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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 08:13 Uhr

Haus der Jugend : Rauer Ton und viele Fragen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Haus der Jugend in Itzehoe bereitet Probleme: 750 000 Euro mehr Kosten als geplant, Verunreinigungen im Baugrund. Die Stadtpolitiker überlegen, wie sie damit umgehen wollen.

von
erstellt am 03.Sep.2014 | 05:00 Uhr

Die entscheidende Frage kam zum Schluss, gestellt vom Bündnisgrünen Henning Wendt: „Wie kriegen wir die Kuh vom Eis?“ Die Antwort blieb aus. Die Stadtpolitiker müssen erst überlegen, wie sie mit den neuen Problemen beim Haus der Jugend umgehen wollen.

Wie berichtet, liegt die Haushaltsunterlage Bau vor mit Kosten von 3,8 Millionen Euro, 750 000 Euro mehr als bisher vorgesehen. Das sei nun eine „solide Zahl“, sagte Heyo Buurman, Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Hinzu kommt als große Unbekannte eine Verunreinigung des Baugrunds an der Grunerstraße mit Öl, Ausmaß ungewiss. Das löste im Finanzausschuss viele Fragen der Politik aus. Ihr Kern: Warum kommt das alles erst jetzt?

Die Antworten lieferte Buurman. So sei die Verlegung einer Regenwasserleitung in acht Metern Tiefe (255000 Euro) neu, weil während der Planungen das Gebäude auf dem Gelände an die Adolf-Rohde-Straße verlegt worden sei. Nichts zu tun habe das mit einer Verrohrung der Itze im Graben zur Poelstraße, die der Kommunalservice plane, weil der Wasserlauf nur mit extremem Aufwand zu pflegen sei. Die Ausstattung für das Gebäude (114 000 Euro) sei erstmals enthalten, weil eine ehrliche Auflistung vorgelegt werden sollte. Neu ist auch die Pfahlgründung (141 000 Euro), und bei den Testbohrungen zur Erkundung des Baugrundes wurde „als Abfallprodukt“, so Buurman, die Ölverunreinigung gefunden.

Diese Bohrungen hätten erst jetzt erfolgen können, machte er deutlich. Denn zuvor musste die Lage des Gebäudes feststehen. Frühere Bohrungen hätten einen anderen Zweck gehabt, die dabei aufgefallene Belastung mit Toluol liege an ganz anderer Stelle des Grundstücks. Um diese zu beseitigen, gebe es gute Gespräche mit dem Kreis und der Firma Prinovis als Nachfolger von Gruner, deren Druckerei an der Grunerstraße stand. Auch über das Öl werde dann noch zu sprechen sein, so Buurman. Die Hoffnung ist, dass die Ölbelastung nur klein ist und mit den passenden Verfahren beseitigt werden kann, ohne dass es den Bau beeinträchtigt oder aufhält. Erst aber müsse ihr Umfang mit weiteren Bohrungen erkundet werden, das sei in diesem Jahr zu klären.

Manches musste der Verwaltungsmann mehrfach erläutern. Teils war der Ton rau: So verwies Peter Olsen (IBF) auf die zweijährige Bindung durch den Bürgerentscheid vom August 2013, der das Alsen-Projekt gestoppt und das HdJ zurück an die Grunerstraße gebracht hatte. In der Stadt seien Stimmen zu hören, dass der Entscheid sabotiert werden solle. Das, so Olsen, sehe er nicht so, er erkenne aber „keine besondere Beschleunigung“. Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen reagierte: „Kein Mensch hat irgendwas verzögert.“ Er bat, sich im Ton zu mäßigen, denn dieser präge das Bild der Stadt nach außen. Auch Buurman betonte, es sei „alles sehr zügig abgearbeitet“ worden. Das will die Verwaltung nun belegen mit einer Aufstellung, was seit dem Bürgerentscheid passiert ist. Und als Carl-Heinrich Peters (IBF) sagte, es hätte schon im Februar 2010 an der Grunerstraße gebaut werden können, sprach Buurman von „Legendenbildung“: Es habe nur eine Machbarkeitsstudie für das verkleinerte HdJ vorgelegen.

Nun beraten die Fraktionen, der Finanzausschuss tagt wieder am 29. September. Vorsitzender Dr. Markus Müller (CDU) machte zum Schluss klar: „Ich werde es nicht dulden, dass in diesem Ausschuss versucht wird, die Verwaltung zum Sündenbock zu machen für Dinge, für die andere die Verantwortung tragen.“

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