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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 15:21 Uhr

Wirtschaft : Rekord: Immer mehr Krankmeldungen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Unternehmensverband hat für seine Betriebe die Statistik für 2015 erstellt

von
erstellt am 23.Feb.2016 | 04:45 Uhr

In den Mitgliedsbetrieben des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste gab es noch nie so viele Krankheitsmeldungen wie 2015. Waren 2005 noch 3,64 Prozent der Arbeitnehmer durchschnittlich monatlich arbeitsunfähig gemeldet, waren es im Jahresdurchschnitt 2015 bereits 5,84 Prozent. Dies entspricht einer Steigerungsrate von knapp 62 Prozent. Das geht aus der neuesten Statistik des Verbandes hervor, der die Anzahl der Krankmeldungen seiner rund 400 Mitgliedsbetriebe der vergangenen Jahre ausgewertet hat.

Für Verbandsgeschäftsführer Ken Blöcker eine normale Entwicklung: „Mit der Bevölkerung altern die Belegschaften. Von diesem Phänomen sind wir in unserer Region bekanntermaßen stärker betroffen als städtisch geprägte Regionen.“ Erfahrungsgemäß fielen ältere Mitarbeiter länger aus. „Denn die Dauer der Rekonvaleszenz steige mit dem Alter.“ Weitere Gründe sieht Blöcker in der positiven wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre. „In wirtschaftlich guten Zeiten steigen traditionell die Krankheitstage. Wenn hingegen in wirtschaftlich schlechten Zeiten eine subjektiv empfundene Sorge um den Arbeitsplatz besteht, gehen die Arbeitnehmer häufiger auch krank zur Arbeit. Vor dem Hintergrund der Fürsorgepflicht und der Ansteckungsgefahr, ist das jedoch gerade nicht im Sinne des Arbeitgebers.“ Steigende Krankheitstage könnten zudem mit vermehrten diagnostizierten psychischen Erkrankungen in der Bevölkerung zu tun haben. Außerdem neigten heute Ärzte eher zur Operation als früher. Blöcker: „Die Ausfalldauer ist dann wesentlich länger.“ Diese Erklärungen, betont der Geschäftsführer, seien jedoch reine Spekulation.

Der Forderung einiger Mediziner, die Regeln für die Krankschreibung von Beschäftigten zu lockern, erklärt der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste eine Absage. Ken Blöcker betont: „Das Arbeitgeber-Arbeitnehmerverhältnis ist bei uns in der Region in der Regel von großem Vertrauen geprägt. Die meisten Arbeitgeber verlangen erst nach dem dritten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung, obwohl sie laut Gesetz bereits ab dem ersten Fehltag auf ein Attest bestehen können.“ Einer Verlängerung der Frist stehe vor allem das Gesundheitsinteresse der Arbeitnehmer entgegen. Nur der Arzt könne beurteilen, „wann eine Bronchitis aufhört und eine Lungenentzündung anfängt“. Der Krankheitsstand ist aber nicht überall so hoch.

Als Beispiel dient die Firma Holcim in Lägerdorf. „Im Zementwerk Lägerdorf liegt der Krankheitsstand der letzten Jahre deutlich unter dem Verbandsdurchschnitt“, sagt Wolfgang Kock, Personalleiter im Werk Lägerdorf. „Das mag auch daran liegen, dass wir bereits im Jahr 2007 im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements ein Bündel verschiedenster Maßnahmen eingeführt haben: das Schichtsystem wurde umgestellt, eine Ernährungsberatung und kostenfreies Obst werden angeboten. Zudem führen wir regelmäßig Gesundheitstage durch, an denen sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einmal durchchecken lassen können.“Außerdem gebe es Angebote für Entspannungstrainings und Anti-Raucherkurse.

Susanne Uhl, Geschäftsführerin der DGB-Region Schleswig-Holstein, sieht die Ursache für erhöhte Krankheitstage in der erschreckend hohen Steigerungsrate bei den psychischen Erkrankungen. „Die Behandlung psychischer Erkrankungen dauert, die Beschäftigten sind für lange Zeit arbeitsunfähig.“ Verantwortlich dafür seien oft Stress, hohe Arbeitsbelastung und ein schlechtes Arbeitsklima. Viele Arbeitnehmer litten drunter, dass sie mehr Arbeit in der gleichen Zeit leisten müssen, das hätten auch die Umfragen des DGB im Rahmen des „Index Gute Arbeit“ ergeben, bei denen regelmäßig abhängig Beschäftigte ihre Arbeitswelt beurteilten. „Wir stellen fest, dass die Arbeitsintensität seit Jahren ansteigt, das Personal zu knapp bemessen ist, die Angst um den Arbeitsplatz durch Leiharbeit, Befristung oder Ausgliederung zunimmt“, sagt Susanne Uhl. Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte setzten sich für Mitbestimmung, betriebliche Gesundheitsförderung und eine zukunftsfähige Personalpolitik ein, um die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten zu verbessern. „Wenn wir die Arbeitszufriedenheit positiv beeinflussen, hat das auch Auswirkungen auf die Unternehmenskultur, das betriebliche Engagement der Mitarbeiter – und obendrein werden die Krankheitstage verringert.“




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