Aus dem Gericht : Rentner betrogen

Der Angeklagte räumte die Tat ein, gab aber an, dass er sich an nichts erinnern könne.
Der Angeklagte räumte die Tat ein, gab aber an, dass er sich an nichts erinnern könne.

Richter Malte Zander verurteilt einen 24-Jährigen in Abwesenheit zu 1200 Euro Geldstrafe.

shz.de von
05. Dezember 2013, 05:11 Uhr

,,Kriminell und blöd.“ So brachte der als Zeuge geladene geschädigte 73-jährige Burger den Tatvorwurf auf den Punkt. Der Angeklagte, ein 24-jähriger, zuletzt in Averlak gemeldeter, ehemaliger Burger, blieb seinem vor Strafrichter Malte Zander am Meldorfer Amtsgericht geführten Prozess fern.

Zander entschied sich für den Erlass eines Strafbefehls – dazu benötigt man keinen Angeklagten. Zusammen mit Staatsanwalt Klaus Dwenger wog Zander den Tatvorwurf ab, schätzte das Einkommen des mutmaßlichen Hartz-IV- Empfängers. Der als Zeuge geladene Geschädigte blieb ungehört, ebenso wie ein Brunsbütteler Kriminalhauptkommissar, der in dem Fall ermittelt hatte.

Urkundenfälschung, begangen in Tateinheit mit Betrug lautete der Tatvorwurf. In drei von vier Fällen blieb es jedoch beim Versuch. Die Masche des Angeklagten war simpel: Der 24-Jährige kannte die Kontodaten des 73-Jährigen. Von Ende Juli bis Mitte September 2012 füllte er damit viermal Überweisungsträger aus. Als Empfängerkonto trug er sein eigenes Konto ein. Einmal klappte es. 550 Euro erschlich sich der 24-Jährige so. Bis heute hat er davon nichts an den 73-Jährigen zurück gezahlt.

1200 Euro Geldstrafe (60 Tagessätze a 20 Euro) brummte Richter Zander dem zuletzt 2007 strafrechtlich in Erscheinung getretenen 24-Jährigen für die vollendete Urkundenfälschung und die drei weiteren im Versuchsstadium gescheiterten Taten auf. Zwei Wochen hat der junge Mann nach Zustellung des Strafbefehls nun Zeit, um dagegen Einspruch zu erheben. Tut er das, käme es erneut zu einem Hauptverfahren vor dem Amtsgericht. Lässt er es, wird der Strafbefehl einem Urteil gleich rechtskräftig. Des Weiteren bleibt ihm die Möglichkeit, die Tagessatzhöhe anzufechten. Da dem Gericht keine Erkenntnisse zum Einkommen des Mannes vorlagen, schätzte Richter Zander das Nettoeinkommen des jungen Mannes kurzerhand auf 600 Euro monatlich, was einen Tagessatz von 20 Euro ergibt.

Ein Zuschauer meinte, der 24-Jährige lebe von Hartz-IV. Dann geht geht das Gericht im Regelfall von zehn Euro als Tagessatz aus. Sollte der 24-Jährige dem Gericht also binnen der Einspruchsfrist seinen Hartz-IV-Bescheid vorlegen, könnte er im Nachgang die Geldstrafe noch halbieren.

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