Geschlossen : Reifenwerkstatt verlässt Itzehoe

Können es kaum glauben: Rudolf Rüssel (l.) und Wilfried Pahl sind langjährige Kunden.
Können es kaum glauben: Rudolf Rüssel (l.) und Wilfried Pahl sind langjährige Kunden.

Euromaster schließt in der Brückenstraße: 900 Kunden müssen ihre eingelagerten Sätze abholen und auf andere Firmen ausweichen.

shz.de von
09. Januar 2015, 16:47 Uhr

„Ich bin platt. Hier ist bald nichts mehr. Das ist doch nicht normal“, wundert sich Wilfried Pahl, als er bei der Firma Euromaster vor verschlossenen Türen steht. Seit Jahren lässt der 64-Jährige hier seine Autoreifen montieren – bei „Gummi-Mayer“. Unter diesem Namen ging die Werkstatt vor 36 Jahren als Familienunternehmen mit mehr als 200 Niederlassungen in ganz Deutschland an den Start. Der Name ist ihm, wie den meisten Stammkunden, fest im Gedächtnis.

Übergangsweise lief die Werkstatt in der Brückenstraße 61 später unter dem dänischen Fabrikat Viborg und ging schließlich in den Filial-Betrieb Euromaster über, der unter französischer Leitung steht und 350 Filialen in Deutschland betreibt

Vier Angestellte waren zuletzt in der Werkstatt beschäftigt. Für sie kam das Aus zum Jahreswechsel überraschend wie ein schlechtes Weihnachtsgeschenk. Am 23. Dezember bis 12 Uhr wurde in der Werkstatt noch gearbeitet. „Jetzt sind wir nur noch dabei, das Kind zu beerdigen“, so Werkstattleiter Ronald Pachaly (51).

Entsprechend gedrückt ist die Stimmung in diesen Tagen auf dem Werkstattgelände. Seit Anfang der Woche informiert ein Schild an der Pforte: „Betrieb ist geschlossen.“ Doch die Mitarbeiter sind noch vor Ort, um die rund 900 Kunden zu betreuen, die ihre eingelagerten Reifensätze nun abholen und anders unterbringen müssen.

Sie werden über die Zentrale der Firma Euromaster angeschrieben und über die Werkstattschließung in Kenntnis gesetzt, erklärt Ronald Pachaly. Er wird sich nun nach einer neuen Aufgabe umsehen, da ihm durch Euromaster keine adäquate Stelle mit leitender Position angeboten werden konnte.

Was aus den Betriebsräumen werden wird, weiß er nicht. Theoretisch laufe der der Pachtvertrag noch bis zum Jahresende 2015. „Wenn wir alles abgewickelt haben, wird der Laden leer stehen. So etwas habe ich noch nicht mitgemacht“, sagt er. Das es so weit kommen könnte, damit hat er nicht gerechnet. Doch Euromaster habe einen Masterplan 2017, der vorsehe, alle Niederlassungen in Deutschland bis dahin in schwarze Zahlen zu bringen.

In der Itzehoer Außenstelle habe er zwar eine Steigerung des Betriebsergebnisses erreichen können. Doch es sei wohl nicht gut genug gewesen. „Sie haben bei uns keine Entwicklung gesehen“, erklärt der Leiter der Itzehoer Reifenwerkstatt. Firmenschließungen wie zuletzt beispielsweise Prinovis zeugten überdies von einer fehlenden Wirtschafts- und Kaufkraft am Standort. Er glaubt, auch dies werde auf Leitungsebende gesehen.

„Schönes Weihnachtsgeschenk“, fasst er zusammen. Und Reifenmonteur Peter Schlüter (56) fragt: „Wer stellt jemanden mit 56 ein? Wir haben alle Familie.“ Für die Mitarbeiter ist nun ein Umdenken gefragt. Zwei Reifenmonteure werden übernommen. Sie werden in den umliegenden Außenstellen beschäftigt.

Besonders betroffen sind jedoch die Kunden. Privatleute , die ihre Reifen in der heimischen Garage lagern , aber auch größere Unternehmen, Leasingkunden und Autovermietungen zählen zum Kundenstamm. Für sie ist hier Feierabend, bringt es Rudolf Rüssel auf den Punkt. Der
71-jährige ehemalige Besitzer einer Autovermietung gehört fast schon zum Inventar. Er hat die Anfänge der Werkstatt mitbekommen. Nun sieht er auch ihr Ende.

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