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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 16:56 Uhr

Nachhaltigkeit : Reet decken: Reine Handarbeit

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Altes Handwerk: Henning Hoffmann und seine Mitarbeiter arbeiten mit einem natürlich wachsenden Rohstoff, der wieder sehr begehrt ist

von
erstellt am 04.Nov.2014 | 17:07 Uhr

Henning Hoffmann und sein Mitarbeiter Arek Kopystianski nehmen ein Bündel Reet in die Hand und prüfen es. Die Männer sind zufrieden: Leicht sind die Gebinde, die Halme gerade mal vier bis sechs Millimeter dick. Sie sollen das Haus von Alexander und Beate Nürnberg im Glückstädter Stadtteil Kimming vor Wind und Wetter schützen. Hoffmann schaut auf das, was auf dem Dach bisher geschafft ist: „Alles reine Handarbeit.“

Reet decken: Das ist eine alte Kunst, ein traditionelles Handwerk. Auch Henning Hoffmann fühlt sich der Tradition verpflichtet. „Um Reet zu decken, muss man ein gutes Auge haben. Reet ist ein natürlicher Stoff.“ Er und seine Mitarbeiter könnten nicht wie andere Dachdecker mit dem Zollstock arbeiten. Pfannen auf ein Dach zu legen, wäre einfacher als Reet. Kreativität ist gefordert. „Wir müssen mit den Reetbündeln das Dach selber formen.“

Früher kam das Reet aus der Region, heute aus südlichen Ländern. „Wir bekommen es aus Rumänien, Ungarn und Österreich“, erklärt Hoffmann. „Notfalls auch aus China.“ Leider werde das natürliche Gut immer teurer. „Es liegt an den Speditionskosten.“

Reetdächer werden bei Hausbesitzern immer beliebter. „Nicht nur in Deutschland“, sagt Arek Kopystianski im Gespräch mit seinem Chef. In Polen beobachtet er seit zehn Jahren: Wer Geld hat, leistet sich ein Reetdach.

Der 39-Jährige wird von seinem Chef sehr geschätzt. Denn er kann mit dem Reet umgehen. Und er klettert so sicher über das Dach, als wäre er dort zu Hause. Leicht sieht es aus, wenn er seinem Kollegen Jan Gryta (53) die Bündel mit Reet zuwirft, mit denen beide arbeiten.

340 Quadratmeter müssen bei Familie Nürnberg insgesamt neu eingedeckt werden. Die Hälfte ist bereits geschafft. Zwölf Bund Reet werden pro Quadratmeter verlegt. Und für einen Quadratmeter brauchen die Männer rund eine Stunde. „4000 Bund gehen auf dieses Dach“, weiß Hoffmann.

Vorher ist das Dach von einer Zimmerei aus Kollmar isoliert worden. Dies war aus Sicht von Henning Hoffmann auch dringend notwendig. Denn vorher zog es kalt rein. „Jetzt wurde eine Luft- und Dampfsperre eingezogen. Es gibt keine Löcher mehr.“ Löcher gibt es auch keine im Reetdach. Denn es ist eine dicke Schicht, die nochmal isoliert. „Das Reet wird schichtweise aufgelegt. Ein Bündel neben dem anderen“, erklärt der 59-Jährige aus Neuenbrook.

Die Dachdecker sind mit speziellen Nadeln und Draht auf dem Dach unterwegs, um die Reetbündel festzumachen. Mit den Nadeln wird der Draht unter die Dachlatten geschoben und um die Bündel festgezurrt. „Verwendet werden auch Schrauben“, erklärt Hoffmann zur zweiten Möglichkeit, die Bündel festzumachen.

Das Wetter jetzt im Herbst war mit seiner milden Witterung bisher fast ideal für die Mitarbeiter auf dem Dach. „Wir arbeiten rund ums Jahr, nur nicht wenn es friert. Denn dann besteht die Gefahr, dass das Reet bricht.“

Immer wieder hört der Neuenbrooker die Aussage von anderen: Was für ein schöner Beruf. Doch im Sommer ist es oft heiß auf dem Dach, ab Herbst kalt. „Es ist sehr schwer Mitarbeiter zu finden“, weiß Hoffmann aus Erfahrung. Deshalb ist er froh, dass er mit Arek Kopystianski und Jan Gryta so erfahrenen Reetdachdecker gefunden hat. Vielmehr haben sie ihn gefunden – über das Internet. Sie haben sich ihm beworben.

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