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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 12:12 Uhr

Notfallsanitäter : Reform im Rettungsdienst

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Nach Gesetzesänderung erste Notfallsanitäter mit erweiterten Kompetenzen im Einsatz / RKiSH plant über 500 Rettungsassistenten fortzubilden

von
erstellt am 14.Apr.2015 | 15:00 Uhr

Notfall auf dem Sportplatz: Ein Fußballspieler hat sich den Fuß gebrochen. Eine nicht lebensbedrohliche Verletzung – aber sehr schmerzhaft. Der Rettungswagen (RTW) ist wenige Minuten nach dem Notruf vor Ort, aber bisher bekam der Patient in Fällen wie diesem erst im Krankenhaus ein Schmerzmittel oder wenn ein Notarzt vor Ort eintraf. Und das konnte in abgelegenen Orten wie Glückstadt durchaus bis zu 20 Minuten dauern – ähnlich lange dauert die Fahrt ins Krankenhaus nach Elmshorn oder Itzehoe. Die Rettungsassistenten auf dem RTW konnten nur kühlen und verbinden – Schmerzmittel verabreichen durften sie nicht.

Mit dem Notfallsanitätergesetz, das auf Bundesebene 2013 verabschiedet wurde, sollen Lücken wie diese vor allem für Bürger in ländlichen Regionen geschlossen werden. Notfallsanitäter haben deutlich mehr Kompetenzen als die bisherigen Rettungsassistenten.

„Es ist gut, nicht nur Zuschauer zu sein, wenn der Patient Schmerzen hat“, sagt Melanie König. Die 30-Jährige arbeitet bei der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH - siehe Info-Kasten), ihre „Stammwache“ ist in Nordoe. Zehn Jahre war sie als Rettungsassistentin tätig. Nun gehört sie zu den ersten Notfallsanitätern im Land. „Der Gesetzgeber traut uns mehr zu und gibt uns mehr Verantwortung. Das ist positiv.“

Mit 15 Kollegen hat König am ersten dreiwöchigen Intensivkurs zur Fortbildung zum Notfallsanitäter an der betriebseigenen Akademie der RKiSH in Heide teilgenommen. Am Ende stand eine Prüfung. Dabei war auch Norman Gercken, Leiter der Rettungswache in Glückstadt. „Der Kurs ist neu. Wir wussten nicht wirklich, was auf uns zu kommt.“ Sein Fazit ist positiv. „Es war nach 22 Jahren im Dienst sehr gut, umfassend auf den neusten Stand gebracht zu werden. Das war intensiver als unsere regelmäßigen Fortbildungen“, sagt der 43-jährige Glückstädter über den Kompaktkurs. Auch der fachliche Austausch mit den ebenfalls erfahrenen Kollegen sei Gewinn bringend gewesen, sagt Gercken. Seine Kollegin Melanie König ergänzt: „Man lernt nie aus. Fortbildung im Sinne des Patienten gehört zu jedem medizinischen Beruf dazu.“

Die RKiSH möchte in den kommenden Jahren über 500 ihrer insgesamt rund 700 Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern fortbilden. „Wir wollen eine möglichst hohe Qualität in der Versorgung unserer Patienten gewährleisten“, erklärt Sprecher Christian Mandel. „Deshalb möchten wir, dass sich möglichst viele Kollegen weiterqualifizieren.“ Der Kurs sei aber freiwillig. Gezwungen werde im Unternehmen niemand. Wer beispielsweise kurz vor dem Ruhestand steht, muss sich dem intensiven Test vor einer Prüfungskommission, unter anderem mit Vertretern des Landesamtes für soziale Dienste, nicht mehr unterziehen.

Langfristig werden die Rettungswagen der RKiSH in der Regel mit zwei Notfallsanitätern besetzt sein, sagt Mandel. Obwohl auch die Kombination aus einem Notfallsanitäter und einem Rettungsassistenten sehr wahrscheinlich gesetzlich zulässig sein wird. Die Ausführungsbestimmungen zum Bundesgesetz sind Ländersache und werden in Schleswig-Holstein aktuell im Landtag beraten.

Norman Gercken berichtet, dass ein Nebenaspekt des Reform im Rettungsdienst ihn und seine Kollegen besonders freut: „Wir heißen wieder ganz offiziell Sanitäter wie früher.“ Die Bezeichnung Rettungsassistent habe sich in der Bevölkerung nie wirklich durchgesetzt. Sprachgebrauch und offizielle Bezeichnung passen jetzt wieder zusammen.

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