Hitzefrei : Raus aus dem Backofen

Abgang: Lilly und Maximilian von der AVS.
Abgang: Lilly und Maximilian von der AVS.

Itzehoer Schüler freuen sich über drei Tage hitzefrei in Folge – aber nicht alle hatten Glück.

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01. Juni 2018, 05:00 Uhr

Schweißperlen stehen auf der Stirn, die Wasserflasche ist schon ausgetrunken, und der Blick wandert immer wieder auf die Uhr. Die Erlösung kommt früher als geplant – an vielen Itzehoer Schulen hieß es gestern schon am dritten Tag in Folge „Hitzefrei“.

Eine einheitliche Regelung für den Unterrichtsausfall wegen Hitze gibt es nicht. Die Entscheidung, die Schüler früher zu entlassen, liegt beim Schulleiter. Das wichtigste Kriterium dabei ist die Fürsorgepflicht. Deswegen durften die Jungen und Mädchen der Grundschule Sude-West schon nach der fünften Stunde nach Hause, während die Kinder an den anderen Grundschulen bis zum Schluss durchhalten mussten. „Bei den Temperaturen können sich die Schüler nicht mehr konzentrieren“, begründet Gudrun Kullik, Leiterin der Grundschule Sude-West, ihre Entscheidung.

„Die Eltern bekommen einen Tag vorher eine Mitteilung, somit sind wir immer noch verlässlich“, betont sie. Die Leiter der anderen Grundschulen sahen das anders. „Nach unserer Auffassung müssen wir die Verlässlichkeit einhalten. Deswegen passen wir den Unterricht an, schicken die Kinder aber nicht nach Hause“, erklärt Kerit Christensen-Schultz-Collet von der Fehrs-Schule. Diese hält es wie die Grundschule Edendorf und verlagert den Sportunterricht in die Halle. Nach Bedarf wird in kühlere Räume gewechselt oder draußen im Schatten unterrichtet. „Für uns sind die Temperaturen noch okay“, sagt Christensen.

An den weiterführenden Schulen hingegen einigten sich die Leiter auf einen einheitlichen Unterrichtsausfall für die Schüler der Klassen fünf bis neun. „Es ist einfach zu warm in den Räumen – und wir kriegen sie auch über Nacht nicht kühl“, sagt Norbert Hartung von der Auguste-Viktoria-Schule. Auch in der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld waren gestern schon morgens im Obergeschoss 29 Grad erreicht. „Wir sind am Limit“, erklärt Schulleiter Hans-Joachim Sohrt. Man habe deshalb „witterungsgemäß pädagogisch sinnvoll reagiert“ und die Schüler nach der fünften Stunde entlassen. Die Absprache der Schulen untereinander sei sinnvoll, „damit sich die Schüler nicht ungerecht behandelt fühlen, wenn die eine Schule frei gibt und man selbst bleiben muss“, sagt Sohrt. Ganz ausgefallen ist der Unterricht für seine Schüler aber nicht. „Wir holen die Stunden in geeigneter Form nach“, kündigt der Leiter an.

Maximilian und Lilly von der AVS können es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Weil die beiden die fünfte Klasse besuchen, durften sie früher gehen. „Eigentlich hätten wir noch bis um halb vier Unterricht gehabt“, freut sich Lilly. Zwar stehen zuerst noch Hausaufgaben an, dann will sie aber, genau wie Maximilian, „den Sommer genießen“.

Für die Oberstufenschüler der Gymnasien gibt es ebenso wie am Regionalen Berufsbildungszentrum Unterricht bis zum heißen Ende. Da es sich um „junge Erwachsene handelt, ist es bei uns nicht die Regel“, sagt der stellvertretende Schulleiter, Jürgen Nicolay. Er wolle das „Hitzefrei“ für seine Schüler nicht ausschließen, aber „in unseren Räumen ist es noch auszuhalten“.

Auf dem Nachhauseweg mit dem Bus kann es für die Schüler erneut heiß und eng werden. Die Busse fahren trotz früheren Unterrichtsschlusses nach Plan. Temperaturbedingte Vorfälle gab es bislang nicht, so Ulrike Tietgen von der Firma Vineta.

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