Naturschutz : Raupen erobern die Nordoer Binnendüne

Hoffen auf viele Schmetterlinge (von links): Dr. Detlef Kolligs, Ute Lange-Friedrichs (Untere Naturschutzbehörde), Ziegenzüchter Marc Christians, Antje Walter, Förster Hinrich Schmidt Harries und  der Landesnaturschutzbeauftragte  Dr. Holger Gerth.
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Hoffen auf viele Schmetterlinge (von links): Dr. Detlef Kolligs, Ute Lange-Friedrichs (Untere Naturschutzbehörde), Ziegenzüchter Marc Christians, Antje Walter, Förster Hinrich Schmidt Harries und der Landesnaturschutzbeauftragte Dr. Holger Gerth.

Im nächsten Jahr sollen die ersten Goldenen Scheckenfalter in der Nordoer Heide schlüpfen. Halbzeit im Projekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

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18. Juli 2014, 17:15 Uhr

Sie sind nur wenige Millimeter groß, bräunlich und eher unscheinbar – noch. Denn aus den kleinen Raupen sollen prächtige Goldene Scheckenfalter schlüpfen. Allerdings erst im nächsten Frühjahr. Solange müssen Antje Walter und ihre Kollegen von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein noch warten. Im Projekt „Life Aurinia“ geht es um die Wiederansiedlung des Goldenen Scheckenfalters. Im Projektgebiet Nordoer Heide haben Antje Walter, Projektleiterin bei der Stiftung Naturschutz, und ihr Kollege, der Schmetterlingsexperte Dr. Detlef Kolligs, gestern zirka 18 000 winzige Raupen ausgesetzt und in dem rund 400 Hektar großen Gebiet verteilt. Kommen die Raupen gut durch den Winter, wird es im es Mai oder Juni des nächsten Jahres wieder Goldene Scheckenfalter in der Nordoer Heide geben. Dort sind die die letzten schleswig-holsteinischen Tagfalter dieser Art Ende der 90iger Jahren gesehen worden. „Wenn sich aus den Raupen 100 Scheckenfalter entwickeln, sind wir glücklich“, sagte Dr. Detlef Kolligs. In die Freiheit entlassen wurden die Raupen gestern am Teufelsabriss, der Hauptnahrung der Raupen. Dort werden die kleinen Krabbler auch ihre Überwinterungsgespinste bauen. Das Auswildern der Raupen ist ein Meilenstein zur „Wiederansiedlung des Goldenen Scheckenfalters“, betonte Antje Walter. Mit dem Projekt verbessere die Stiftung Naturschutz in den ausgewählten Gebieten die Lebensräume, und das nicht nur für den europaweit stark gefährdeten Tagfalter, sondern für eine Vielzahl gefährdeter Arten wie Wildbienen, Zauneidechse oder Neuntöter.

Um die Raupen aussetzen zu können, mussten die Stiftung Naturschutz, die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Steinburg und der Bundesforst jedoch den Lebensraum Binnendüne wieder optimal herstellen, zahlreiche Vorarbeiten waren notwendig. Erforderlich war es vor allem, der artenarme Vegetationszusammensetzung im Grünland und der massiven Verbuschung durch Kiefern, Traubenkirsche, Birke und Brombeersträuchern der Fläche zu begegnen. „In den letzten Jahren haben wir daran gearbeitet, zur ursprünglich vorhandenen Vielfalt zurückzukommen: Wir haben Bäume und Büsche aus der Fläche entnommen und das Gelände mit Burenziegen beweiden lassen.“ Auch Teufelsabbiss, die Nahrungspflanze der Raupen, sei im Grünland angepflanzt worden, um den notwendigen Lebensraum zu optimieren. Die Erfolge seien sichtbar: So vermehrten sich beispielsweise Arnika und Teufelsabbiss mittlerweile selbst.

Insgesamt hatte die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein zwölf Flächen für die Aussiedlung ins Auge gefasst, an vier Standorten soll sich jetzt der Scheckenfalter wieder ansiedeln. Die Nordoer Heide eignet sich dafür besonders: „Diese Projektflächen gehören aufgrund der Ausgangslage mit zu den besten, die wir im Projekt LIFE-Aurinia haben“, so Antje Walter. Neben der Binnendüne Nordoer Heide wird die Raupe in diesen Tagen auch in einem Gebiet in Reesholm (Schlei) ausgesetzt.

Die Ursprungs-Raupen stammen aus dem Bereich Skagen in Dänemark. Von dort wurden im vergangenen Jahr 300 Stück geholt, die dann bei Dr. Detlef Kolligs vermehrt wurden. Aus diesen Raupen entwickelten sich Scheckenfalter, die zwischenzeitlich wieder Eier legten. Diese zweite Generation wurde gestern ausgebracht - vermutlich 18000 Stück. Insgesamt sei die Zuchtpopulation gut durch den vergangenen Winter gekommen, habe sich ohne größere Verluste verpuppt und auch Paarung sowie Eiablage sei erfolgreich gewesen. Gezählt habe er die Raupen nicht, aber gewogen, so der Schmetterlingsexperte. So sei er auch die Zahl 18 000 gekommen.

„Der Goldene Schmetterling gilt als Schirmart, das heißt, wo er sich wohl fühlt, können auch andere gefährdete Tier- und Pflanzenarten wie Wildbienen, Zauneidechse oder der Neuntöter wieder leben“, betont Antje Walter abschließend.



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