Neuer Verkehrsrechner in Itzehoe : Rechenpower gegen Stau

Die Kreuzung Gruner- und Lindenstraße gehört zu den am meisten befahrenen in Itzehoe: Auch hier regelt der neue Verkehrsrechner über die Ampelanlagen den Verkehr.
Die Kreuzung Gruner- und Lindenstraße gehört zu den am meisten befahrenen in Itzehoe: Auch hier regelt der neue Verkehrsrechner über die Ampelanlagen den Verkehr.

Die Stadt Itzehoe hat ihren alten Verkehrsrechner durch ein modernes System ersetzt. Die Anlage steuert rund 40 Ampelanlagen an Kreuzungen im Stadtgebiet.

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19. Februar 2018, 05:00 Uhr

Es ist ein technischer Quantensprung in Sachen Verkehrssteuerung, den Itzehoe in den vergangenen Monaten vollzogen hat, sagt Andrea Stegmann, Leiterin der Tiefbauabteilung im Rathaus. Der Verkehrsrechner, der alle wichtigen Ampeln im Stadtgebiet steuert, wurde erneuert. Das Vorgängermodell aus dem Jahr 1993 sei alles andere als auf der Höhe der Zeit gewesen, so Stegmann. Nun habe die Stadt eine moderne Anlage, deren Aufgabe es ist, den Verkehrsfluss zu optimieren.

In der Praxis heißt das in aller Regel, Kompromisse zu finden. Fußgänger brauchen Zeit, um sicher und bequem eine Straße zu überqueren, Autofahrer sollen an Einmündungen auf Hauptstraßen nicht ewig warten. Gleichzeitig sollen sich auf Hauptstrecken keine Fahrzeugschlangen bilden. Der Rechner ist so programmiert, die optimale Lösung unter Berücksichtigung aller Belange zu finden. Seine Daten bezieht er aus Induktionsschleifen an fast allen Kreuzungen im Stadtgebiet. Der Rechner erkennt, wann und wo wie viele Autos fahren oder warten.

Spannend wird es immer dann, wenn sich die Verkehrsströme ändern, etwa durch Baustellen, erklärt Björn Faust, einer der Mitarbeiter, die den Rechner steuern. „Für größere Baumaßnahmen muss extra ein eigenes Programm geschrieben werden“, sagt Faust. So weit, dass sie sich ohne Menschenhand an geänderte Voraussetzungen anpasst, ist die künstliche Intelligenz im Verkehrswesen noch nicht.

Für immer wieder auftretende Sonderfälle, wie die Sperrung der Störbrücke im Zuge der A 23, gibt es bereits fertige Sonderprogramme. Dieser „Klassiker“ der Itzehoer Verkehrsprobleme zeige aber auch regelmäßig die Grenzen der Steuerungsmöglichkeiten auf, sagen die Fachleute. Sind die Straßen einfach völlig überfüllt, nützt eine Anpassung der Ampelzeiten nur wenig.

Wichtig ist der Verkehrsrechner auch in einem anderen Zusammenhang: Er dient der Dokumentation des Verkehrsgeschehens, was unter anderem bei der rechtlichen Aufarbeitung von Unfällen eine Rolle spielt. Machen Unfallbeteiligte beispielsweise widersprüchliche Angaben zu den Lichtsignalen an einer Kreuzung, greifen Sachverständige auf die Daten zurück, um zu klären, wer Recht hat. Auch in diesen Fällen erleichtert das neue System die Arbeit erheblich. Beim Vorgänger erfolgte die Protokollierung noch per Ausdruck auf Endlos-Papier. Nun lässt sich per Mausklick genau nachvollziehen, welche Ampel wann welches Signal angezeigt hat.

Der Verkehr selbst wird nicht ganz so detailliert erfasst. Zwar lässt sich genau auswerten, wie viele Fahrzeuge eine Kreuzung passiert haben. Ob es sich um Lastwagen oder Autos handelte, wird aber beispielsweise nicht gemessen. Technisch wäre an dieser Stelle noch viel mehr möglich. „Aber das ist natürlich auch eine Kostenfrage“, sagt Faust.

Trotzdem sind die Daten des Rechners auch so eine sehr wichtige Grundlage für alle Planungen zu Verkehrsführung, etwa bei Baumaßnahmen, sagt Stegmann.

Bei aller Technik ist der menschliche Faktor aber immer noch wichtig. Denn manchmal sei das Verhalten der Verkehrsteilnehmer auf den Straßen im wahrsten Sinne des Wortes unberechenbar, sagen die Experten. In solchen Fällen sind beispielsweise die Beobachtungen der Busfahrer eine willkommene Ergänzung. „Da gibt es einen regen Austausch“, sagt Stegmann. Die Fahrer, die durch ihre Erfahrung und ihre regelmäßigen Fahrten ein besonderes Auge für den Verkehr haben, liefern im Idealfall eine Erklärung für Probleme mit. Die bildet dann wieder einen Ansatzpunkt, um den Verkehrsrechner zu füttern.

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