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Atomaufsicht informiert : Reaktor-Rückbau mit viel Transparenz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Leiter der Atomaufsicht berichtet im Kreis-Umweltschutzausschuss über Entsorgung kerntechnischer Anlagen.

Die Sitzung hatte noch nicht richtig begonnen, da prasselten die Fragen auf Jan Backmann, Oliver Karschnik und Uwe Meyer ein. Die drei Vertreter aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume waren in den Umweltschutzausschuss des Kreises Steinburg gekommen, um über Rückbau und Entsorgung kerntechnischer Anlagen zu informieren. Karsten Hinrichsen von der Initiative Brokdorf akut hatte gleich eine ganze Reihe von Fragen – und musste denn auch vom Ausschussvorsitzenden Jürgen Ruge (Bündnis 90/Grüne) ermahnt werden, sich kurz zu fassen.

Ob die heutigen Emissionswerte öffentlich gemacht werden, wenn das Atomkraftwerk Brokdorf für Reparaturarbeiten heruntergefahren wird, und ob die Forderungen, die die Landesregierung für die Einlagerung von Castoren aus dem britischen Sellafield in Brunsbüttel angesetzt hatte, auch für die jetzt vorgesehene Einlagerung am Standort Brokdorf gälten, wollte Hinrichsen unter anderem wissen. Backmanns Versprechen war gleichzeitig Antwort auf (fast) alle Fragen: „Wir sind in allen Fällen um größtmögliche Transparenz bemüht und werden alle Ängste und Sorgen an die Bundesregierung transportieren.“

Und einen Teil seines Versprechens wollte der Leiter der Atomaufsicht in Kiel gleich in die Tat umsetzen. In einem 30-minütigen Vortrag beschrieb Backmann das „langwierige und komplexe Verfahren“ des Rückbaus von Atomkraftwerken. Dabei verwies er auch auf die unterschiedlichen Zuständigkeiten von Betreiber (Antrag und Ausführung) und der Behörde für Reaktorsicherheit (Genehmigung und Überwachung der Umsetzung). „Die Kraftwerksbesitzer sagen, wie sie sich den Rückbau vorstellen, und wir prüfen, wie sie die Vorhaben umsetzen.“

Beim Rückbau gehe es darum, die Abfallstoffe zu kategorisieren. Grob würden Wärme entwickelnde und nicht Wärme entwickelnde, radioaktive Stoffe unterschieden. „In jedem Teil im Kraftwerk ist Radioaktivität, aber auch überall in unserer Umwelt“, sagte Backmann. Deshalb gehe es in erster Linie darum, zwischen künstlicher und natürlicher Radioaktivität zu trennen und die Belastung zu ermitteln. Zehn Mikrosievert habe sich in Europa als Grenzwert durchgesetzt, was darunter liege, erhalte eine Freigabe. „In der Umwelt sind wir durchaus höherer Strahlung ausgesetzt“, sagte Jan Backmann. Wer eine Schachtel Zigaretten am Tag rauche, bekomme beispielsweise rund 8,8 Millisievert im Jahr ab.

Aber gerade die Freimess-Grenze war es, die Karsten Hinrichsen für bedenklich hielt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Brokdorf akut forderten die Senkung auf einen Mikrosievert. „Und wenn wir diese Grenze angelegt hätten, würden wir jetzt über 0,1 Mikrosievert diskutieren“, vermutete Brackmann.

Am Rande streifte der Leiter der Atomaufsicht auch das Thema Endlagersuche, stellte jedoch klar, dass die Zwischenlagerung an den jeweiligen Standorten sowie im Lasma, dem Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Brunsbüttel, erfolge; für die Endlagerung radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung sei der Schacht Konrad vorgesehen. Abfall, der die Freimess-Grenze unterschreitet, wird nach dem normalen Abfallrecht behandelt, verbrannt oder deponiert, erklärte Fachmann Uwe Meyer.

Die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein wolle dafür sorgen, dass der Rückbau nicht stocke, es keine Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung gebe und der radioaktive Abfall nicht durch die ganze Republik gekarrt werde. „Wir wollen alle Abläufe in der Öffentlichkeit darstellen und stehen auch der Begleitung des Verfahrens durch Sachverständige von Umweltverbänden offen gegenüber. Und ich glaube, dass wir mit diesem Vorgehen das Beste und Sicherste für unser Land herausholen können“, schloss Jan Backmann.

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erstellt am 27.Feb.2016 | 16:00 Uhr

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