Retter der Sprache des hohen Nordens

Bundesverdienstkreuz für Sprachpflege: Heiko Gauert wurde für sein jahrzehntelanges Engagenent für das Plattdeutsche ausgezeichnet.
Bundesverdienstkreuz für Sprachpflege: Heiko Gauert wurde für sein jahrzehntelanges Engagenent für das Plattdeutsche ausgezeichnet.

Heiko Gauert für ehrenamtlichen Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

shz.de von
22. Juli 2013, 04:59 Uhr

hohenlockstedt | Wenn die Älteren im Dorf einen Klönschnack halten, steht der Nachwuchs mit großen Augen daneben und versteht meistens kein Wort. Plattdeutsch ist eben oft die Sprache von Bauern, Oma und Opa und Seemännern. Dabei ist Plattdeutsch die zweite Amtssprache in Schleswig-Holstein und viel älter als das Hochdeutsche. Schon vor 2000 Jahren sprach man Platt, Hochdeutsch dagegen ist erst 500 Jahre alt. Aber mit Martin Luthers Bibelübersetzungen hielt die Kanzleisprache Einzug und der Niedergang des Plattdeutschen begann. Mittlerweile ist es gar vom Aussterben bedroht und mit dem Tod der ältesten Generation droht auch die Sprache zu verstummen. Aber es gibt Plattdeutsch-Pioniere wie Heiko Gauert, die sich dafür einsetzen, dass dem Plattdeutschen nicht das gleiche Schicksal wie dem Lateinischen droht. Er engagiert sich bereits seit über zwei Jahrzehnten für die Belange der niederdeutschen Sprache. Dafür erhielt der 64-Jährige dieses Jahr von dem Ministerpräsidenten des Landes das Bundesverdienstkreuz und die Goldene Ehrennadel des Schleswig-Holsteinisches Heimatverbundes.

Gauert wurde in Eckernförde geboren und ist in Viöl, einem Dorf in Nordfriesland, aufgewachsen. Seine Heimat trägt er seit Kindesbeinen auf der Zunge. "Im Dorf sprach man nur Platt, das war die normale Zweitsprache", erinnert er sich. Auch mit seinen Kommilitonen im Studium in Kiel und Flensburg sprach er platt. Dass die Sprache vom Aussterben bedroht ist, wurde ihm erst in den 80er Jahren als Lehrer in St. Peter Ording bewusst. "Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass die Sprache nur noch in bestimmten Regionen lebt. Die Kinder aus den umliegenden Dörfern beherrschten die Sprache noch, aber viele aus St. Peter Ording nicht mehr." Noch deutlicher war die Situation als er vor zehn Jahren an die Schule in Hohenlockstedt kam. "Ich habe gedacht, dass hier viel Plattdeutsch gesprochen wird, aber es war noch weniger."

Das ist mittlerweile anders - Gauert sei Dank. Über die Herkunft des Plattdeutschen und andere wissenswerte Fakten spricht er regelmäßig vor Publikum. Mit seiner Vortragslesung "Op Plattdüütsch heet das Moin" hat Heiko Gauert bereits über 300 Mal in ganz Norddeutschland seinen Zuhörern verdeutlicht, welch ein Juwel die alte Sprache des hohen Nordens ist. Heiko gauert ist Kreisfachberater für Niederdeutsch im Kreis Steinburg. Auch als Leiter und Dozent der Volkshochschule Hohenlockstedt bietet er Angebote zur Pflege und zum Erlernen der plattdeutschen Sprache an. Er hält Vorträge und Lesungen auf Plattdeutsch und über die plattdeutsche Sprache, hat Bücher herausgegeben, schreibt Kolumnen und arbeitet im Hörfunk mit niederdeutschen Beiträgen mit.

Er verknüpft sein ehrenamtliches Engagement und seinen Beruf als Lehrer und Schulleiter an der Wilhelm-Käber-Gemeinschaftsschule in Hohenlockstedt. Als Dozent am Plattdeutschen Zentrum in Leck lehrt er "Platt für Lütte". Durch seine Mitarbeit als Juror plattdeutscher Lesewettbewerbe auf Orts,- Kreis-, Regional- und Landesebene motiviert er Kinder und Jugendliche, plattdeutsche Texte zu lesen und vorzutragen. An der Gemeinschaftsschule findet Unterricht zum Teil auch in Plattdeutsch statt. "Eine zusätzliche Sprache ist für Kinder immer ein Gewinn und hilfreich beim Erlernen weiterer Fremdsprachen", erklärt Gauert. Platt sei die Ursprungssprache des Englischen. Und wer Plattdeutsch kann, könne beispielsweise schon die Hälfte von dem, was Schweden reden, verstehen. "Etwa 50 Pozent der Vokabeln gibt es auch im Plattdeutschen."

Für Gauert geht es beim Kampf um den Erhalt des Niederdeutschen um Tradition. "Es ist das höchste Kulturgut, das wir in Norddeutschland haben. Auf Sprache fußt alles." Wenn nichts getan wird, sei das Plattdeutsche in ein bis zwei Generationen weg. Er sieht die staatlichen Bildungseinrichtungen in der Pflicht den Untergang der Sprache zu stoppen - und es gibt ein wenig Hoffnung: "Ab 2014 richtet das Land acht Planstellen an 27 Schulen für Plattdeutsch-Sprachkurse ein. Das ist revolutionär. Das schreibe ich mir mit auf die Fahnen. Das ist das, was ich immer gewollt habe!"

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