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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 04:43 Uhr

Ausstellung : Rassismus aus dem Alltag holen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Ausstellung im Kellinghusener Rathaus soll Bewusstsein für steigenden Rechtsextremismus schärfen. Der Kriminalpräventive Rat warnt vor Verharmlosung

Eine Ausstellung im Rathaus – außer den Konterfeis verabschiedeter Bürgermeister waren dort bislang keine Fotodokumente zu betrachten. Mit Bedacht wählte der Kriminalpräventive Rat der Stadt (KPR) jetzt das zu Beginn des vorigen Jahrhunderts erbaute Gebäude als Veranstaltungsort. „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ lautet der Titel einer Schau des Julius-Leber-Forums der Friedrich-Ebert-Stiftung in Hamburg. Eröffnet wird sie am Dienstag, 22. Oktober, um 19.30 Uhr von Bernd Küppersbusch, Staatssekretär im Kieler Innenministerium.

Till Stehn von der Friedrich-Ebert-Stiftung wird zur Einführung sprechen. Die KPR-Vertreter Heinz-Jürgen Heidemann und Horst Nitz übernehmen bei der Vernissage Begrüßung und Moderation und erklären, warum sie die 16 freistehenden Tafeln ins Rathaus holten: „Wir wollen die Ausstellung dort zeigen, wo sich das politische Geschehen einer Stadt fokussiert“, sagt Heidemann. Auch während der Hitler Diktatur seien Vorstellungen und Gedanken des Nationalsozialismus dort artikuliert und gestaltet worden. „Rassistisches Gedankengut ist längst wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Nitz.

Zu wenig Beachtung fände häufig, dass es menschenfeindliches Denken und Rassismus in ihrer alltäglichen Ausprägung seien, die den Resonanzboden bildeten für das Entstehen von organisiertem und gewalttätigen Rechtsextremismus. „Die Abwertung der anderen beginnt ganz unspektakulär und wird meist gar nicht wahrgenommen.“ Rechte Sprüche und Vorurteile, zum Beispiel mit ausländerfeindlichem Inhalt seien immer wieder zu hören, ob am Stammtisch oder auf dem Schulhof. „Sie erscheinen zwar harmlos, drücken aber ein Weltsicht und ein Politikverständnis aus, welches nicht dem einer demokratischen, weltoffenen Gesellschaft entspricht“, unterstreicht Heidemann.

Die Ausstellung hält ein breites Spektrum an Informationen über den gegenwärtigen Rechtsextremismus bereit und stellt sich unter anderem den Fragen, wie Demokratie auf Grundlage des Grundgesetzes gemeinsam gelebt werden kann, und warum der Rechtsextremismus für die Demokratie so gefährlich ist. „Ziel der KPR-Aktivitäten mit Ausstellungen und Filmvorführungen ist, ein Bewusstsein gegen eine Normalisierung rechter Einstellungen zu schaffen“, sagt Heidemann.

In diesem Zusammenhang verweist er auf den „weißen Fleck“ in der Fotogalerie der Bürgermeister im Rathaus. Die „zwölfjährige Lücke“ müsse endlich bildlich und inhaltlich gefüllt werden. „Da muss die Stadt Farbe bekennen, wer in dieser Zeit Entscheidungen gefällt hat.“

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erstellt am 17.Okt.2013 | 12:45 Uhr

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