zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 08:50 Uhr

Heimatmuseum : Revolution in der Büroarbeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neue Ausstellung im Heimatmuseum Brunsbüttel: Schreibmaschinen stehen im Mittelpunkt. Ihre Erfindung veränderte den Alltag in den Kontoren.

Im Heimatmuseum der Schleusenstadt geht es um Technik, die begeistert und die Arbeitswelt revolutionierte. Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung „Das getippte Wort“ steht die Schreibmaschine. Kuratorin ist Volkshochschul-Leiterin Dr. Elke-Heidrun Schmidt-Wessel, die zirka 25 Schreibmaschinen ihr Eigen nennt.

Ihre Augen glänzen, wenn sie die einzelnen Exponate erklärt. Gleich im Eingang am Markt 4 steht eine „Mignon 4“ Baujahr 1904 von AEG. „Die hat keinen besonderen Sammlerwert, weil dieser Typ schon in großer Zahl produziert wurde“, so Elke Schmidt-Wessel. Aber eine Mignon 1 gibt es nicht mehr und die Mignon 2 ist sehr selten. „Die Maschine ist durch eine auswechselbare Schriftplatte sehr flexibel“, erzählt die Sammlerin weiter. Ein eher seltenes Stück ist eine Schreibmaschine, die mit nur 5000 Exemplaren in der Tschechoslowakei etwa 1924 hergestellt wurde. Sehr interessant die Geschichte der „Blickenderfer 7“. Diese Maschine wurde 1885 von George C. Blickenderfer bereits mit einem Typenrad gebaut, das er sich patentieren ließ. Der Amerikaner entwickelte um 1902 bereits die erste elektrische Schreibmaschine. „Leider zu früh für das noch nicht ausreichende Stromnetz“, bedauert Elke Schmidt-Wessel. Ihre älteste Maschine ist die „Hammond 1b“, bei der man das Geschriebene gleich sehen konnte. Nicht wie bei den Maschinen mit Typenkorb, wo der Text erst nach einigen Zeilen sichtbar war. „Ich möchte unbedingt von jeder Technik eine Maschine haben“, erzählt Schmidt-Wessel.

Sie kam durch einen Besuch im Schreibmaschinenmuseum Bayreuth zu ihrem Hobby. „Ich sah dort eine Mignon und wollte unbedingt eine haben.“ Sie sammelt nach Technik und nicht nach Anzahl. Ihr fehlen noch einige Zeiger- und Vorderaufschlagmaschinen, die zwar klein und kompakt, aber durch das gusseiserne Material sehr schwer sind, außerdem ein dänischer „Writing Ball“.

Auf einem Fachkongress in Toronto legten Schreibmaschinenfachleute 1888 die Universal-Tastatur fest. Die Entwicklung der Tastatur kann man anhand der Ausstellungsstücke im Heimatmuseum gut nachverfolgen. Einige Maschinen stehen auch zum Ausprobieren zur Verfügung.

„In unserer Dichterstube haben wir die original Adler-Schreibmaschine von Emil Hecker und eine Triumph, auf der Boy Lornsen Bilder grafisch dargestellt hat“, weist Roland Ladage auf eine Besonderheit des Heimatmuseums hin. „Früher waren die Büroschreiber Männer, die auch ein gewisses Ansehen genossen“, berichtet Ladage. Mit der Schreibmaschine konnten Frauen als billigere Arbeitskräfte in den Büros Einzug halten.

Ihr Wissen wird Elke Schmidt-Wessel zum Ende der Ausstellung in einem Vortrag im Heimatmuseum weitergeben. Der zunächst angedachte Termin wird vermutlich verschoben, ein neuer Termin rechtzeitig angekündigt.
>Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Heimatmuseums: Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag jeweils von 14.30 bis 17.30 Uhr, außerdem mittwochs von 10 bis 12 Uhr.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Okt.2013 | 11:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen