zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 21:29 Uhr

Kita-Betreuung : Raumnot macht erfinderisch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Krippenplätze gibt es im Kindergarten Hohenaspe wie vorgeschrieben, aber für die Neuzugänge bei den über Dreijährigen wurde es eng. Auf der Straße sitzt aber kein Kind. Bis der Anbau fertig ist hilft ein Provisorium.

von
erstellt am 15.Sep.2013 | 05:25 Uhr

Wer will fleißige Handwerker sehen, der muss in die Kita gehen. Das Kinderlied ist derzeit in dem Kindergarten unterm Regenbogen in Hohenaspe der passende Soundtrack zum Alltag. Denn da nun auch schon einjährige Kinder das Recht auf öffentlich geförderte Betreuung haben, muss angebaut werden. Auf dem Papier ist alles noch ganz einfach: Kinder unter drei Jahren haben ab 1. August diesen Jahres einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. In der Realität hingegen ist oft Flexibilität und Einfallsreichtum gefragt, um diesem Anspruch auch gerecht zu werden – vor allem ohne dabei die über Dreijährigen hinten runter fallen zu lassen. Im Hohenasper Kindergarten war für Neuzugänge über drei Jahren wegen der Krippe erst kein Platz mehr. Denn der dringend benötige Conatiner-Anbau im Kindergarten verzögert sich. Eltern, die auf einen Platz für ihre über Dreijährigen warteten, wurden vertröstet. Doch der Kindergarten meistert den Spagat zwischen Rechtsanspruch und Platznot nun mit einem Provisorium.

Weil der Kindergarten Krippenplätze vorhalten muss, fehlte es an Kapazitäten für Ü3-Neuzugänge. Zwölf Elternpaare wussten bis vor kurzem noch nicht, ob sie wie in dem unverbindlichen Vertrag mit dem Kindergarten ihre Kinder zum 1. Oktober auch in Hohenaspe in die Betreuung geben können. Ein Container-Umbau soll den dringend benötigten Raum schaffen, doch die Baugenehmigung ist auch jetzt noch nicht erteilt. Deshalb fand der Kindergarten eigene Wege, um allen gerecht zu werden, wie eine Mutter erklärte. „Der Kindergarten wartet nicht untätig auf die Baugenehmigung, sondern hat sich selbst um eine Lösung bemüht.“ Eine Regelgruppe wurde in eine Krippengruppe umgewandelt, die Kinder aus der Gruppe auf die anderen Ü3-Gruppen verteilt. Nun werden diese Kinder wieder zusammengebracht und ziehen in das Bürgerhaus als vorläufiges Ausweichquartier um bis der Container fertig ist. „Die Neuzugänge werden ganz normal auf alle Gruppen verteilt, auch auf die Gruppe im Bürgerhaus, damit sie nicht die Gruppe, sondern später nur den Raum wechseln müssen“, so die Mutter.

Auch aus Sicht des Trägers, dem Ev.-Luth. Kindertagesstättenverband Rantzau-Münsterdorf ist damit eine „Übergangslösung geschaffen worden, bei der kein Kind auf der Straße bleibt“, so Geschäftsführer Thomas Hübner. Früher habe man nicht mit den Planungen zur Umstrukturierung starten können, denn die würden valide Zahlen voraussetzen. „Und man hat ja praktisch täglich neue Zahlen.“ Im Herbst letzten Jahres sei geguckt worden, welche Maßnahmen notwendig seien und alle Entscheidungen nacheinander abgearbeitet. Dass wegen der fehlenden Baugenehmigung nun ein Provisorium her musste, sei unglücklich. „Wir als Träger und die Pädagogen hätten es uns natürlich anders gewünscht, wir haben aber das beste aus der Situation gemacht“, so Hübner.

In die Entscheidung zu möglichen Lösungsansätzen wurden auch die Eltern einbezogen, wie Regina Lüdke, stellvertretende Kita-Leiterin erklärt. „Wir haben mit jeder Gruppe beraten wie die Kinder am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen werden und einvernehmlich eine Entscheidung getroffen. Wir werden aus pädagogischen Gesichtspunkten alles tun, damit Ruhe einkehrt und wir zu einem normalen Kita-Alltag übergehen können.“ Der Kindergarten sei guter Hoffnung, den Container dieses Jahr noch zu beziehen. „Wir warten täglich auf die Baugenehmigung.“

Da muss die Kita allerdings noch etwas Geduld haben, wie Ute Spieler, Leiterin des Kreisbauamts gegenüber der Redaktion erklärte. Der Antrag ging am 20. Juni ein, aber fehlende Unterlagen führten zu Verzögerungen in der Bearbeitung. „Dass ein Baubeginn zum 1. Oktober angesichts der Gesamtumstände eher unrealistisch ist, hätte allen Beteiligten eigentlich von Anfang an klar sein müssen. Es wäre – abhängig von den Lieferzeiten eines Herstellers – vielleicht möglich gewesen, wären die Antragsunterlagen von Anfang an vollständig und fehlerfrei gewesen, so dass eine Genehmigung noch im August hätte erteilt werden können.“ Wenn die letzte Änderung des Bauantrags absprachegemäß umgesetzt wurde, stehe der Erteilung einer Baugenehmigung nichts mehr entgegen, so Spieler. „Allerdings darf dann noch nicht mit dem Bau begonnen werden.“ Denn zum Bau sei noch eine geprüfte Statik erforderlich. „Ich vermute, dass der Bauherr zunächst die Baugenehmigung abwarten wollte, um dann gezielt Hersteller der Containermodule zur Angebotsabgabe aufzufordern. Erst wenn der Hersteller feststeht, werden vermutlich bautechnische Nachweise eingereicht. Das wird dann unter Umständen zu weiteren Verzögerungen führen.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen