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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 18:17 Uhr

Medizin : Rein rechnerisch genug Landärzte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Tatsächlich fehlen in Dithmarschenniedergelassene Mediziner. Kassenärztliche Vereinigung will mit Vermittlungsbörse helfen.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2013 | 05:00 Uhr

Hausarzt will kaum noch jemand werden. Händeringend suchen Allgemeinmediziner einen Nachfolger. Oft vergeblich. Offiziell gibt es bis 2025 keinen Ärztemangel. So einfach ist das aber nicht. Drei Viertel der frisch gebackenen Ärzte sind Frauen. Und die haben eine andere Lebensplanung und wollen nach den Erfahrungen von Harald Stender, Geschäftsführer der Westküstenkliniken Heide und Brunsbüttel, keine Praxis eröffnen. „Die Ärzte kommen in Dithmarschen nicht an“, so Stender. Deshalb wird jetzt nach Lösungen gesucht.

Berücksichtigt werden müssen auch die regionalen Strukturen. Deutschland liegt der Studie zufolge bei der Ärztedichte mit 3,84 Mediziner pro 1000 Einwohner zwar in der internationalen Spitzengruppe. Schleswig-Holstein kann mit 3,7 Ärzten auch noch gut mithalten. Doch die sitzen vor allem in den Großstädten und dem Hamburger Speckgürtel.

Ein neues Gesetz wirft zudem noch ein ganz anderes Licht auf die Situation. „Vor einem Jahr gab es eine Änderung der Bedarfsplanung“, erklärt Stender. Das heißt: Fehlten vor der Regelung noch elf Ärzte in Dithmarschen, gibt es jetzt rein rechnerisch in Teilen des Kreises sogar eine Überbesetzung. Auch wenn damit offiziell die Probleme vom Tisch gewischt wurden, sieht die Realität anders aus. Selbst wenn sich an der Gesamtzahl der Praxen nichts ändert, bleibt immer noch die Suche nach Praxennachfolgern – denn die insgesamt 158 Landärzte sind überdurchschnittlich alt.

Auf Landesebene sind die Sorgen der Dithmarscher jetzt auf offene Ohren gestoßen. „Es war ein großer Schritt nach vorn“, zeigt sich Landrat Dr. Jörn Klimant nach einem Gespräch am Mittwochnachmittag mit dem Sozialministerium und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) optimistisch. Noch in diesem Jahr sollen erste Projekte starten, die von der KV unterstützt werden. Hilfreich ist vor allem, dass das Westküstenklinikum als einzige Klinik im Land in die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner investiert. 200 000 Euro lässt Stender es das WKK jährlich kosten. Ihm ist es das Geld wert. Denn nur so kann er sicherstellen, dass es genügend Hausärzte in Dithmarschen gibt und Patienten nicht sofort in der Klinik landen. Doch dafür müsste es aus seiner Sicht eine Förderung geben. Den eigenen Ärztemangel am WKK mit bis zum Teil zehn offenen Stellen konnte Stender inzwischen durch das Anwerben von Uni-Absolventen und ausländischen Ärzten beseitigen.

Jetzt sollen potenzielle Landärzte und praktizierende Ärzte in einer Art Börse zusammengebracht und auch von der Kassenärztlichen Vereinigung bei der Praxisübergabe unterstützt werden. Zudem soll eng mit Kommunen zusammengearbeitet werden, die nach Lösungen suchen, um das Arbeitsumfeld für Ärzte attraktiv zu gestalten. „Es müssen maßgeschneiderte Lösungen für Teilregionen gesucht werden“, so Klimant. Auch Stender zeigt sich nach dem Gespräch zufrieden. Er ist überzeugt: „Dezentrale Lösungen haben hohe Erfolgsaussichten.“

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