Nach Größe sortiert wird der Rosenkohl auf dem Hof Busch übrigens auch automatisch. Allerdings verdient er trotzdem das Prädikat „handverlesen“: An einem Laufband sortieren Mitarbeiter Ausschussware aus. Weggeworfen wird dieser Teil der Ernte aber nicht. Ein Milchviehhalter aus der Umgebung verfüttert ihn an seine Rinder – als Ergänzung zu Gras und Mais, wie Simon Busch erklärt: „Denen schmeckt unser Rosenkohl wohl auch ganz gut.“

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