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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 06:05 Uhr

Erfolgreich : Reinraum statt Werkbank

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Marian Scheer wollte erst Tischler werden – jetzt ist er Deutschlands bester Auszubildender zum Mikrotechnologen.

Marian Scheer (24) ist Deutschlands bester Auszubildender zum Mikrotechnologen. Vor einigen Tagen erhielt er die offizielle Auszeichnung von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Berlin (wir berichteten). Dass es einmal so weit kommen würde, hätte der Itzehoer vor einigen Jahren nicht geahnt.

Als Abiturient hatte Scheer noch kein klares Berufsziel. Studium, Ausbildung, Auslandsjahr, es gibt viele Möglichkeiten. Er entschied sich erst einmal für den Wehrdienst und ein freiwilliges soziales Jahr. Erst danach war für ihn die Zeit gekommen, in den Beruf zu starten: als Tischler. „Ich dachte mir, etwas Handwerkliches zu machen, ist vielleicht ganz gut“, sagt er.

Doch es war nicht das, was Scheer sich vorgestellt hatte, die Arbeitsbedingungen gefielen ihm nicht. „Da habe ich überlegt, mich umzuorientieren.“ Geholfen hat ihm die Ausbildungsmesse „Azubiz“ im Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ).

Dort lernte er den Beruf des Mikrotechnologen kennen – und gleichzeitig auch den Ausbildungsleiter der Firma Vishay, eines Unternehmens, das weltweit aktiv ist und Transistoren für Elektrogeräte herstellt. In Itzehoe arbeiten etwa 320 Angestellte für die Firma. Der Hauptsitz ist in Pennsylvania. Vishays Transistoren stecken in der Playstation 4, Konzerne wie Apple oder Samsung gehören zu den Kunden.

Scheers Interesse war geweckt. Er fragte den Ausbildungsleiter, wie es mit Bewerbungen für das kommende Ausbildungsjahr aussehe. Vishay bildet jedes Jahr zwei Mikrotechnologen aus und ist immer auf der Suche nach Bewerbern. Zu Scheers Glück war gerade eine neue Auszubildende abgesprungen. Er bewarb sich für das aktuelle Jahr, durchlief das Auswahlverfahren, bestand es, kündigte in der Tischlerei und begann mit zwei Monaten Verspätung eine Ausbildung zum Mikrotechnologen. Man sollte für den Beruf ein gewisses technisches und naturwissenschaftliches Verständnis mitbringen, müsse aber auf keinen Fall lauter Einsen in Fächern wie Chemie oder Mathe haben, schildert er. Marian Scheer hatte Physik nach der neunten Klasse abgewählt – weil er dachte, er brauche es nicht.

„Es ist eine sehr schöne Ausbildung, weil der Beruf sehr breit gefächert ist“, zieht der 24-Jährige nach drei Jahren Bilanz. „Am Anfang war es wie in einer anderen Welt.“ Damit meint er vor allem den großen Reinraum der Firma, der einem Labor ähnelt. „Hier wird aber nicht geforscht, sondern produziert“, sagt Scheer. Der riesige Raum ähnelt mit seinen vielen Geräten und Arbeitern in Schutzkleidung einem Raumschiff. Drinnen muss alles absolut sauber sein, selbst unter einem ausgefallenen Haar oder Staubkorn könnten sich sonst kleinste Teilchen verstecken, mit denen Scheer und seine Kollegen die Transistoren herstellen.

Mikrotechnologen sind das Bindeglied zwischen Produktion, Instandhaltung und Ingenieuren. Scheer hat in den drei Jahren sowohl die Produktionsabläufe genauestens kennengelernt als auch die Geräte. Am Ende seiner Ausbildung stand die Abschlussarbeit. In dieser wie auch in der gesamten Ausbildung erzielte er so gute Ergebnisse, dass die IHK ihm die Ehrung verlieh. Die Frage, ob er nach seiner Ausbildung übernommen würde, stellte sich damit nicht mehr. Selbstverständlich bekam er bei Vishay einen Arbeitsvertrag in der Produktionsleitung – und will auf jeden Fall bleiben.

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erstellt am 16.Dez.2016 | 17:41 Uhr

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