Gesundheitstag : Rauschbrillen-Slalom und Handytest

Stellen ihre Handys auf eine gesunde Lautstärke zum Musik hören ein: Lara Kunze (li.), Marie Jochens, Luna Marie Mohr, Tarek Schlüter, Fynn Stapper,  unterstützt von Olaf Röpnack von der Unfallkasse Nord.
Stellen ihre Handys auf eine gesunde Lautstärke zum Musik hören ein: Lara Kunze (li.), Marie Jochens, Luna Marie Mohr, Tarek Schlüter, Fynn Stapper, unterstützt von Olaf Röpnack von der Unfallkasse Nord.

600 Siebtklässler nahmen an den Gesundheitstagen teil / Praxisnahe Experimente sorgten für Überraschung

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22. Juni 2020, 08:30 Uhr

„Das hört man ja kaum!“ Eine Gruppe Siebtklässler aus Kellinghusen hat sich am Stand der Unfallkasse Nord versammelt. Gerade hält Fynn sein Handy an ein Messgerät, das die Lautstärke in Dezibel anzeigen kann. Fynn benutzt sein Mobiltelefon nicht nur zum Telefonieren, sondern auch, um damit über Kopfhörer Musik zu hören. Ob das gesundheitsschädlich ist? Das konnte der Siebtklässler während der Gesundheitstage im Gesundheitsamt Itzehoe austesten.

Mit Hilfe des Messgeräts prüften er und seine Mitschüler zunächst die Lautstärke, mit der sie im Alltag ihre Musik auf die Ohren nehmen und kamen damit schnell in den roten Bereich, bei dem die Musik wie ein Sturm durch die Härchen im Gehörgang fegt und das Sinnesorgan nachhaltig schädigt, so beschrieb es Olaf Röpnack von der Unfallkasse Nord. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schädlich sein kann. Ich höre gerne laut Musik, vor allem im Bus“, äußerte die 12-Jährige Luna Marie Mohr, überrascht von dem Experiment.

An einem anderen Stand klärte Renate Laubert im Rahmen der Suchtprävention über das Thema Alkohol auf. „Leute, die alkoholisiert sind, laufen los und denken oft gar nicht daran, dass ihnen etwas passieren könnte“, schilderte sie und ließ die Schüler einmal durch die Brille eines Betrunkenen sehen. Einen Wahrnehmungsverlust bei etwa 0,8 Promille simulierte die Rauschbrille, die sie den Schülern anbot. Lisa-Maria Paulsen und Celina Rustrectius Warmbold wagten den Versuch: „Man sieht alles doppelt und irgendwie weiter weg“. Einige Verkehrshütchen flogen durcheinander bei ihren Versuchen, mit getrübten Sinnen einen Slalomlauf zu bestehen, und selbst das Aufheben eines Kugelschreibers oder ein gegenseitiges Abklatschen wurde für die Schülerinnen zur Herausforderung.

Für jeweils gute zwei Stunden eroberten insgesamt etwa 600 Siebtklässler aus dem Kreis Steinburg innerhalb der drei Aktionstage das Gesundheitsamt. Getrennt von ihren Lehrkräften, die sich in einer gesonderten Gruppe informierten, sammelten sie praktisch und spielerisch Eindrücke rund um die Themen Körper, Seele, Gewalt, Sucht und Sexualität.

Das Projekt war seitens des Gesundheitsamtes wieder von langer Hand vorbereitet worden. Es richtet sich bewusst an Schüler der siebten Klassenstufe. Sie seien weniger vorbelastet als ältere Schüler. Ziel sei es, den Jugendlichen Eindrücke zu vermitteln, die es ihnen ermögliche, später gesundheitsbewusst zu entscheiden, so Dr. Claudia Vollmers, Leiterin des Gesundheitsamts. Nicht alle Schulen, die sich beworben hatten, konnten teilnehmen. „Einige Schulen waren regelrecht traurig, dass sie für dieses Jahr nicht zugelassen wurden“, berichtete Vollmers. Im nächsten Jahr gebe es eine neue Runde. Der Termin werde sorgfältig ausgewählt, um nicht mit Ferien, Klausuren und ähnlichem zu kollidieren.

>Folgende Institutionen machten mit: Unfallkasse Nord,

Kreisarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege, DRK, Johanniter Unfallhilfe, Landesstelle für Suchtfragen, Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe, Familien- und Lebensfragen, Awo Schleswig-Holstein, Pro Vita, Pro Familia, Blaues Kreuz in der Ev. Kirche-Jugendgruppe, Anonyme Alkoholiker, Al-Anon/ Alateen Selbsthilfegruppe für Angehörige und Freunde von Alkoholikern, Flexible Hilfen im Sozialraum, Suchtprävention Itzehoe, Präventionsstelle der Polizei Itzehoe, Autonomes Frauenhaus, Gleichstellungsbeauftragte Steinburg, Schulsozialpädagogin der Jacob-Struve Schule Horst und Mitarbeiter verschiedener Abteilungen des Gesundheitsamts

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