Kabarett : Richling spielt Richling

Ein Könner des Weglassens: Mathias Richling.
Ein Könner des Weglassens: Mathias Richling.

shz.de von
23. März 2017, 05:00 Uhr

Geplänkel mag er überhaupt nicht. Seine Gags über die deutsche, türkische und amerikanische Politprominenz plätschern nicht so einfach dahin. Mathias Richling setzt sie pointiert, meistens mit starker Mimik untermalt. Es wirkt, als entwickle er sie erst gerade, während er mit charakteristischen Kurzschritten, seine Unterlippe vorgeschoben, über die Bühne trippelt. Viele Sätze sind gar nicht zu Ende gesprochen, er ist ein Könner des Weglassens und des Satzbruchs.

Am Dienstag stand der Kabarettist auf der Bühne des Theaters – und angesichts seines rasanten Sprechtempos in schwäbelnder Mundart mussten die Zuschauer ganz schön schnell mitdenken: Seine gedanklichen Schritte sind groß, wenn er scheinbar spontan von der globalen Politik ins kommunale Hier und Jetzt springt: „Die Armut, die die Flüchtlinge brauchen, können wir hier gar nicht bieten.“ Und Ironie, bekanntlich eine der am schwierigsten zu entschlüsselnden Gedankenfiguren, kennzeichnet sein Programm „Richling spielt Richling“ so reichlich, dass man manchmal gar nicht so recht weiß, was er da auf die Schippe nimmt: Politiker, sich selbst oder das Publikum?

Zum Nachdenken in Muße kommt man nicht wirklich, denn kaum hat Richling eingeatmet, feuert sein Wortwerfer schon die nächste Ideensalve heraus. Da juxt er über die „unbefleckte Befruchtung“ der SPD durch Martin Schulz, was die Partei in ihrer quasi-religiösen Verklärung dazu bringe, 6000 Ungeborene schon als Neu-Eintritte in die Partei zu feiern.

Den Höhepunkt des Programms aber bietet Angela Merkel auf der Couch bei Sigmund Freud. Der tiefenpsychologische Unsinn wird unterstrichen durch die naiv-gelassenen Fragen der Kanzlerin, die den Großmeister der Psychoanalyse an den Rand des Wahnsinns treibt. Da merkt man gut, dass Richling, der Namen wie Kierkegaard und Wittgenstein unfallfrei aussprechen kann, auch Schauspieler ist.

Trotzdem überzeugte der Abend nicht so ganz. Die Interaktion mit dem Publikum im nur halb besetzten Saal blieb mau. Welche Zielrichtung hatte seine Satire? Dass wir alle so blöd sind, uns die Politik gefallen zu lassen, die Richling karikiert? Was ist sein Ideal, an dem man die Diskrepanz zur Wirklichkeit messen kann? Und welche Rolle spielt er da eigentlich, wenn Richling Richling spielt? Angesichts der nur nebulös durchschimmernden Antworten blieb einiges nur Geplänkel.

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